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EZB: Null-Leitzins und höhere Strafzinsen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 13.03.2016

Die Europäische Zentralbank verschärft ihren geldpolitischen Kurs: Der Leitzins wurde nun zum ersten Mal auf null Prozent gesenkt und auch die Strafzinsen auf Einlagen ziehen an. Zudem weiten die Währungshüter ihre Anleihenkäufe weiter aus. Auf private Anleger könnten die Maßnahmen vielfältige Auswirkungen haben.

Wie Spiegel Online und weitere Medien übereinstimmend berichten, hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins erstmals auf null Prozent gesenkt. Zuvor hatte der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Notenbank Geld leihen können, bei 0,05 Prozent gelegen. Gleichzeitig steigen die Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB: Der Einlagenzins wurde von bisher minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent geändert. Außerdem wollen die Währungshüter das Volumen ihres Anleihenkaufprogramms ab April von bislang 60 Milliarden auf 80 Milliarden Euro ausweiten.

Geldpolitik der EZB bislang wenig zielführend

Mit der Senkung des Leitzinses und den weiteren Maßnahmen verschärft die EZB ihren Kurs zur Ankurbelung der Kreditvergabe – und damit letztendlich der Konjunktur – deutlich drastischer, als viele Experten erwartet hatten. Hintergrund für das rigorose Vorgehen dürften die nur mäßigen Wachstumsprognosen für den Euro-Wirtschaftsraum und die gesunkene Inflation sein. Bislang scheiterte die Geldpolitik der Währungshüter, für einen spürbaren Preisauftrieb zu sorgen. Ob die erneute Verschärfung der Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringt, bleibt abzuwarten. „Allerdings zeugt das große Bündel an Maßnahmen von einer enormen Nervosität seitens der obersten Währungshüter. Denn auch sie müssen sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang die Wirkung verfehlt hat“, kommentierte Otmar Lang, Chefvolkswirt bei der Targobank, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) die Entscheidung.

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Null-Leitzins führt nicht zwangsläufig zu günstigeren Krediten

Private Anleger könnten in Form von noch günstigeren Konditionen für Kredite davon profitieren, dass der Leitzins gesenkt wurde, da Banken Geld nun kostenlos bei der EZB beschaffen können. Kehrseite der Zinspolitik sind allerdings die Strafzinsen für Einlagen der Banken. Sie sorgen nicht nur dafür, dass mit festverzinslichen Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld kaum noch nennenswerte Renditen erwirtschaftet werden können. Da es für die Banken angesichts der geldpolitischen Maßnahmen der EZB immer schwieriger wird, gewinnbringend zu wirtschaften, werden womöglich einige an der Gebührenschraube drehen. Schon bevor der Leitzins aktuell gesenkt wurde, erklärte Deutsche-Bank-Chef John Cryan gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass Banken höhere Zinsen für Kredite fordern müssten, wenn die Zinsen negativer würden. Auch die nach wie vor hohen Dispozinsen bei Girokonten könnten nach Einschätzung von Verbraucherschützern in diesem Zusammenhang gesehen werden.

Indirekte Folgen der Strafzinsen für Anleger

Nicht nur unmittelbar, sondern auch indirekt könnten die Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB Auswirkungen für Verbraucher haben. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenkassen Strafzinsen in Höhe von 1,8 Millionen Euro auf seine Einlagen zahlen musste. Zwar erklärte ein Sprecher des Bundesversicherungsamtes im Februar, dass diese Verringerung der Liquiditätsreserve keine Folgen für die Zusatzbeiträge der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung habe. Das Problem dürfte sich durch die höheren Strafzinsen nun allerdings noch einmal verschärfen. Auch die Garantiezinsen bei Lebensversicherungen dürften durch die Maßnahmen noch stärker unter Druck geraten. Bereits im vergangenen Jahr kündigte Branchenprimus Allianz an, die Verzinsung zu senken, da sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus kaum ausreichende Renditen erwirtschaften lassen.

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