Preiserhöhung das elfte Jahr in Folge – wird aus Trend nun Tradition?
Bereits zum Jahreswechsel konnten es die meisten Haushalte auf ihrer Stromrechnung sehen – Strom wird immer teurer. 609 der insgesamt 970 Energieunternehmen hatten ihre Preise im Januar durchschnittlich um sieben Prozent angehoben. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 4000 Kilowattstunden bedeutet dies eine Mehrbelastung von 70 Euro im Jahr.
Ein Ende dieser Preisspirale ist leider nicht abzusehen: Für weitere 6,7 Millionen Haushalte in Deutschland sollen die Preise zum Frühjahr um rund sieben Prozent steigen. Neben vier regionalen Vertriebsgesellschaften des Energieriesen E.ON haben auch einige größere Stadtwerke für die Monate März und April Strompreiserhöhungen angekündigt. Im Mai wollen die drei verbleibenden der insgesamt sieben Tochtergesellschaften von E.ON nachziehen. Damit ist klar, dass das Jahr 2011 das elfte in Folge sein wird, das den Aufwärtstrend mehr und mehr zur Tradition macht: Seit dem Jahr 2000 hat sich der Strompreis pro Kilowattstunde mittlerweile um mehr als 70 Prozent verteuert.
Wen trifft die Preiserhöhung?
Nur Privatkunden. Die Stromanbieter selbst, wie auch Industriekunden, konnten hingegen von den günstigen Einkaufskosten seit der Wirtschaftkrise 2008 profitieren. Allein zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 ist der Erzeugerpreisindex um 20 Prozent gefallen. Folglich sind die durchschnittlichen Strompreise für Privatkunden jedes Jahr gestiegen, obwohl die Großhandelspreise konstant gefallen sind. Bisher gibt es leider keine Anzeichen dafür, dass diese Vergünstigungen an die Privatkunden weitergereicht werden.
Ist der Ökostrom schuld? Warum wird es teurer?
Die gestiegenen Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien werden gerne als Grund für die höheren Strompreise angegeben. Laut Angaben der Unternehmen könne der Verbraucher sogar froh sein, dass der Strompreis dank dem niedrigeren Erzeugerpreisindex nicht noch höher ausfällt. Im Hinblick auf das mittlerweile enorme Gefälle zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, müssten demnach die Nebenkosten der Anbieter geradezu exponentiell gestiegen sein. Was hier aber unbeachtet bleibt, ist der langfristige Nutzen von Ökostrom: Allein 2010 wurden durch den Einsatz regenerativer Energien 7,4 Milliarden Euro weniger für den Import fossiler Rohstoffen ausgegeben, so die Zahlen des BEE (Bundesverband für erneuerbare Energien).
Ökostrom wird oftmals wegen seiner geringeren Wirtschaftlichkeit kritisiert – ein Argument, das langfristig an Gewicht verliert, denn der Strom aus Wind und Sonne wird mit jedem Jahr wirtschaftlicher, während Uran und Kohle wegen immer knapperer Ressourcen teurer werden. Darüber hinaus kommen der Ökostrombranche mittlerweile ganze 340.000 Arbeitsplätze zu Gute – eine weitere hohe Wertschöpfung, die sich „auszahlen“ sollte.
Hoffnung: Immer mehr Anbieter verschärfen den Preiskampf!
Wie unser Partner Verivox ermittelt hat, ist die Anzahl der Strom- und Gasanbieter in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen: Anfang 2009 konnten Verbraucher sich durchschnittlich zwischen 53 Stromanbieter pro Postleitzahlengebiet entscheiden. Zum Jahr 2011 hat sich die Auswahl um 57 Prozent auf mittlerweile 83 Anbieter vergrößert. Vor allem die Zahl sogenannter Discounter und Online-Marken (Tochterfirmen) ist dabei deutlich gewachsen: