Wer vor 1960 geboren ist, muss sich um die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit kaum Gedanken machen. Er istautomatisch über die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert, wenn die jeweilige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. Alle späteren Jahrgänge erhalten keinen gesetzlichen Schutz mehr und sollten dieses Risiko - das im Durchschnitt jeden vierten Erwerbstätigen trifft - privat absichern.
Je älter, desto teurer
Ist der Interessent gesund und bereit, die Prämien aufzubringen, steht dem Abschluss nichts im Wege. Je höher das Alter und das Risiko am Arbeitsplatz sind und je mehr Vorerkrankungen in der Akte stehen, umso schwieriger oder teurer wird es, die Berufsunfähigkeit abzusichern. Manche Versicherer verweigern den Schutz sogar schon bei Legasthenikern und Personen, die bereits eine Paartherapie absolviert haben.
Jung und gesund
Daher verwundert es nicht, dass die Versicherungen nur noch wenig über die Berufsunfähigkeitsprodukte der interessiertesten Klientel verdient und folglich ihre Vertriebsstrategie anpasst: "Die Gesellschaften reagieren darauf, dass sie mit ihren Policen nicht mehr genug verdienen", sagt der Aachener Versicherungsmakler Marc Jacobs. Daher haben viele Versicherer nun Schüler und Studenten ins Visier ihrer Marketingmaßnahmen genommen. Sie sind jung, gesund und noch kaum beruflichen Gefahren ausgesetzt. Das macht sie für Versicherer besonders attraktiv – vor allem, weil sie mit niedrigen Policen gelockt werden können. Positiver Nebeneffekt ist außerdem die frühe Kundenbindung.
Limit 15 Jahre
Wer sich in jungen Jahren gegen Berufsunfähigkeit versichert, profitiert anfangs von relativ niedrigen Beiträgen. Erst mit zunehmendem Alter steigen diese an. Wer heiratet oder durch eine Beförderung plötzlich mehr verdient, hat bei den meisten Gesellschaften die Möglichkeit, seine Prämien zu erhöhen. Für die günstigen Berufsunfähigkeitsprodukte sehen viele Versicherer allerdings ein zeitliches Limit vor: Die Württembergische Lebensversicherung und HDI-Gerling beschränken ihre Deckung beispielsweise auf 15 Jahre. Anschließend kann in den regulären Berufsunfähigkeitsschutz gewechselt werden. "Gute Anbieter verzichten dann auf eine zweite Gesundheitsprüfung", sagt Jacobs. In Abhängigkeit vom gewünschten Beruf des jungen Menschen nimmt ein solcher Versicherer nur noch die entsprechende Risikoeinstufung vor, nach der sich die künftige Prämie berechnet.
Neu: Existenzschutzversicherung
Weil viele Gesellschaften den Interessenten mit Vorerkrankungen den Versicherungsschutz verweigern, entgehen ihnen zahlreiche potentielle Beitragseinnahmen. Denn gerade diese Personengruppe wünscht sich häufig einen Abschluss. Die einzige Ausweichmöglichkeit stellte bisher die Unfallversicherung dar. Einige Versicherer haben dieses Angebotsdefizit erkannt. Die Antwort der AXA ist deshalb eine sogenannte Existenzschutzversicherung. Sie greift zwar nur bei schweren Verletzungen, Unfällen mit Invaliditätsfolge, Verlust der Grundfähigkeiten wie Sprechen, Sehen und bei Pflegebedürftigkeit - "das ist aber ein umfassenderer Schutz als bei einer einfachen Unfallversicherung", erklärt AXA-Sprecherin Sabine Friedrich.
Abgesehen von Personen, die durch Vorerkrankungen belastet sind, zielt die Existenzschutzversicherung auch auf gesunde Interessenten ab, die sich noch keine "echte" Berufsunfähigkeitsversicherung leisten können.