Endlich frei: Nicht nur in der Firma haben frischgebackene Unternehmer volle Entscheidungsfreiheit, sondern auch in punkto Gesundheit. Wer sich selbständig macht, darf der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) umgehend den Rücken kehren. Während Arbeitnehmer erst ab einem Jahreseinkommen von 50.850 € (Versicherungspflichtgrenze 2012) Privatpatient werden können, gelten für Existenzgründer, Freiberufler und Selbständige keinerlei Einkommensgrenzen. Mit dem Anstellungsverhältnis erlischt auch die gesetzliche Versicherungspflicht.
Freiwillig gesetzlich?
Wer vor seinem Start ins Unternehmerdasein zwölf Monate durchgehend oder in den vergangenen fünf Jahren mindestens 24 Monate gesetzlich versichert war, kann auf Antrag freiwilliges GKV-Mitglied bleiben. Vor allem für gut verdienende Selbständige rechnet sich diese Option jedoch nicht, zumal sie sich den einkommensabhängig erhobenen Beitrag nicht länger mit dem Arbeitgeber teilen können. Auch die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber im Krankheitsfall entfällt. Für die Option auf Krankentagegeld vor Ablauf der sechsten Woche erheben die gesetzlichen Kassen von Selbständigen deshalb einen Zuschlag. Beitragssätze von 15 Prozent sind keine Seltenheit.
Dazu kommt: Die Kassen unterstellen Selbständigen automatisch Bruttoeinnahmen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze (Jahreswert 2012: 50.850 €). Nur wer nachweisen kann, dass seine Firma weniger abwirft, z.B. anhand des Steuerbescheids, zahlt auf Antrag weniger. Selbst Jungunternehmer mit Mini-Einkommen versichern sich in der GKV nicht automatisch günstiger als bei einer privaten Versicherung. Von freiwilligen GKV-Mitgliedern wird nämlich stets ein Mindestbeitrag erhoben.
Maßgeschneiderter Privattarif
In der privaten Krankenversicherung richtet sich der Beitrag dagegen nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem persönlichen Krankheitsrisiko. Insbesondere jüngere und gesunde Versicherte mit höherem Einkommen können durch den Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung häufig sparen. Darüber hinaus bestimmen Privatversicherte den gewünschten Leistungsumfang und damit auch die Prämie weitestgehend selbst, während Kassenpatienten mit dem Standardangebot der GKV vorlieb nehmen müssen. „Für Existenzgründer empfiehlt sich z.B. ein preiswerter Basisschutz, mit der Option, später ohne erneute Risikoprüfung auf einen höherwertigen Tarif umzusteigen“, erklärt Bernd Goletz von der Continental-Krankenversicherung. Weiterer Pluspunkt: Leistungskürzungen, wie sie Kassenpatienten mit jeder neuen Reformstufe schlucken müssen, sind für Privatversicherte ausgeschlossen. „Allerdings haben Sie als Privatversicherter das Recht, jederzeit ohne Verluste auf einen günstigeren Tarif Ihrer Gesellschaft umzusteigen“, betont Goletz. Gut zu wissen, falls die Geschäfte nicht so gut laufen.
Krankentagegeld unverzichtbar
Krankentagegeld unverzichtbar: Insbesondere für Kleinunternehmer und Freiberufler ist eine längere Krankheit gleichbedeutend mit zumeist deutlichem Verdienstausfall. Eine private Krankentagegeldversicherung ist für sie deshalb unverzichtbar. Bis maximal zur Höhe des durchschnittlichen Nettoeinkommens kann der Tagessatz frei vereinbart werden. Die private Versicherung zahlt frühestens ab dem vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit. Eine längere Karenzzeit oder eine Staffelung der Tagessätze spart Prämie, beispielsweise wenn in den ersten vier Wochen nur ein Grundbetrag gezahlt wird, ab der fünften Woche dann ein höherer Satz. Sorgfältig vergleichen: Der Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist meist ein Bund fürs Leben.
Der Weg zurück in die GKV ist Selbständigen in der Regel versperrt, es sei denn, sie kehren zurück in ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis. Wer eine Großfamilie plant, bezahlt in der GKV zwar weniger, da dort Ehepartner ohne Einkommen und Kinder kostenlos mitversichert werden können – muss aber auch eine entsprechend schlechtere Absicherung akzeptieren. Da mit zunehmendem Eintrittsalter auch die Beiträge erheblich steigen, ist zudem der nachträgliche Wechsel der Versicherungsgesellschaft in der Regel unwirtschaftlich. Vor Vertragsabschluss heißt es deshalb genau vergleichen. Dabei hilft Ihnen der kostenlose Online-Vergleich von Financescout24.de.