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Lebensversicherungen: Kein Garantiezins mehr?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 17.10.2015

Mit dem Garantiezins wird von staatlicher Seite vorgegeben, welchen Zinssatz Lebensversicherungen ihren Kunden maximal garantieren dürfen. Die Bundesregierung will diesen Zins zu 2016 abschaffen, das gilt allerdings nicht für bereits bestehende Verträge.

Mit dem Garantiezins – so die umgangssprachliche Bezeichnung für den Höchstrechnungszins – wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt, welchen garantierten Zinssatz Lebensversicherungen ihren Kunden bei der Kapitallebensversicherung auf das eingezahlte Kapital anbieten dürfen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, soll diese Regelung Anfang 2016 aufgehoben werden. Damit reagiert die Bundesregierung auf die angespannte Lage der Lebensversicherungen, denen es immer schwerer fällt, in Zeiten niedriger Zinsen Garantien anzubieten.

Garantiezins seit Jahren fallend

In den 1990er Jahren lag der Garantiezins bei 3,5 oder sogar 4 Prozent. Seit 2000 wurde er aber schrittweise gesenkt und beträgt seit diesem Jahr 1,25 Prozent. Durch die staatliche Vorgabe soll sichergestellt werden, dass sich die Versicherer nicht übernehmen und den Kunden Zinsen garantieren, die sie später nicht bieten können. Die garantierte Verzinsung machte die Kapitallebensversicherung lange Zeit zu einer sehr beliebten Form der Vorsorge: In Deutschland existieren 90 Millionen Policen. Durch dauerhaft niedrige Zinsen fällt es den Versicherern allerdings schwer, diese Garantien auf lange Sicht zu erfüllen, gerade weil für viele bestehende Policen noch ein Garantiezins von 4 Prozent gilt.

Lebensversicherungen im Umbruch

Ab 1. Januar 2016 gelten die neuen europäischen Eigenkapitalvorschriften (Solvency II), die den Versicherern unter anderem mehr Freiheit bei der Anlage in Aktien ermöglichen. Damit wird auch geregelt, welche Rückstellungen sie bilden müssen, was laut Bundesfinanzministerium den Garantiezins nicht mehr nötig macht. Es ist den Versicherern also weiterhin möglich, Garantien für die Lebensversicherungen auszusprechen, solange sie sich an die Anforderungen von Solvency II halten. Durch die angespannte Lage der Versicherer ist aber mit Umstrukturierungen bei den Produkten zu rechnen. Zum Beispiel werden viele Lebensversicherungen in Zukunft vermutlich nicht mehr jährlich kündbar sein. Das würde es den Versicherern ermöglichen, das Geld langfristiger anzulegen und höhere Zinsen zu erzielen. Betroffen von der Abschaffung des Garantiezinses sind ab 2016 allerdings nur neu abgeschlossene Verträge.

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