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Einlagensicherung: Weniger Schutz für Großanleger?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.03.2016

Nach der Pleite der Maple Bank ziehen die privaten Banken in Deutschland offenbar in Erwägung, die Einlagensicherung für Großkunden und institutionelle Anleger herunterzuschrauben. Hintergrund dürfte die Situation am Geldmarkt sein. Private Anleger sind bei Einlagen bis 100.000 Euro nicht betroffen, da hier die gesetzliche Einlagensicherung greift.

Laut Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ prüfen die privaten deutschen Banken derzeit eine Lockerung der Einlagensicherung für Großanleger wie Kommunen, Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen. Es geht um die Frage, ob diesen Anlegern im Falle von Insolvenzen der Banken künftig geringere Entschädigungen zugesichert werden sollten.

Banken wollen keine hohen Einlagen anlocken

Auslöser für die Diskussion ist die seit Mitte Februar insolvente Maple Bank. Ein Sprecher des Bankenverbandes erklärte: „Immer wenn ein Entschädigungsfall eintritt, werden Ursachen und Konsequenzen in den zuständigen Gremien sehr sorgfältig diskutiert.“ Es handelt sich aktuell um den ersten Fall, in dem die Entschädigung nach der neuen EU-Einlagensicherungsrichtlinie erfolgt.

Für den Ruf der Banken dürfte eine geringere Einlagensicherung nicht unbedingt förderlich sein. Doch angesichts des negativen Einlagenzinses bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und der geringen Nachfrage nach Krediten ist dieser Schritt nachvollziehbar. Denn ein weitreichender Schutz bei Insolvenzen lockt hohe Einlagen an, mit denen die Kreditinstitute derzeit kaum Geld verdienen können. Im schlechtesten Fall, nämlich dann, wenn eine Bank nicht benötigtes Geld bei der EZB parkt, verursachen diese Einlagen sogar Kosten.

Private Einlagen durch gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert

Die Ersparnisse von privaten Anlegern, beispielsweise auf Festgeld- und Tagesgeldkonten sind von diesen Überlegungen nicht direkt betroffen. Bei Insolvenzen von Banken greift für sie bis zu einem Betrag von 100.000 die gesetzliche Einlagensicherung. Wie sie mit Entschädigungsansprüchen von Sparen umgehen, die über den gesetzlich garantierten Einlagenschutz hinausgehen, liegt im Verantwortungsbereich der drei deutschen Bankengruppen, also den privaten Banken, den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und den Genossenschaftsbanken.

Entschädigungshöhe bei Insolvenzen abhängig vom Eigenkapital der Bank

Bei Kunden privater Banken springt der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken im Falle von Insolvenzen ein. Gerät eine Bank in finanzielle Schieflage, sichert der Einlagensicherungsfonds deren Kunden eine Entschädigung in Höhe von bis zu 15 Prozent des haftenden Eigenkapitals des insolventen Instituts zu. Bei der Commerzbank bedeutet dies beispielsweise, dass private Bankeinlagen bis etwa fünf Milliarden Euro abgesichert sind. Bei kleineren privaten Geldhäusern mit geringer Eigenkapitalausstattung dürfte die Einlagensicherung in den meisten Fällen im Bereich von zweistelligen Millionenbeträgen liegen. Anders als bei der gesetzlich garantierten Einlagensicherung besteht hier allerdings kein Rechtsanspruch. Zudem sinken die versicherten Beträge, berichtet die „FAZ“.

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