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Erstmals Minuszinsen für zehnjährige Bundesanleihe

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.06.2016

Sie gilt als einer der sichersten Titel der Welt: die zehnjährige Bundesanleihe. Doch nun wirft die solide Staatsanleihe zum ersten Mal seit Bestehen der Bundesrepublik Minuszinsen ab. Anleger zahlen dem Staat damit also Geld für seine Schulden. Die Verunsicherung angesichts eines möglichen Brexits lässt offenbar viele Anleger in vermeintlich sichere Bundesanleihen flüchten.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe in den negativen Bereich gerutscht. Damit leihen Anleger dem Staat nicht nur Geld zum Nulltarif, sie zahlen aktuell sogar drauf. Die zehnjährige Bundesanleihe, die international als richtungsweisend auf den Finanzmärkten gilt, rentierte am 14. Juli 2016 zwischen 0,003 und 0,004 Prozent erstmals unter null.

Möglicher Brexit sorgt für stärkere Nachfrage nach Bundesanleihen

Als einen Grund für die starke Nachfrage nach der zehnjährigen Bundesanleihe und dem damit verbundenen Verfall ihrer Rendite sehen Experten die anhaltende Diskussion über den möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU). Auch wenn die Abstimmung über einen möglichen „Brexit“ erst Ende kommender Woche stattfindet, sorgt das Thema für Verunsicherung an den Börsen. Viele Anleger haben dem deutschen Aktienmarkt den Rücken gekehrt  – der DAX fällt kontinuierlich und steuert auf seinen diesjährigen Tiefstand von 8.699,29 Punkten aus dem Februar zu. Stattdessen haben zahlreiche Anleger ihr Depot offenbar mit zehnjährigen Bundesanleihen gefüllt.

Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, wie es mit der amerikanischen Geldpolitik weitergehen wird. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (kurz: Fed) tagt in dieser Woche ebenfalls. Allerdings wird unmittelbar vor dem Referendum in Großbritannien keine Erhöhung des amerikanischen Leitzinses erwartet, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Deutschland zweiter G7-Staat mit Minuszinsen für zehnjährige Staatsanleihen

Während bei Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten Minuszinsen bereits seit geraumer Zeit keine Außergewöhnlichkeit mehr sind, ist dies bei der zehnjährigen Bundesanleihe ein Novum. Damit ist Deutschland nach Japan der zweite G7-Staat, dessen zehnjährige Schuldverschreibungen eine negative Rendite bringen. Die vergleichbare japanische Staatsanleihe fiel bereits im März in den Bereich der Minuszinsen. Privatanleger nutzten Staatsanleihen bislang vor allem als sichere Beimischung für Ihre Geldanlage. Während sie sich nach Alternativen umsehen können, haben viele institutionelle Anleger diese Möglichkeit nicht: Versicherer und Pensionsfonds, die Hauptabnehmer von Bundesanleihen, sind per Gesetz dazu verpflichtet, einen Teil der Kundengelder in Staatsanleihen anzulegen. Für sie wird es nun noch schwieriger, die erforderlichen Renditen zu erzielen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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