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Kreditwürdigkeit: Härtere Regeln für Auskunfteien

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.05.2015

Eine schlechte Wohngegend kann die Bonität herabsetzen, selbst wenn ein Verbraucher seine Rechnungen immer pünktlich begleicht. Ein Gesetz soll die Bewertung der Kreditwürdigkeit durch Auskunfteien zukünftig genauer regeln, um dies zu vermeiden. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass diskriminierende Daten wie Wohnort oder Geschlecht nicht in die Bonitätsbewertung einfließen dürfen.

Die Bundesregierung plant, die Datenbasis für das sogenannte Scoring von Auskunfteien wie der Schufa, stärker zu reglementieren. In die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern fließen derzeit auch Daten ein, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Bonität stehen. Nun soll ein Gesetzentwurf für strengere Regeln sorgen, berichtet die „Welt“.

Schlechte Wohngegend kann Kreditwürdigkeit herabsetzen

Wenn Verbraucher von ihrer Bank keine Kreditkarte erhalten, Online-Einkäufe nur gegen Vorkasse tätigen können oder Kredite zu deutlich schlechteren Konditionen erhalten als die breite Masse, könnte dies am falschen Wohnort liegen. Bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt, fragen viele Unternehmen den Schufa-Score eines potenziellen Kunden ab, um dessen Kreditwürdigkeit beurteilen zu können.

Formel für den Schufa-Score ist Geschäftsgeheimnis

Die Berechnungsmethode für die Scores ist Geschäftsgeheimnis der jeweiligen Auskunftei. Erst im vergangenen Jahr hat der Bundesgerichtshof bestätigt, dass die Formel zur Berechnung des Schufa-Scores nicht offengelegt werden muss. Doch die Bundesregierung möchte per Gesetz immerhin schärfere Regeln für das intransparente Scoringverfahren der Auskunfteien einführen. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Daten wie Wohnumfeld, Geschlecht und Informationen aus sozialen Netzwerken nicht in die Bewertung der Kreditwürdigkeit einfließen dürfen. „Noch immer können diskriminierende Daten wie die Adresse mit darüber entscheiden, ob jemand beispielsweise einen Kredit bekommt oder wie seine Handyvertragsbedingungen aussehen", sagte Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzende des Ausschusses für Justiz und Verbraucherschutz. Die Verbraucherschutzminister der Länder kamen auf ihrer Verbraucherschutzkonferenz Anfang des Monats ebenfalls zu dem Schluss, dass bezüglich der Auskunfteien „dringender Handlungsbedarf“ bestünde. Auch sie empfahlen ein Verbot des sogenannten „Geoscorings“, also die Beurteilung der Kreditwürdigkeit aufgrund des Wohnorts.

Auskunfteien sollen Bürger über gesammelte Daten informieren

Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass die Auskunfteien von sich aus einmal jährlich Verbraucher kostenlos darüber informieren, welche Daten über sie vorliegen, wie diese bewertet wurden und wie lange die Informationen gespeichert werden. Aktuell erhalten Verbraucher eine sogenannte Datenübersicht nach dem Bundesdatenschutzgesetz nur nach expliziter Anforderung einmal pro Jahr kostenlos. „Die Antworten, die sie dann erhalten, sind aber oft unverständlich“, kritisiert Malte Engeler vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) Schleswig-Holstein.

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