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EZB-Geldpolitik könnte eine Finanzblase bewirken

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.04.2015

Die Staatsanleihen-Käufe durch die Europäische Zentralbank könnten die Bildung einer Finanzblase begünstigen. Gleich zwei hochrangige Banker warnen jetzt vor den Risiken der EZB-Geldpolitik. Besonders die Kombination aus niedrigen Zinsen und einem harten Preiskampf auf dem deutschen Finanzmarkt könnte dem Finanzmärkten gefährlich werden.

EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger warnt in einem Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“ vor den möglichen Gefahren der Geldpolitik ihrer Zentralbank. Die niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen könnten Finanzinstitute in immer riskantere Anlagestrategien treiben. Die Folge einer regelrechten Flucht in Risikoanlagen könnte wiederum zu einer Finanzblase führen. Doch nicht nur im Bereich der Geldanlage drohen Risiken. Wie der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf einer Pressekonferenz mitteilte, könnte auch der Kreditmarkt durch die anhaltend niedrigen Zinsen durcheinander kommen.

EZB-Geldpolitik fördert riskante Anlagestrategien

Die Zinsen auf Staatsanleihen waren bereits auf einem niedrigen Niveau, bevor die EZB mit ihren Anleihenkäufen begonnen hat. Erfahrungen aus anderen Ländern wie zum Beispiel den USA würden jedoch zeigen, dass diese Form der Geldpolitik stärker wirke, wenn die Zinsen zu Beginn der Maßnahme hoch sind. Sabine Lautenschläger hat deshalb Zweifel, ob die konjunkturellen Effekte des Kaufprogramms die gewünschte Größenordnung erreichen könnten. Doch nicht nur, dass die EZB-Direktorin die Maßnahme an sich infrage stellt, Lautenschläger befürchtet darüber hinaus, dass die gedrückten Zinsen zur Bildung einer Finanzblase führen könnten. „Bei niedrigen Zinsen steigt die Gefahr von zu riskantem Anlageverhalten, es können sich leicht Überhitzungen oder Preisblasen in anderen Vermögensklassen bilden“, warnt die Expertin. Der Grund: Wenn immer mehr Gelder in zum Beispiel Aktienanlagen fließen, führt die hohe Nachfrage zu immer höheren Kursen, welche sich dadurch vom tatsächlichen Wert der Unternehmensanteile immer weiter entfernen - die Folge ist eine Finanzblase. Verstärkend komme hinzu, dass besonders in Deutschland ein starker Preiskampf zwischen den verschiedenen Geldinstituten herrsche. Daher könnten zahlreiche Banken die aufgrund der niedrigen Zinsen geringeren Einnahmen nicht so leicht kompensieren. Um Kunden kostenlose Girokonten und möglichst hohe Renditeversprechen in nahezu allen Anlage- und Sparformen bieten zu können, müssen riskantere Geschäfte eingegangen und Einsparungen vorgenommen werden.

Warnung vor Finanzblase im Kreditgeschäft

Der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Jörg Vetter warnte unabhängig von dem Statement der EZB-Direktorin vor ähnlichen Risiken auf dem Kreditmarkt. Die Zinsen für Kredite sind allgemein so niedrig, dass die Einnahmen der Kreditgeber immer seltener ausreichen, um die Kreditrisiken zu decken. Besonders beim Mittelstandsgeschäft, wo zahlreiche europäische und deutsche Banken bevorzugt Kredite vergeben, könnte eine regelrechte „Risikonegierung“ entstehen, fürchtet Vetter.

 

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