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Commerzbank warnt: Immobilienblase in Deutschland?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 10.08.2016

Die Bundesbürger setzen derzeit massiv auf Betongold. Dementsprechend ist auch der Anstieg der Immobilienpreise nach wie vor nicht aufzuhalten. Von einer Immobilienblase hierzulande wollte dennoch kaum jemand sprechen. Analysten der Commerzbank nehmen den Begriff nun allerdings doch in Mund. Sie weisen auf eine besorgniserregende Entwicklung des Immobilienbooms hin.

Bislang weigerte sich der Großteil der deutschen Wirtschaftsexperten standhaft, trotz stetig steigender Preise für Wohneigentum, von einer Immobilienblase in der Bundesrepublik zu sprechen. Nun haben Analysten der Commerzbank allerdings doch vor einer gefährlichen Entwicklung der Immobilienpreise gewarnt.

Niedrige Zinsen sorgen für Entwicklung Richtung Immobilienblase

„Der Immobilienboom in Deutschland nimmt immer mehr Züge einer Blase an, da sich die Häuserpreise mehr und mehr von den Fundamentalfaktoren abkoppeln“, heißt es im aktuellen Wochenbericht der Commerzbank. Seit 2010 sind die Immobilienpreise deutlich drastischer gestiegen als die Mieten, die Verbraucherpreise und die Einkommen. In der ersten Jahreshälfte 2016 stiegen die Preise für Häuser um mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In beliebten Metropolen fiel der Anstieg sogar noch deutlich stärker aus.

Ein ähnliches Plus bei den Hauspreisen hatte es zuletzt während des Immobilienbooms Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre gegeben. Vorangetrieben wird die Entwicklung in Richtung einer Immobilienblase nach Einschätzung der Commerzbank-Analysten in erster Linie durch die niedrigen Zinsen, die für extrem günstige Baufinanzierungen sorgt.

Niedrige Zinsen gleichen steigende Immobilienpreise nicht mehr aus

Bis zu einem gewissen Grad können Zinssenkungen steigende Immobilienpreise auffangen. Dies galt in Deutschland nach den Berechnungen der Commerzbank-Volkswirte bis Anfang 2015. Seitdem sind die Zinsen nicht mehr nennenswert gesunken, die Immobilienpreise jedoch stetig weiter gestiegen. Ein ähnliches Phänomen war ab 2003 in den USA zu beobachten. Dort kam es 2007 zum Platzen der Immobilienblase – mit fatalen Folgen für Hausbesitzer, die sich mit ihrem Immobilienkauf finanziell übernommen hatten. In Deutschland könnte nach Einschätzung der Commerzbank eine Trendwende in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in Deutschland ebenfalls zum Platzen der Immobilienblase führen. Derzeit ist eine Zinswende allerdings nicht absehbar. „Auch wenn das Platzen einer Blase kaum zu prognostizieren ist: Es gibt Anzeichen, die auf mittlere Sicht zur Vorsicht mahnen“, heißt es in dem Bericht.

Platzen einer Immobilienblase in Deutschland weniger fatal als in den USA

Das Platzen einer möglichen Immobilienblase dürfte in der Bundesrepublik jedoch nicht so dramatische Auswirkungen haben, wie es in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise in den USA oder auch in Spanien beobachtet wurde. Hintergrund ist die als typisch deutsch geltende Vorsicht bei Krediten. Die Bundesbürger verschulden sich für den Immobilienkauf weitaus weniger als es Hausbesitzer in anderen Ländern tun. Zwar ist die Summe der vergebenen Immobilienkredite gestiegen, etwas stärker als die Einkommen der privaten Haushalte sogar. Insgesamt war die Verschuldungsquote der privaten Haushalte bis Ende 2015 allerdings sogar leicht rückläufig. In den USA und in Spanien war sie hingegen vor dem Platzen der Immobilienblase deutlich angestiegen. Daher dürften steigende Zinsen dem Immobilienmarkt in Deutschland nach Einschätzung der Verfasser der Analyse weniger zusetzen als in anderen Ländern.

Quelle: Commerzbank

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