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Kaufkraft einer Stadt am Geldautomaten messbar?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 31.01.2015

Das Auswahlmenü an Geldautomaten kann unter Umständen mehr über die Kaufkraft einer Stadt verraten, als vielleicht gedacht. Die auswählbaren Standardbeträge variieren stark zwischen unterschiedlichen Städten in der Bundesrepublik. Ob diese Beobachtung zuverlässige Rückschlüsse auf die finanzielle Situation der Bewohner einer Stadt ziehen lässt?

Vor fast 30 Jahren, 1986, rief das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ den sogenannten „Big-Mac-Index“ ins Leben. Anhand der Variation des Preises für einen der Burger meinte eine Redakteurin, die Kaufkraft einer Stadt bestimmen zu können. Mittlerweile hat sich der außergewöhnliche Kaufkraftvergleich „Burgernomics“ in der volkswirtschaftlichen Theorie einen festen Namen gemacht: Jährlich wird die Größe neu berechnet und macht die abstrakte Kaufkraftparität-Theorie für die Verbraucher greifbar. „Spiegel Online“ nahm den „Big-Mac-Index“ zum Anlass, eine eigene Theorie aufzustellen: den „Geldautomaten-Index der Kaufkraft“.

Hamburg und Berlin mit auffälligem Unterschied

Die Beobachtung, dass sich die auswählbaren Standardbeträge an Geldautomaten in Hamburg und Berlin stark unterscheiden, nahm das Magazin zum Anlass, mehr als 20 Sparkassen zu befragen. Der Verdacht: Da die Kaufkraft in der Hansestadt im Schnitt deutlich über jener der Hauptstadt liegt, bieten Hamburger Sparkassen einen höheren Maximal-Abhebungsbetrag von 1000 Euro an. In Berlin können Verbraucher mit einem Knopfdruck maximal 500 Euro am Geldautomaten abheben. Dies könnte ein Indikator zur Kaufkraft-Messung sein, der sich unter Umständen auch auf andere deutsche Städte anwenden ließe.

Lässt niedrigster Standardbetrag an Geldautomaten Schlüsse auf Kaufkraft zu?

Das Ergebnis der Umfrage bestätigt nicht immer, aber oft die These, dass das Auswahlmenü am Geldautomaten Aufschluss über die Kaufkraft der jeweiligen Stadt gibt. Dies wird besonders deutlich, wenn der jeweils niedrigste Standardbetrag an den Automaten betrachtet wird – und außerdem der aktuelle GfK-Kaufkraft-Index zum Vergleich herangezogen wird. So können Sparkassen-Kunden in brandenburgischen Städten wie Potsdam oder Schwedt an der Oder am Automaten beispielsweise auch nur fünf Euro von ihrem Girokonto abheben, während im kaufkraftstarken München der niedrigste Standard-Betrag bei der Stadtsparkasse bei 50 Euro liegt. Die Kaufkraft in Schwedt liegt durchschnittlich 15 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, in München jedoch 30 Prozent darüber, berichtet das Magazin weiter. Beispiele für den niedrigsten Standardbetrag an Sparkassen-Geldautomaten:

Stadt

Niedrigster Standardbetrag

Schwedt an der Oder

5 Euro

Leipzip

10 Euro

Dortmund

10 Euro

Hamburg

20 Euro

Berlin

20 Euro

Bielefeld

25 Euro

Magdeburg

50 Euro

München

50 Euro

Geldautomaten-Index erstaunlich verlässlich

Voraussetzung für Rückschlüsse auf die Kaufkraft einer Stadt ist, dass die Sparkassen sich bei der Festlegung der angebotenen Standardbeträge an Geldautomaten an der Nachfrage ihrer Kunden orientieren. Dies ist bis auf wenige Ausnahmen der Fall – technische Faktoren oder Sicherheitsaspekte sind nur selten ausschlaggebend. Auch wenn der Geldautomaten-Index zur Bestimmung der Kaufkraft für viele Städte erstaunlich gut funktioniert, ist er nicht immer verlässlich: Zum Beispiel können Verbraucher in Magdeburg 50 Euro als geringsten Betrag am Geldautomaten wählen, obwohl die Kaufkraft in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

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