Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

Anleihen für Fans: Bundesliga-Vereine sammeln Geld

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 15.06.2016

Die Fußball-Euphorie ist angesichts der EM in Frankreich derzeit groß. Möglicherweise nutzen klamme Bundesliga-Vereine die Gunst der Stunde, um ein wenig Kapital von ihren Fans einzusammeln. Von den Clubs ausgegebene Anleihen liegen offenbar wieder im Trend.

Anleihen von Bundesliga-Vereinen sind für viele Fußballfans das, was für die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen sind. Vor allem in Krisenzeiten dürfen Fans in ihren Verein investieren. Das vor einigen Jahren verbreitete Konzept der sogenannten Fan-Anleihen könnte nun neuen Aufwind erfahren.

Rückzahlung diverser Anleihen steht an

Grund dafür ist nicht nur die aktuelle Fußball-Euphorie angesichts der Europameisterschaft in Frankreich, sondern auch der Umstand, dass demnächst die Rückzahlung einiger Anleihen ansteht. Und wenn die Kassen der betreffenden Bundesliga-Vereine dafür nicht ausreichend gefüllt sind, lässt sich das benötigte Kapital über die Ausgabe neuer Anleihen beschaffen. Für die Bundesliga-Vereine hat dieses Vorgehen einen entscheidenden Vorteil: Anders als bei einem herkömmlichen Kredit, bei dem die Bank die finanzielle Situation genau beobachtet, schauen Fans nicht so kritisch hin. Vielen dürfte es nicht in erster Linie um lohnende Renditen gehen, sondern vielmehr darum, „ihren“ Verein zu unterstützen und ihm beispielsweise einen teuren Spielerkauf zu ermöglichen.

Teilweise hohe Zinsversprechen der Bundesliga-Vereine

Dabei lassen sich die Zinsversprechen der Bundesliga-Vereine durchaus sehen: Um die fünf Prozent Zinsen bieten die Anleihen der meisten Clubs – deutlich mehr als derzeit bei Festgeld oder Sparbüchern zu holen ist. Ob diese Rendite allerdings später tatsächlich in den Taschen der Fans landet oder es bei der „emotionalen Rendite“, mit der die Bundesliga-Vereine gerne werben, bleibt, ist nicht immer sicher. Anlegerschützer warnen, dass es sich bei derartigen Anleihen nicht um eine sinnvolle Form der Altersvorsorge handele, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet. „Ein hoher Zinssatz bedeutet immer auch ein erhöhtes Risiko. Solche Renditen auch zu erwirtschaften, ist ja nicht ganz einfach“, so Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Eine Einlagensicherung wie bei Sparanlagen gibt es für Anleihen nicht, im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust.

Schalke finanziert vorzeitige Kündigung mit neuen Anleihen

Zwar sollten Fans sich nicht aufgrund hoher Renditeerwartungen zu einem Investment in den Lieblingsverein hinreißen lassen, rät Anlegerschützer Kurz. Doch manchmal kommt zur emotionalen tatsächlich auch eine handfeste Rendite hinzu, wie aktuell beim FC Schalke 04. Dessen laufende Anleihe bringt den Anlegern nämlich 6,75 Prozent. Angesicht des derzeitigen Zinsumfelds überrascht es nicht, dass der Club nun von seinem Recht auf vorzeitige Kündigung Gebrauch macht: Kürzlich kündigte der Verein an, die 50-Millionen-Euro-Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen. Die Mittel dafür sollen über zwei neue Anleihen beschafft werden.

Bundesliga-Vereine profitieren von der Liebe ihrer Fans

Weniger gut lief es beim ehemaligen Zweitligisten MSV Duisburg. Nur 700.000 Euro statt der geplanten fünf Millionen Euro kamen über die Anleihe zusammen. Dennoch könnten sich die Ausgaben für den derzeit in der dritten Liga spielenden Verein gelohnt haben. Es ist zu vermuten, dass sich nicht alle Fans, die sich das Wertpapier in Form einer Schmuckurkunde an die Wand gehängt haben, ihre jährlichen Zinscoupons tatsächlich einlösen. Schließlich müssten sie dazu das gute Stück zerschneiden und die Coupons mit den Bildern verschiedener Spieler zur Bank bringen. Und wie viele Fans sich am Ende der Laufzeit tatsächlich von der Urkunde trennen wollen, um ihr Geld zurückzuerhalten, bleibt ebenfalls abzuwarten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung/dpa

Aktuelle Finanznews

Höhere Netzentgelte: Strom wird 2017 teurer
Höhere Netzentgelte: Strom wird 2017 teurer
Viele Verbraucher müssen sich für 2017 auf höhere Strompreise einstellen: Zwei große Energieversorger wollen die Netzentgelte im kommenden Jahr deutlich erhöhen. Zu erwarten sind durchschnittliche Mehrkosten...
Finanzverwaltung warnt vor Phishing-Mails
Finanzverwaltung warnt vor Phishing-Mails
Online-Betrüger haben offenbar deutsche Steuerzahler als vielversprechende neue Zielgruppe entdeckt. Aktuell tauchen vermehrt Phishing-Mails von vermeintlichen Finanzämtern auf, die die Empfänger zur Preisgabe...
Offenlegungspflicht für Steuersparmodelle geplant
Offenlegungspflicht für Steuersparmodelle geplant
Komplexe Steuersparmodelle helfen vor allem Vermögenden, mehr von ihrem Geld zu behalten. Wie im Fall der Panama Papers erkennen die Regierungen solche Steuervermeidungsstrategien erst spät. Dagegen soll...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen