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Kritik am neuen Notrufsystem der Versicherer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 06.04.2016

Wirtschaftliche Interessen statt Verbesserung der Notfallrettung – direkt nach seinem Start wird das Notrufsystem der deutschen Autoversicherer scharf kritisiert. Es gehe dem Anbieter vor allem um den exklusiven Zugriff auf Unfalldaten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft betont allerdings, dass sein Notrufsystem hohe Ansprüche an Datenschutz und -sicherheit erfüllt und kein unnötigen Daten übertragen werden.

Gerade erst hat das Notrufsystem „Unfallmeldedienst“, kurz UMD, der deutschen Autoversicherer seinen Betrieb aufgenommen und schon hagelt es Kritik. Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) berichtet, wirft der Leiter des niedersächsischen Datenschutzzentrums Volker Lüdemann den Anbietern vor, in erster Linie wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.

Notrufsystem gibt Betreibern Hoheit über Unfalldaten

Lüdemann zufolge stünden vor allem die Unfalldaten im Interesse der Anbieter des Unfallmeldedienstes. „Im Grunde ist es ein Kampf um den ersten Datenzugriff“, sagte der Datenschützer der „NOZ“. „Denn wer die Unfalldaten zuerst hat, macht das Geschäft.“ Konkret geht es dabei um die Hoheit über Aufträge an Rettungsdienste, Abschleppunternehmen und Kfz-Sachverständige. Der Besitzer der Unfalldaten verfüge letztlich darüber, welches Krankenhaus angefahren werde und in welche Werkstatt Unfallfahrzeuge abgeschleppt würden. Dies sieht Lüdemann auch dadurch bestätigt, dass Notrufe über den UMD nicht an die allgemeinen Notrufnummern 110 und 112 gehen, sondern an eine private Notrufzentrale der deutschen Autoversicherer weitergeleitet werden.

Bislang hatten die Autobauer durch das von ihnen verbaute Notrufsystem eCall, das ab 2018 für Neuwagen verpflichtend wird, exklusiven Zugriff auf Unfalldaten aus Fahrzeugen. Der Unfallmeldedienst der Autoversicherer bietet allerdings eine Funktion, die das eCall-System nicht leisten kann. Bei kleineren Unfällen oder manuellem Pannenruf wird ein Kontakt zur zuständigen Kfz-Versicherung hergestellt, die den Schaden direkt aufnimmt und alle weiteren erforderlichen Maßnahmen einleitet.

GDV betont hohe Ansprüche an Datenschutz und -sicherheit

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) als Betreiber des UMD betont, dass bei seinem Notrufsystem nur Daten übermittelt werden, wenn tatsächlich ein Unfall stattgefunden hat. Informationen über die Fahrweise, wie bei Telematik-Tarifen erforderlich, würden die Versicherer nicht erhalten. Gleiches gilt für die mit dem Fahrzeug zurückgelegten Strecken. Es soll nicht möglich sein, anhand der vom Notrufsystem übermittelten Daten Bewegungsprofile zu erstellen. Hohe Ansprüche an Datenschutz und Datensicherheit seien beim UMD dem GDV zufolge erfüllt.

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