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Kontoüberziehung: Obergrenze für den Dispozins

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 25.11.2013

Bei einer Kontoüberziehung müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen. Den genauen Satz dürfen Banken beliebig festlegen - und den Dispozins im Prinzip so hoch ansetzen, wie sie wollen. Verbraucherschützer laufen schon seit geraumer Zeit Sturm gegen die Praxis der hohen Gebühren. Nun wollen sie erneut in der Politik Gehör finden.

Bei einem Dispokredit sind derzeit oft hohe Zinsen zu entrichten. Klassische Kredite sind hingegen so günstig, dass Experten häufig pauschal eine Umschuldung empfehlen - Bankkunden lösen dabei beispielsweise mit einem Ratenkredit ihren Dispokredit ab. Thomas Hartmann-Wendels, Bankprofessor an der Universität Köln, weiß auch, warum eine Kontoüberziehung so teuer ist: „Der Dispo ist kein Kredit, der als langfristiges Finanzierungsinstrument genutzt werden soll, sondern kurzfristige Liquiditätsengpässe ausgleichen soll“, erklärt er im „Handelsblatt“.

Verbraucherschützer fordern Deckelung

Dispokredite würden sich zudem keinem Wettbewerbsdruck beugen, erklärt Frank-Christian Pauli, Finanzexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Es gibt also keine Entwicklung auf dem Markt, die Verbrauchern entgegenkommen könnte. Pauli fordert deshalb eine gesetzlich festgeschriebene Deckelung der Dispozinsen. Bei sieben Prozent solle die Höchstgrenze liegen, dazu käme die Höhe des internationalen Referenzzinssatzes Euribor für Geschäfte am Geldmarkt mit drei Monaten Laufzeit. Der genau Wert wird mit einer Formel bestimmt: „Die Formel berücksichtigt das Niveau der Darlehenszinsen und die Kosten, die Banken selbst fürs Geldaufnehmen haben“, erläutert der Experte. Aktuell läge die Obergrenze so bei 7,218 Prozent.

Mehr oder weniger Regulierung?

Kreditinstitute kritisieren den Vorschlag einer Deckelung: „Preise sollten sich in einer Marktwirtschaft auch am Markt bilden. Das gilt auch für den Dispo“, gibt der Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Stefan Marotzke gegenüber dem „Handelsblatt“ zu bedenken. Seiner Einschätzung nach würde ein festes Zinslimit dem Verbraucher nicht entgegenkommen, denn die Banken würden sich hin zur Obergrenze und nicht davon weg orientieren. Wie das Thema nach den Koalitionsverhandlungen schließlich in der Politik angegangen wird, muss sich noch zeigen.

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