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Bausparkassen: Neue Wege gegen alte Verträge

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.08.2016

Für Anleger sind alte Bausparverträge derzeit eine renditestarke Anlageoption ohne jegliches Risiko. Für die Bausparkassen hingegen sind die hochverzinsten Verträge ein enormer Kostenfaktor, den sie gerne los wären. Da Kündigungen in der Vergangenheit häufig scheiterten, versuchen sie es nun mit anderen Methoden.

Den Bausparkassen setzen die hohen Zinsen, die sie Kunden mit alten Verträgen auf ihr Bausparguthaben zahlen müssen, immer mehr zu. Doch die alten Bausparverträge einfach zu kündigen, ist in vielen Fällen nicht ohne weiteres möglich, wie zahlreiche erfolgreiche Klagen von Bausparern zeigen. Daher versuchen die Bausparkassen nun mit anderen Maßnahmen, Kunden aus hochverzinsten Altverträgen zu drängen.

Bausparer nehmen lieber hohe Zinsen als ihr Baudarlehen

Eine rechtliche Handhabe haben die Bausparkassen nur, wenn ein Bausparvertrag mit festem Zinssatz seit Jahren zuteilungsreif ist, der Sparer jedoch keine Absichten zeigt, das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen und stattdessen weiter in den Vertrag einzahlt, wie ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm kürzlich zeigte. Angesichts aktuell günstigerer Konditionen für Baufinanzierungen verzichten viele Bauherren auf die Inanspruchnahme ihres Bauspardarlehens und nutzen ihre alten Verträge stattdessen als Geldanlage mit überdurchschnittlich hohen Zinsen, die Banken derzeit kaum erwirtschaften können. Um dies zu unterbinden, locken viele Bausparkassen mit Alternativangeboten.

Lockangebote weniger rentabel als Zinsen auf alte Verträge

Eine Bausparkasse bot Kunden Stiftung Warentest zufolge an, ihr Bausparguthaben für zwei Jahre als Festgeld mit 3,5 Prozent Zinsen anzulegen und im Gegenzug die alten Bausparverträge aufzulösen. Angesichts des aktuellen Zinsniveaus zwar sehr gute Konditionen, allerdings erhielten Kunden auf ihre Bausparguthaben höhere Zinsen. Eine andere Bausparkasse ging offenbar noch plumper vor und bot einem Kunden eine sogenannte „Treueprämie“ von 250 Euro für die Auflösung seines mit 4,75 Prozent verzinsten Bausparguthabens – deutlich weniger, als dieser in nur einem Jahr an Bausparzinsen erhält. Andere Bausparkassen gehen raffinierter vor. Stiftung Warentest berichtet von einem „Zinsturbo“, der Bausparkunden mit einem mit 3 Prozent verzinsten Guthaben angeboten wurde. Ihnen wurde vorgeschlagen, ihr Bausparguthaben in ein spezielles Entnahmedepot mit 5 Prozent Zinsen umzuwandeln. Allerdings gilt der Zinssatz nur für die ersten beiden Jahre. Beim Bausparen würden viele der betroffenen Kunden hingegen noch deutlich länger von dem vereinbarten Zinssatz profitieren.

Teilweise offensives Vorgehen der Bausparkassen

Andere Bausparkassen gehen noch deutlich offensiver vor. So hat die Aachener Bausparkasse eine Kontogebühr von zwölf Euro jährlich eingeführt, obwohl Kunden bei Vertragsabschluss zugesichert wurde, dass während der Ansparphase keine laufenden Gebühren anfallen würden. Vorsorglich teilte das Institut zudem mit, dass Kunden, die den neuen Tarifbedingungen widersprächen, die Kündigung drohe. 22 Kunden sei tatsächlich gekündigt worden, sagte die Aachener Bausparkasse dem Stiftung-Warentest-Magazin „Finanztest“. Aktuell prüft die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Möglichkeit rechtlicher Schritte gegen die Einführung der Gebühr. Auch durch geschickt gewählte Formulierungen in Schreiben versuchen die Bausparkassen offenbar, Kunden zur Auflösung ihrer Verträge zu bewegen. So erweckte das Informationsschreiben über die Zuteilungsreife des Vertrags einer Bausparkasse den Anschein, als müsse der Kunde sich sein Bausparguthaben auszahlen lassen, sollte er das Darlehen nicht in Anspruch nehmen. Tatsächlich besteht jedoch keine Verpflichtung, die Zuteilung anzunehmen.

Quelle: Stiftung Warentest

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