Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

Gesetzlicher Mindestlohn: Eine Zwischenbilanz

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.04.2015

Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Nach den ersten 100 Tagen mit der neuen Gestaltung der Einkommen in vielen Niedriglohnbranchen ist es nun Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Die viel diskutierte und umstrittene Regelung könnte bereits in wenigen Wochen nachgebessert werden. Dann will die Koalition erneut über dieses Thema beraten.

Ein gesetzlicher Mindestlohn soll eine angemessene Lohnuntergrenze für Arbeitnehmer sicherstellen. Laut Informationen der Bundesregierung profitieren rund 3,7 Millionen Menschen von der zum 1. Januar 2015 eingeführten Regelung. Von Beginn an gab es auch Kritik am 8,50-Euro-Minimallohn. Wirtschaftsforscher hatten davor gewarnt, dass die verpflichtende Erhöhung der Einkommen in manchen Branchen Hunderttausende Jobs kosten könnte und viele kleine Betriebe vernichten würde. Einhundert Tage ist das nun her. Bewahrheitet haben sich die Schreckensszenarien laut „Tagesschau.de“ bisher nicht.

Gesetzlicher Mindestlohn ist kein Jobkiller

Nach Informationen des „Spiegel“ konnte Deutschlands führender Arbeitsmarktforscher Joachim Möller keine nennenswerten Veränderungen bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen erkennen. Die Befürchtung etlicher Kritiker, dass ein gesetzlicher Mindestlohn zahlreiche Jobs vernichten könnte, bewahrheitete sich demnach nicht. Eine Auffälligkeit gab es jedoch bei Beschäftigungen auf 450-Euro-Basis: Ihre Zahl ist seit der Einführung des Mindestlohns deutlich gesunken. Was mit den Minijobbern passiert ist, wissen die Arbeitsmarktforscher momentan noch nicht genau. Denkbar wäre, dass die Jobs entweder weggefallen sind oder in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt wurden.

Preissteigerungen aufgrund höherer Einkommen bleiben Ausnahmen

Die in einigen Niedriglohnbranchen gestiegenen Kosten für Einkommen müssen von den Unternehmen erwirtschaftet werden. Aus diesem Grund befürchteten die Kritiker, dass ein gesetzlicher Mindestlohn zu umfangreichen Preissteigerungen führen könnte. Doch auch diese Sorge bestätigte sich bisher kaum. Nur für Taxifahrten, beim Bäcker, für Hotelaufenthalte und in Gaststätten zahlen Kunden nun teilweise mehr. Andere Branchen scheinen die Mehrausgaben durch Qualitätsminderungen, das Herunterfahren von Serviceangeboten oder Einsparungen an anderen Stellen zu kompensieren.

Mögliche Nachbesserung bereits Ende April

Ganz rund scheint die Umsetzung des Mindestlohns jedoch noch nicht zu laufen. In der Union wächst vor allem der Widerstand gegen die Arbeitszeiterfassung für alle Beschäftigten in bestimmten Branchen, die monatlich weniger als 2.958 Euro brutto verdienen. Diese Dokumentationspflicht soll laut Union deutlich runtergefahren werden. SPD und Gewerkschaften sehen hingegen beim gesetzlichen Mindestlohn noch zu viele Möglichkeiten, die neuen Regelungen zu umgehen. Am 23. April wollen sich die Koalitionspartner zusammensetzen und entscheiden, ob noch Anpassungen bei der Mindestlohnregelung erforderlich sind.

Aktuelle Finanznews

Banken in Deutschland
Banken in Deutschland
Kennen Sie alle Banken, die in Deutschland vertreten sind? Wir geben Ihnen einen ersten Überblick über wichtige Kreditinstitute in Deutschland - jeweils mit ausführlichem Portrait und Kontaktadressen. Sie...
BHW Bausparkasse
BHW Bausparkasse
Das deutsche Finanzdienstleistungsunternehmen BHW hat seinen Sitz in Hameln und gehört als Tochter der Postbank auch zur Deutschen Bank. Die Schwerpunkte der Bausparkasse liegen in der Baufinanzierung...
So finanzieren die Deutschen ihre Träume
So finanzieren die Deutschen ihre Träume
Die FinanceScout24-Kreditstudie gibt Einblick in die Kreditlandschaft Deutschlands. Dabei stellt die Studie durchschnittliche Kredithöhen, häufige Verwendungszwecke und die regionale Verteilung von Kreditanträgen...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen