Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

DGB: Wie Arbeitgeber den Mindestlohn umgehen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 19.09.2015

Acht Monate nach Einführung der gesetzlichen Lohnuntergrenze hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine erste Bilanz gezogen. Zwar ist der Lohn in den unteren Gehaltsgruppen gestiegen. Einige Arbeitgeber haben aber auch Tricks gefunden, wie sie den Mindestlohn umgehen können. Und dabei zeigen sich deutsche Chefs durchaus kreativ.

Seit Anfang des Jahres müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten mindestens 8,50 Euro pro Stunde zahlen. Doch nicht immer landet tatsächlich dieser Mindestlohn auf dem Girokonto der Arbeitnehmer. Arbeitgeber lassen sich einiges einfallen, um den Mindestlohn zu umgehen. „Von Fantasie-Gutscheinen über fingierte Stundenzettel bis zu Trinkgeld-Klau kommt alles vor", zitiert „Spiegel Online“ Stefan Körzell, der als Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) acht Monate nach der Einführung Bilanz gezogen hat.

Dem Mindestlohn entgehen: Dreiste Maschen der Arbeitgeber

Der DGB hat eine Hotline für Arbeitnehmer eingerichtet, deren Chefs den Mindestlohn umgehen. Besonders dreiste Chefs weigern sich demnach schlichtweg, die Lohnuntergrenze einzuhalten oder schwindeln ihren Mitarbeitern vor, dass ihr Betrieb aufgrund seiner geringen Größe vom Mindestlohn ausgenommen sei. Wieder andere bieten Naturalien statt des vollen Mindestlohns an: Beschäftigte in Kinos dürfen beispielsweise gratis Popcorn essen oder Filme sehen. Eine andere Methode, mit dem Arbeitgeber den Mindestlohn entgehen: Sie ändern den Arbeitsvertrag und reduzieren die Stundenzahl. Durch unbezahlte oder schwarz bezahlte Überstunden kommen die Arbeitnehmer aber dennoch auf das frühere Arbeitspensum.

Weniger Urlaubstage, gestrichene Zulagen, unrealistische Zeitvorgaben

Beschäftigte beklagten über die DGB-Hotline zudem, dass ihre Urlaubstage auf das gesetzliche Minimum von 24 Tagen reduziert oder Zuschläge für Nacht- und Sonntagsdienste gestrichen wurden. Letztere werden ebenso wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld in das reguläre Gehalt eingerechnet, sodass die Beschäftigten auf die 8,50 Euro pro Stunde kommen. Laut DGB ist eine weitere Strategie, den Mindestlohn zu umgehen, von Stück- auf Stundenlohn umzustellen – was zu nicht einhaltbaren Zeitvorgaben führt. Ein Drittel der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit werde so nicht vergütet. Arbeitnehmer, deren Chefs den Mindestlohn nicht umgehen, scheinen hingegen tatsächlich davon zu profitieren. So berichtet DGB-Vorstandmitglied Stefan Körzell der „Welt“ von einem Lohnanstieg von bis zu 9,3 Prozent in den unteren Gehaltsgruppen. Das sei doppelt bis dreifach so viel wie in höheren Einkommensgruppen.

Aktuelle Finanznews

Girokonto Ratgeber
Girokonto Ratgeber
Im Leben der meisten Menschen ist das Girokonto eine Selbstverständlichkeit. Während es sich ohne Aktiendepot, Festgeldkonto oder Debit Card im Zweifelsfall auskommen lässt, ist und bleibt es ein Muss....
Sichteinlagen: Geld schnell verfügbar anlegen
Sichteinlagen: Geld schnell verfügbar anlegen
Sichteinlagen sind Geldeinlagen, auf die der Bankkunde jederzeit zugreifen kann, zum Beispiel ein Girokonto oder Tagesgeldkonto. Sie sind nur mit geringen Zinsen verbunden, haben aber große Bedeutung für...
Online-Bezahlsysteme erklärt
Online-Bezahlsysteme erklärt
Online-Shopping nimmt einen immer größeren Raum bei unseren Einkäufen ein. Im Gegensatz zum Einkauf im Ladengeschäft gibt es online keine Barzahlungsmöglichkeit. Stattdessen haben Verbraucher die Möglichkeit,...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen