Autobahn, linke Spur: Während man sich noch mühsam an der LKW-Kolonne vorbeikämpft, rauscht mit Blinker und Lichthupe ein PS-Protz heran. Typisch Raser, denken wir, wenn z.B. Sterne, Ringe oder Bayern-Wappen uns in die Mini-Lücke zwischen zwei lahme Laster zwingen.
Alles nur Neid und Vorurteil gefrusteter Kleinwagenfahrer? Von wegen: Das ist reine Versicherungsmathematik. Nicht nur Stammtisch-Brüder, auch Autoversicherer schließen vom Fahrzeugtyp auf das Fahrverhalten ihrer Kunden. Statistisch gesehen verursachen bestimmte Modelle nämlich überdurchschnittlich viele vom Versicherer zu begleichende Schäden, während andere der Assekuranz eher selten auf der Tasche liegen. Um angesichts von 20.000 verschiedener Pkw-Modelle verlässlich kalkulieren zu können, fassen die Autoversicherer vergleichbare Risiken in sogenannten Typenklassen zusammen. Neben der persönlichen Unfallstatistik (Schadenfreiheits-Klasse) des Versicherungsnehmers richtet sich die Prämienhöhe für Kfz Haftpflicht und Kasko maßgeblich nach dieser Einstufung.
Verschiedene Typenklassen in Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung
Seit 1.1. 2003 gelten in der Kfz-Haftpflicht 16 verschiedene Typenklassen: Stufe 10 ist die günstigste, Stufe 25 die teuerste Klasse. Faustregel: PS-starke Modelle sind deutlich teurer als Kleinwagen. Typische Vielfahrer-Wagen (TDI) und Anfänger-Modelle (ältere Fahrzeuge) sowie Kleinbusse und Geländewagen gelten ebenfalls als riskante Typen. Roadster und Cabrios, die nicht so viel bewegt werden, finden sich dagegen in der Regel in den günstigen Klassen wieder. In der Kaskoversicherung unterteilen die Versicherer den Automarkt sogar in 24 (Teilkasko) bzw. 25 (Vollkasko) Klassen. Am wenigsten zahlen Kunden in Klasse 10, am meisten in Klasse 33 bzw. 34.
Die Kaskoversicherung reguliert Schäden am eigenen Fahrzeug und hier gibt es zwischen den verschiedenen Modellen oft gewaltige Unterschiede. Faustregel: Aufgemotzte Sportwagen oder üppig ausgestattete Luxuslimousinen landen aufgrund der hohen Reparaturkosten in teureren Typenklassen als reparaturfreundliche Durchschnitts-Modelle. Auch das Diebstahlrisiko zählt: Pech z.B. für Cabrio- und Sportwagen-Fahrer, aber auch für die Halter vielseitiger Vans und schneller Limousinen. Porsche Cayenne, BMW X 5 und M3, VW T4 (Multivan) und VW-Passat V6 oder auch Mercedes E 250 D stehen derzeit in der Hitliste der Diebe und damit auch im Typenklassen-Register weit oben.
Regionalklassen: Auch das Kennzeichen entscheidet
Neben dem Fahrzeugtyp beeinflusst auch der Landkreis, in dem das Fahrzeug zugelassen wird, die Versicherungsprämie. In größeren Städten mit dichtem Verkehrsaufkommen besteht in der Regel ein höheres Unfallrisiko. Und auch die Autoknacker sind in manchen Regionen aktiver als anderswo.
Ähnlich wie bei den Fahrzeugtypen fassen die Versicherer anhand der Schadensbilanz vergleichbare regional bedingte Risiken in sogenannten Regionalklassen zusammen. Mit dem Erscheinen neuer Modelle ändern sich Kauf- und Fahrgewohnheiten der Kunden sowie die Vorlieben der Diebe kontinuierlich. Durch die permanente Bautätigkeit können sich zudem neue Unfallschwerpunkte ergeben. Über die Einstufung in Regional- und Typenklassen entscheiden die Autoversicherer deshalb jährlich neu. Eine neutrale Kommission nimmt anhand der aktuellen Schadensbilanz jeweils zum 1. Oktober die Umstufungen vor.
In der Regel übernehmen alle Versicherer die Änderungen. „Drei Viertel aller Autofahrer können in der Kfz-Haftpflicht im kommenden Jahr mit einer besseren oder der gleichen Typenklasse rechnen“, weiß Karin Rüter de Escobar vom Branchenverband GDV. In der Kasko wird rund jeder dritte Kunde in eine bessere oder schlechtere Klasse umgestuft, Sprünge um zwei oder mehr Klassen sind jedoch mittlerweile die Ausnahme. Die neue Klasse greift jeweils ab Januar des kommenden Jahres. Falls sich die Prämie dadurch verteuert, dürfen Kunden ihren Versicherungsvertrag binnen vier Wochen ab Zugang des Schreibens außerordentlich kündigen. Bei der Suche nach einem günstigen Angebot hilft Ihnen der kostenlose Online-Tarifrechner von FinanceScout24.de.