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Bausparkassen kündigen „teuren“ Kunden

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.02.2015

Möglichst lange in einen Bausparvertrag einzuzahlen ohne die Ansparsumme zu erreichen, war bislang eine gute Möglichkeit für Sparer, trotz Zinstief noch passable Zinsen einzustreichen. Dem schieben die Bausparkassen nun einen Riegel vor: Langzeitsparern droht die Kündigung ihrer Bausparverträge. 13 der 20 deutschen Bausparkassen haben bereits Verträge gekündigt.

Bausparkassen haben begonnen, Kunden, die für sie zu hohe Kosten verursachen, systematisch zu kündigen. Dies geht aus einem Bericht der „Welt“ hervor. Eine Umfrage der Tageszeitung zeigt, dass 13 der 20 deutschen Bausparkassen Kunden kündigen, die ihren Kredit nicht innerhalb von zehn Jahren nach der Zuteilung in Anspruch genommen haben. Diese Praktik verfolgen sowohl private Bausparkassen als auch die öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen. Die sieben Anbieter, die bislang noch keine Altverträge aufgekündigt haben, haben bereits signalisiert, dass sie noch in diesem Jahr ebenfalls Kündigungen aussprechen.

Auch bei nicht erreichter Bausparsumme kann Kündigung drohen

Betroffen sind nicht nur Kunden, die ihre Ansparsumme bereits erreicht haben. Auch vermeintlichen Langzeitsparern droht die Kündigung ihres Bausparvertrages. Bislang galt, dass keine Bausparkasse einen Vertrag kündigte, solange die volle Bausparsumme nicht erreicht war. Dies machten sich viele Bausparer zunutze, die das Darlehen ohnehin nicht zur Baufinanzierung in Anspruch nehmen wollten. Sie zogen die Ansparphase in die Länge, um über Jahre hinweg von den vereinbarten guten Renditen zu profitieren. Insbesondere in Anbetracht des anhaltenden Zinstiefs war Bausparen für Anleger dadurch eine attraktive Alternative beispielsweise zu Festgeld.

Rechtliche Grundlage für Kündigung der Bausparkassen strittig

Die Bausparkassen berufen sich zur Rechtfertigung der Kündigungen auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), Paragraf 489 Absatz 1 (2). Demnach würden die Bausparkassen während der Ansparphase als Darlehensnehmer auftreten, denen ein Sonderkündigungsrecht zusteht, wenn der Vertrag eines Kunden zehn Jahre lang zuteilungsreif war, dieser das Darlehen jedoch nicht in Anspruch genommen hat. Diese rechtliche Grundlage ist unter Experten allerdings umstritten. Bausparer, denen von ihrem Anbieter gekündigt worden ist, können sich kostenlos an den zuständigen Ombudsmann wenden, um ihren Fall prüfen zu lassen. Für Verträge mit privaten Bausparkassen ist die Schlichtungsstelle Bausparen zuständig, für Verträge mit einer Landesbausparkasse der Bundesverband Öffentlicher Banken. Ob sich das Vorgehen gegen eine Kündigung lohnt, hängt vor allem vom Status des Bausparvertrags ab. Ist ein Bausparvertrag bereits überspart, ist die Kündigung unstrittig rechtens. Bei Verträgen, die bereits seit zehn Jahren zuteilungsreif sind, kann sich ein gerichtliches Vorgehen nach Informationen der „Welt“ jedoch lohnen.

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