Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

Geschäftsmodell der Autoversicherer bröckelt

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 09.11.2015

Technische Innovationen und mangelndes Interesse an einem eigenen Fahrzeug dürften den Autoversicherern in den kommenden 15 Jahren stark zusetzen. Eine aktuelle Studie schätzt das Geschäftsmodell der Assekuranzen als langfristig nicht mehr tragfähig ein. Für Autobesitzer könnten daraus allerdings Vorteile in Form deutlich niedrigerer Versicherungsprämien resultieren.

Das derzeitige Geschäftsmodell der Kfz-Versicherer dürfte auf lange Sicht wegbrechen. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG in einer aktuellen Studie. Grund dafür ist, dass die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen immer weiter abnimmt. Verbraucher könnten durch den steigenden Druck auf die Versicherer von günstigeren Preisen für die Kfz-Versicherung profitieren.

Weniger Autos mit weniger Unfällen gefährden Geschäftsmodell

Problematisch für die Versicherungskonzerne ist nicht nur die rückläufige Zahl an Fahrzeugen, sondern auch der Umstand, dass diese immer sicherer werden und daher seltener in Unfälle verwickelt sind. Durch den Einsatz von Fahrerassistenzsystemen wie der automatischen Notfallbremse und dem Spurwechselassistenten wird sich die Zahl der Zusammenstöße nach Einschätzungen der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG bis zum Jahr 2030 halbieren. Infolgedessen werden sich Autofahrer zukünftig gegen weniger Schäden schützen müssen, was das Geschäftsmodell der Versicherungen in Gefahr bringt.

Carsharing schmälert Einnahmen der Autoversicherer

Ohnehin sinkt die Nachfrage nach Kfz-Versicherungen, da zunehmend mehr Menschen auf ein eigenes Fahrzeug verzichten und stattdessen Carsharing-Angebote nutzen. Auf längere Sicht könnte dieser Trend nach Einschätzung von KPMG dazu führen, dass bis zu 4,5 Millionen Privatfahrzeuge weniger auf den Straßen unterwegs sind. Für die Versicherer kommt erschwerend hinzu, dass Fahrzeugflottenbetreiber wie beispielsweise Carsharing-Anbieter in der Regel Versicherungen mit deutlich geringerem Leistungsspektrum für ihre Fahrzeuge nutzen als private Kfz-Halter. Auch geringere Einnahmen pro versichertem Fahrzeug bedrohen also das Geschäftsmodell der Assekuranzen.

Erheblicher Einbruch der Prämieneinnahmen wahrscheinlich

2014 lagen die Einnahmen der Autoversicherer aus Prämien für Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherungen noch bei mehr als 24 Milliarden Euro. Abhängig von den Fortschritten beim autonomen Fahren und weiteren Assistenzsystemen sowie der weiteren Entwicklung des Carsharings könnte sich diese Zahl in den kommenden 15 Jahren um 15 bis 45 Prozent reduzieren. Selbst bei einer Verlangsamung des technologischen Fortschritts dürfte das Prämienvolumen 2030 nach Schätzungen von KPMG also nur noch bei knapp über 20 Milliarden Euro liegen. Markus Heyen, Partner und Versicherungsexperte bei KPMG geht davon aus, dass Autofahrer davon profitieren werden: „Im selben Maß, in dem die Zahl der Unfälle und das Volumen der Prämien sinken, dürften auch die Kosten für die Kfz-Versicherungspolicen zurückgehen.“

Neue Produkte und Kostensenkungen erforderlich

Um die Umsatzeinbußen aus Haftpflicht- und Kasko-Prämien zumindest teilweise aufzufangen, müssten Autoversicherer nach Einschätzung der Wirtschaftsberater auf neue Produkte wie Produkthaftung, Cyberpolicen oder Rückrufdeckungen setzen. Langfristig müssten die Assekuranzen allerdings in erster Linie auf ein kostensparenderes Geschäftsmodell umsteigen. „Der Umbruch in der Kfz-Versicherung wird insofern nicht nur das Versicherungsprodukt Kraftfahrt an sich grundlegend verändern, sondern auch – geradezu unausweichlich – zu derart hohen Prämienrückgängen führen, dass eine signifikante Reduktion der Kosten unvermeidbar sein wird“, so die Prognose von Jörg Wälder, Senior Executive bei KPMG.

Aktuelle Versicherungsnews

Totalschaden nach Autobrand: Wer zahlt?
Totalschaden nach Autobrand: Wer zahlt?
In deutschen Großstädten brennen nachts immer wieder Autos. Wer fürchtet, im Falle eines Totalschadens die Kosten selber übernehmen zu müssen, kann beruhigt sein – solange er über eine Kaskoversicherung...
Telematik: Frauen profitieren durch Fahrverhalten
Telematik: Frauen profitieren durch Fahrverhalten
Auf Telematik basierende Kfz-Versicherungen etablieren sich allmählich am deutschen Markt. Eine erste Auswertung der Daten des Vorreiters Sparkassen Direktversicherung zeigt nun: Vor allem Frauen und Senioren...
Gesetzliche Rente 2040: Region bestimmt Kaufkraft
Gesetzliche Rente 2040: Region bestimmt Kaufkraft
Wie hoch wird die gesetzliche Rente im Jahr 2040 sein und werden Rentner davon leben können? Diese Fragen wurden im Rahmen einer aktuellen Studie untersucht. Das Ergebnis: Die gesetzliche Rente wird steigen...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen