Die finanziellen Folgen des Urteils, das voraussichtlich Anfang nächsten Jahres gefällt wird, sollte allerdings niemand unterschätzen – weder Gesellschaften, noch Kunden. Die Versicherungsunternehmen müssten all ihre Lebens-, Kranken- und Kfz-Versicherungen als Einheitstarife neu berechnen. Jeder Versicherte bekäme dann denselben Preis. Frauen müssten bei privaten Renten- und Krankenverträgen weniger bezahlen, bei Risikolebensverträgen allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. Bei männlichen Versicherungsnehmern wäre es umgekehrt. Tritt das neue Gesetz in Kraft, soll eine dreijährige Übergangsfrist für die Versicherungswirtschaft gelten.
Versicherer sind kritisch
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft empfindet den Vorschlag als "Angriff auf die Grundprinzipien der Versicherungswirtschaft". Bisher handelt die Assekuranz nach dem Prinzip: Unterschiedliche Risiken erhalten unterschiedliche Behandlung. Beispielsweise sind Rentenpolicen für Männer günstiger, weil sie laut Statistik früher sterben als Frauen. Weibliche Verbraucherinnen profitieren dafür im Kfz-Bereich, weil sie weniger Unfälle verursachen.
Neukalkulation aller Versicherungen
Als die Bundesregierung 2006 im Rahmen der Riester-Rente Einheitstarife vorschrieb, zeigten sich laut einer Umfrage von TNS Infratest von 1000 Bundesbürgern rund 80 Prozent aufgeschlossen. Daher dürfte die eventuelle Neuregelung dem Gerechtigkeitsempfinden der meisten Kunden entgegenkommen.
Studie: Deckungslücke in Deutschland am größten
Da Rentenpolicen in der Folge für Männer deutlich unattraktiver werden, könnte die Nachfrage nach diesen Produkten zurückgehen. Doch die Deckungslücke hat in Deutschland ohnehin schon unerfreuliche Ausmaße angenommen.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Swiss Re: Hundertausende in Kontinentaleuropa hätten demnach keine ausreichende Lebensversicherung. Die Umfrage wurde in zwölf EU-Ländern mit ca. 11.000 Bürgern durchgeführt. Im Rahmen der Untersuchung zur "Deckungslücke im Todesfall" stellte sich heraus, dass in Deutschland die Deckungslücke mit 110.000 Euro pro Kopf am höchsten ist. Damit eine Familie auch nach dem Tod des Hauptverdieners ihren Lebensstandard aufrecht erhalten, die Ausbildung der Kinder finanzieren und eventuell vorhandene Hypotheken abbezahlen kann, ist eine ausreichende Deckung notwendig. Laut der Studie beläuft sich der zusätzliche Bedarf in Deutschland auf über 10.000 Mrd. Euro.
Daher sollten alle Bürger ihre Existenz sichern und früh genug vorsorgen! Zu einem erschwinglichen Preis kann man die jeweiligen finanziellen Bedürfnisse bei Krankheit, Invalidität oder Tod absichern.
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