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Bausparkassen: Neues Prinzip dank Niedrigzinsphase

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 13.04.2016

Erst sparen, dann einen günstigen Kredit abrufen – so funktionierte Bausparen über Jahrzehnte gut. Bis die Niedrigzinsphase kam und den Bausparkassen das Leben schwer machte. Diese reagieren darauf nun, indem sie ihr Grundprinzip umkehren: Erst bauen, dann sparen ist nun auch mit Bausparvertrag möglich.

Für die Bausparkassen sind die Auswirkungen der Niedrigzinsphase besonders deutlich spürbar. Viele Bausparer nehmen ihre Darlehen nicht in Anspruch, da Baukredite derzeit zu deutlich günstigeren Konditionen erhältlich sind, als in älteren Bausparverträgen für Bauspardarlehen vereinbart wurde. Stattdessen sparen sie eifrig weiter und kassieren gemessen am aktuellen Zinsniveau sehr hohe Zinsen für ihr Bausparguthaben. Auf diese Situation reagieren die Bausparkassen nun und erweitern ihr Angebot um eine Vorfinanzierung für Bausparer, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet.

 

Bausparkassen kehren das Prinzip des Bausparens um

Laut „FAZ“ vergibt beispielsweise die Bausparkasse LBS Kredite, die zwar an einen Bausparvertrag geknüpft sind, allerdings ohne dass zuvor über Jahre eine bestimmte Summe angespart werden muss. Bauherren erhalten sofort einen Vorfinanzierungskredit und zahlen für die kommenden Jahre in ihren Bausparvertrag ein. Auch für laufende Verträge, die noch nicht zuteilungsreif sind, bieten Bausparkassen eine solche Option zur Vorfinanzierung an.

Das Prinzip des klassischen Bausparens – erst sparen, dann bauen – wird also von den Bausparkassen selbst umgekehrt. Angesichts der aktuellen Entwicklung beim Baugeld ein nachvollziehbarer Entschluss: Bereits 2013 hatte das Volumen herkömmlicher Baufinanzierungen die klassischen Bauspardarlehen überholt. Im vergangenen Jahr war das Volumen dieser Kreditgeschäfte durch die Niedrigzinsphase mehr als doppelt so groß wie das der Bauspardarlehen. Weil Bausparkassen häufig Verträge kündigen, die in der Niedrigzinsphase zu teuer geworden sind, kam es bereits zu mehreren Prozessen.

Niedrigzinsphase macht Bausparen zunehmend unattraktiv

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase wird Bausparen für Häuslebauer immer unattraktiver, die Bausparkassen bringen daher immer weniger Verträge an zukünftige Bauherren. So musste beispielsweise die LBS Hessen-Thüringen 2015 ein Minus von mehr als 8.000 Neuverträgen im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Gleichzeitig stieg aber die gesamte Bausparsumme, auf die die Bausparkasse Zinsen zahlen muss, auf 2,9 Milliarden Euro an. Um die LBS zu entlasten, wurde ihr ein Teil der Pensionslasten durch die zuständige Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) abgenommen. Insgesamt hat die LBS Hessen-Thüringen trotz des niedrigen Zinsniveaus Pensionsrückstellungen in Höhe von 18,2 Millionen Euro gebildet. Dafür erhielt sie von der Helaba einen „außerordentlichen innerbetrieblichen Ausgleich“ von 16,1 Millionen Euro.

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