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Geldpolitik: Reale Renditen schrumpfen Vermögen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.05.2016

Die deutschen Sparer erleiden durch die Geldpolitik der EZB spürbare Verluste und erwirtschaften kaum noch nennenswerte Renditen. Ein Vorwurf, den EZB-Präsident Draghi bereits mehrfach zu entkräften versuchte, indem er darauf verwies, dass die Sparzinsen in der Bundesrepublik bereits früher unterhalb der Inflation lagen. Der Bausparkassenverband ließ nun nachrechnen.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bestraft durch die niedrigen Zinsen vor allem Sparer, die kaum noch reale Renditen mit ihren Spareinlagen erzielen können. Vorwürfe wie dieser prallen an EZB-Präsident Mario Draghi offenbar ab. Im Januar wies er darauf hin, dass es schon früher Zeiten in der Bundesrepublik gegeben habe, in denen die Inflationsrate höher war als die Sparzinsen. Dies gehe aus den Zahlen der Bundesbank hervor. Reale Verluste auf Ersparnisse seien also für die Sparer hierzulande keine neue Erfahrung infolge der Geldpolitik der EZB. Diese Aussage Draghis veranlasste den Verband der Privaten Bausparkassen, die Auswirkungen der niedrigen Zinsen für die deutschen Sparer vom Ifo-Institut genauer untersuchen zu lassen.

Bausparkassen-Verband: Geldpolitik trifft vor allem Normal- und Geringverdiener

Das Ergebnis dieser Untersuchung fällt ambivalent aus. „Für kurzfristig kündbare Anlagen wie das Sparbuch ist die Aussage der richtig, für längerfristige Anlagen stimmt es nicht“, so Verbandspräsident Andreas Zehnder. Vor allem Normal- und Geringverdiener, die einen erheblichen Teil der deutschen Sparer ausmachen, seien die Leidtragenden der Geldpolitik der EZB und würden durch die geringen Sparzinsen derzeit einen schleichenden Vermögensverlust erleben, so Zehnder weiter. Dies betrifft nicht nur das klassische Sparbuch, sondern auch andere festverzinsliche Anlagen wie Festgeld.

Differenz von zwei Prozentpunkten bei Sparzinsen deutlich spürbar

Als Beispiel führt der Verband der Privaten Bausparkassen einen Sparbrief mit vierjähriger Laufzeit an. Eine solche Anlage brachte in den 1970er Jahren eine reale Rendite von 2,2 Prozent, zwischen 1980 und 1989 waren sogar Erträge von 3,8 Prozent möglich. In den 1990er Jahren ließen sich mit einer solchen Anlage reale Sparzinsen von 3,4 Prozent erzielen.

Selbst zwischen 2000 und 2010 lag die Rendite noch bei 1,7 Prozent, bevor sie von 2010 bis 2015 auf weniger als 0,5 Prozent fiel. Bereits ein Zinsunterschied von real zwei Prozentpunkten würde sich dem Bausparkassen-Verband zufolge durch Zinseszinseffekte deutlich bemerkbar machen. Bei einem Anlagebetrag von 20.000 Euro würde bei einer Verzinsung von 0,5 Prozent nach zehn Jahren ein Vermögensunterschied von knapp 4.600 Euro gegenüber Sparzinsen von 2,5 Prozent entstehen.

Häufig negative reale Renditen bei Sparbüchern in der Vergangenheit

Bezüglich kurzfristig kündbarer Sparbücher geben die Untersuchungsergebnisse EZB-Chef Draghi allerdings Recht. Die realen Renditen haben hier nur in den 1980er Jahren bei 0,4 Prozent gelegen. In allen anderen untersuchten Zeiträumen befanden sich die realen Renditen unterhalb der Nulllinie, aktuell liegt sie wie in den 1970er Jahren bei minus 0,8 Prozent. Dennoch spiegele der Verweis der EZB auf die schon zuvor existenten negativen Renditen nur die halbe Wahrheit wider, betont Zehnder. Er sieht vor allem die Gefahr, dass die Bereitschaft zur Vorsorge für das Alter durch die aktuelle Geldpolitik untergraben werde.

Quelle: Verband der Privaten Bausparkassen

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