Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

Einbruch der Kreditvergabe nach neuem Gesetz

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 29.07.2016

Eigentlich sollte die Wohnimmobilienkreditrichtlinie für mehr Verbraucherschutz sorgen. In der Praxis verhindert das neue Gesetz allerdings häufig die Kreditvergaben an Personen, die zuvor problemlos eine Baufinanzierung erhalten hätten. Die Sparkassen kritisieren den Bundestag für die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie nun scharf.

Die im März in Kraft getretene Wohnimmobilienkreditrichtlinie hat zu einem starken Einbruch bei der Kreditvergabe für Wohneigentum geführt. Nun laufen die Sparkassen in Bayern und Baden-Württemberg Sturm gegen das Gesetz. Sie werfen der Bundesregierung vor, bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht übertrieben hohe Hürden für die Kreditvergabe aufgestellt zu haben.

Kreditvergabe in Baden-Württemberg um 20 Prozent eingebrochen

Durch strengere Bedingungen für die Kreditvergabe soll vermieden werden, dass sich Bauherren und Immobilienkäufer mit ihrem Eigenheim übernehmen. Doch offenbar verhindert die Wohnimmobilienkreditrichtlinie auch, dass eigentlich solvente Bankkunden eine Baufinanzierung erhalten. Vor allem für Ältere stehen die Chancen bei der Kreditvergabe schlecht. Dem baden-württembergischen Sparkassenverband zufolge ist die Kreditvergabe im zweiten Quartal 2016, also nach Inkrafttreten der Wohnimmobilienkreditrichtlinie am 21. März, um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Zahlen für die Kreditvergabe im gesamten Bundesgebiet liegen dem Sparkassenverband allerdings noch nicht vor.

Landesverbände werfen Bundestag übertriebene Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie vor

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet, üben vor allem die beiden größten deutschen Sparkassenverbände in Bayern und Baden-Württemberg harsche Kritik an den neuen Regeln bei der Kreditvergabe. „Wenn die neuen Bestimmungen zu einem Rückgang der Immobilienkreditvergabe führen, dann läuft eindeutig etwas schief. Wir stellen insgesamt mal wieder fest, dass der deutsche Gesetzgeber bei der Umsetzung der EU-Richtlinie über das Ziel hinausgeschossen ist“, zitiert die Zeitung den Präsidenten des bayerischen Sparkassenverbands, Ulrich Netzer. Auch sein baden-württembergischer Amtskollege Peter Schneider kritisiert, dass der Bundestag bei der Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie „unnötig viel draufgesattelt“ hätte. Zudem bemängelte Schneider unklare Rechtsbegriffe, die den Weg für Klagen wegen fehlerhafter Beratung ebnen würden.

DSGV sieht aufgrund erschwerter Kreditvergabe Nachbesserungsbedarf

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) teilt die Einschätzung, dass Nachbesserungen bei den neuen gesetzlichen Vorgaben erforderlich sind. Die Kritik des Dachverbands der 409 deutschen Sparkassen fällt allerdings deutlich zurückhaltender aus. Insgesamt sei die Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie gelungen. Lobend wurden vor allem die zusätzlichen Informationen für potenzielle Kreditnehmer hervorgehoben. „Die unklaren neuen Vorgaben zur Kreditwürdigkeitsprüfung, verbunden mit drastischen Sanktionen, führen allerdings zu erheblicher Unsicherheit bei Darlehensgebern“, erklärte eine Sprecherin des Verbands gegenüber der „FAZ“. „Wir gehen davon aus, dass aufgrund der strengen Vorgaben zur Kreditwürdigkeitsprüfung gerade bei Schwellenhaushalten und älteren Darlehensnehmern die Kreditvergabe erschwert wird. Es gibt also noch Nachbesserungsbedarf.“ Inzwischen hat sich die Politik zumindest auf Landesebene des Themas angenommen.  Die baden-württembergische Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne), die bereits während des Gesetzgebungsverfahrens vor der erschwerten Kreditvergabe gewarnt hatte, erklärte, zu prüfen, „welche Spielräume es auf nationaler Ebene“ gebe.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Aktuelle Finanznews

Höhere Netzentgelte: Strom wird 2017 teurer
Höhere Netzentgelte: Strom wird 2017 teurer
Viele Verbraucher müssen sich für 2017 auf höhere Strompreise einstellen: Zwei große Energieversorger wollen die Netzentgelte im kommenden Jahr deutlich erhöhen. Zu erwarten sind durchschnittliche Mehrkosten...
Finanzverwaltung warnt vor Phishing-Mails
Finanzverwaltung warnt vor Phishing-Mails
Online-Betrüger haben offenbar deutsche Steuerzahler als vielversprechende neue Zielgruppe entdeckt. Aktuell tauchen vermehrt Phishing-Mails von vermeintlichen Finanzämtern auf, die die Empfänger zur Preisgabe...
Offenlegungspflicht für Steuersparmodelle geplant
Offenlegungspflicht für Steuersparmodelle geplant
Komplexe Steuersparmodelle helfen vor allem Vermögenden, mehr von ihrem Geld zu behalten. Wie im Fall der Panama Papers erkennen die Regierungen solche Steuervermeidungsstrategien erst spät. Dagegen soll...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen