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Krankenkassen kontrollieren Bezug von Krankengeld

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.05.2015

Burnout, Depressionen, Rückenleiden – die Zahl der Langzeitkranken in Deutschland steigt zunehmend. Dies bedeutet eine hohe Belastung für die Krankenkassen: Diese nehmen die Sache jetzt selbst in die Hand und kontrollieren die Krankschreibungen der Hausärzte nach. Droht etlichen Langzeitkranken damit die Streichung des Krankengeldes?

Die Zahl der Langzeiterkrankten in Deutschland steigt: Bezogen 2014 durchschnittlich noch 1,08 Millionen Versicherte Krankengeld, waren es im März 2015 schon 1,28 Millionen, berichtet die „Welt“. In der Regel wird Krankengeld ab der sechsten Krankheitswoche gezahlt. Die steigende Zahl der Bezieher stellt eine enorme finanzielle Belastung für die Krankenkassen dar. Aus diesem Grund prüfen diese immer häufiger, ob Versicherte tatsächlich arbeitsunfähig sind.

Angezweifelte Arbeitsunfähigkeit: Immer mehr müssen sich beim MDK vorstellen

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist ein Beratungs- und Begutachtungsdienst für die gesetzliche Krankenversicherung und Pflegeversicherung in Deutschland. Krankgeschriebene Arbeitnehmer werden von der Krankenkasse zum MDK geschickt, wenn das ursprüngliche Attest des behandelnden Arztes angezweifelt wird und noch ein gesondertes Gutachten zum Gesundheitszustand des Versicherten erstellt werden soll. Der Anteil der Krankgemeldeten, die vom MDK untersucht wurden, stieg nach Informationen der „Welt“ zuletzt schnell: Während im Jahr 2010 noch 36 Prozent vom MDK begutachtet worden waren, mussten sich 2013 bereits 45 Prozent der Versicherten der Untersuchung stellen. In absoluten Zahlen bedeutet dies einen Anstieg von 41.000 MDK-Gutachten zwischen 2010 und 2013. Allein 2013 waren es 124.000 Arbeitnehmer, die ursprünglich von ihrem Arzt attestiert bekommen hatten, arbeitsunfähig zu sein. Durchschnittlich 20 Prozent der Versicherten wurden in den vergangenen Jahren nach dem MDK-Gutachten wieder „gesundgeschrieben“. Im Jahr 2014 sei die Zahl der Fälle, die sich beim MDK vorstellen mussten, wieder zurückgegangen, wofür jedoch nicht zuletzt Maßnahmen wie die Rente mit 63 verantwortlich sein dürften. Dennoch waren es immer noch rund 100.000 Krankgeschriebene, deren Atteste durch die Krankenkasse angezweifelt worden sind.

Misstrauen bei Krankengeld: Kein Kommentar der Krankenkassen

„Dass die Krankenkassen prüfen, wenn Krankengeld gezahlt werden muss“, sei laut Ulrich Becker vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik nachzuvollziehen. Immerhin gehe es dabei um Mitgliedsbeiträge und erhebliche Kosten. Der Experte gibt jedoch zu bedenken, dass „die Betroffenen in eine Problemzone rutschen, insbesondere dann, wenn sie kein Krankengeld mehr bekommen, gleichzeitig aber ein Sozialgerichtstermin auf sich warten lässt“. Die meisten Krankenkassen selbst schweigen zu dem Thema. Auf eine Anfrage antworte der AOK-Bundesverband etwa, dass keine „MDK-Controlling-Auswertungen zur Krankengeldbegutachtungen verfügbar“ seien. Auch andere Kassen wie die IKK classic, Barmer oder die Techniker Krankenkasse gaben laut „Welt“ keine weiteren Auskünfte zu der Problematik.

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