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Urteil: Kein Gutachten bei Bagatellschäden

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 22.08.2014

Wer für kleine Bagatellschäden ein teures Gutachten in Auftrag gibt, kann das Geld dafür laut einem aktuellen Urteil nicht von der Versicherung einfordern. Zwar hat die geschädigte Unfallpartei ein Recht darauf, den entstandenen Schaden erstattet zu bekommen, dies gilt allerdings nicht für teure Gutachten-Kosten, wenn die Prüfung nicht notwendig gewesen wäre.

Bei Bagatellschäden nach einem Unfall ist der Ärger oft groß, doch der Schaden eher klein. Wenn der entstandene Schaden überschaubar und ein Gutachten für die Ermittlung der Reparaturkosten nicht zwingend erforderlich ist, muss die Versicherung das Geld für den Sachverständigen nicht übernehmen, entschied das Amtsgericht München laut dem „Versicherungsboten“. Geschädigte sollten daher nach kleineren Unfällen lieber direkt in die Werkstatt fahren und im Zweifel bei der Versicherung nachfragen.

Teures Gutachten nach Bagatellschaden

In dem aktuell entschiedenen Fall war das Fahrzeug einer Geschädigten nach einem Unfall im Bereich einer Tür leicht verdrückt und verschrammt. Zur Beweissicherung und Feststellung der Schadenssumme gab die Geschädigte daraufhin ein Gutachten bei einem Sachverständigen in Auftrag. Die Kosten für das Gutachten, welches den Schaden mit 840 Euro bezifferte, forderte sie zusammen mit der Schadenssumme von der Autoversicherung ihres Unfallgegners ein. Die betreffende Versicherung war allerdings nicht bereit, die zusätzlichen Kosten von 940 Euro zu übernehmen, weil Bagatellschäden nicht per Gutachten ermittelt werden müssten. Das Amtsgericht München entschied nun im Interesse der Versicherung. Die Kosten für den Gutachter muss die Fahrerin selbst bezahlen.

Gutachten muss erforderlich und zweckmäßig sein

In der Begründung des Gerichts heißt es, dass Sachverständigengutachten grundsätzlich erstattungsfähig seien, doch dies nicht für Bagatellschäden gelte. Die Kosten müssen in Relation zu den erwarteten Reparaturkosten stehen. Weil sie in diesem Fall die eigentliche Schadenssumme noch übertroffen haben und die Geschädigte keinen Grund aufführte, warum ein solches Gutachten erforderlich gewesen war, könne die Versicherung die Erstattung verweigern.

Ist ein Schaden also für den Geschädigten überschaubar und eindeutig, dürfen keine unnötigen Kosten verursacht werden, welche die Schadenssumme steigern. Wer sich nach einem Unfall unsicher ist, ob es sich um einen Bagatellschaden handelt, kann bei der eigenen Kfz-Versicherung nachfragen und einen Kostenvoranschlag in der Autowerkstatt machen lassen. Nur in zweifelhaften Fällen kann anschließend ein Gutachten in Auftrag gegeben werden.

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