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GDV: BU-Versicherer zahlen in 77 Prozent der Fälle

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 25.01.2016

Der GDV will offenbar den hartnäckigen Vorwurf entkräften, dass in der Berufsunfähigkeitsversicherung häufig Leistungen verschleppt und nur ausgewählte Kunden angenommen würden. Zum ersten Mal hat der Verband nun Zahlen zur Leistungs- und Annahmequote der Versicherer veröffentlicht. Die Werte sind gut, aber nur schwer überprüfbar.

Vor kurzem veröffentlichte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstmalig konkrete Zahlen darüber, wie häufig und wie schnell Versicherer im Rahmen der Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU) Leistungen erbringen. Allerdings gibt es nun auch Kritik an den Zahlen.

Vorwurf: Verschleppen von Leistungen und Ausschluss vieler Kundengruppen

Insbesondere bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sind die Fronten zwischen Versicherern und Verbrauchern sowie Verbraucherschutzorganisationen verhärtet. Den Anbietern wird unterstellt, dass sie Zahlungen systematisch verschleppen würden und nur bestimmten, risikoarmen Kunden einen bezahlbaren Versicherungsschutz gewähren würden. Diese Vorwürfe hatte der GDV bislang immer wieder zurückgewiesen und betont, dass sich nahezu jeder Interessent gegen eine Berufsunfähigkeit absichern könnte und Versicherer im Schadenfall schnell und unkompliziert Leistungen erbrächten.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen bestätigen dies nun weitgehend. Demnach erkannten die Versicherungsgesellschaften 2014 knapp 77 Prozent der eingereichten Leistungsanträge an. Insgesamt erhielten damit gut 40.200 Versicherte Leistungen. Im Schnitt seien zwischen „vollständigem Leistungsantrag und der Leistungsentscheidung“ 13 Kalendertage vergangen, teilte der Verband mit. Allerdings ist dabei zu beachten, dass der „vollständige Leistungsantrag“ erst dann vorliegt, wenn der Versicherungsnehmer alle vom Anbieter geforderten Unterlagen eingereicht hat.

Daten des GDV beruhen ausschließlich auf Angaben der Versicherer

Genau hier setzt allerdings ein verbreiteter Vorwurf von Kunden und Verbraucherschützern an. Sie meinen, Versicherer würden häufig immer weitere Dokumente von Versicherten fordern und so den Zeitraum, bis Leistungen tatsächlich gezahlt werden, künstlich in die Länge ziehen.

Kritik kommt auch von der Ratingagentur Franke und Bornberg, die bezüglich der Leistungsquote – also dem Verhältnis von anerkannten zu allen eingereichten Leistungsanträgen – abweichende Werte ermittelt hat, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet. „Bezogen auf alle Anträge lagen unsere Werte bei knapp 65 Prozent. Erst wenn die Fälle von zurückgezogenen Anträgen oder verletzter Mitwirkung abgezogen werden, erreicht die von uns ermittelte Quote fast 75 Prozent und damit annähernd den GDV-Wert“, erklären die Analysten in einer Pressemitteilung. Sie betrachten die Zahlen des GDV auch insofern skeptisch, als sie ausschließlich auf Angaben der Versicherer beruhen und daher von außen nicht verifiziert werden können. Daher lasse sich beispielsweise nicht erkennen, ob auch zurückgezogene oder unvollständige Leistungsanträge bei der Berechnung der Leistungsquote berücksichtigt wurden.

Annahmequote von 94 Prozent basiert nicht auf Vertragsabschlüssen

Auch der Vorwurf, die Versicherer würden zahlreiche Personengruppen als BU-Kunden von vornherein ausschließen, soll wohl durch die veröffentlichten Zahlen entkräftet werden. Nach Angaben des GDV hat es 2014 für 776.000 der insgesamt 823.000 gestellten BU-Anträge ein entsprechendes Versicherungsangebot gegeben – dies würde einer Annahmequote von 94 Prozent entsprechen.

Allerdings dürfen diese 776.000 Versicherungsangebote nicht mit Vertragsabschlüssen gleichgesetzt werden, wie Versicherungsmakler Matthias Helberg aus Osnabrück in der „SZ“ anmerkt. Diese Angebote könnten möglicherweise Leistungsausschlüsse oder „irrsinnige Zuschläge“ enthalten, die eine Annahme des Angebots sehr unwahrscheinlich machen würden. Daher betrachtet der Versicherungsmakler die vom GDV genannte Annahmequote skeptisch.

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