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Löhne in Deutschland 2015 deutlich gestiegen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.01.2016

Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge haben die Löhne in Deutschland im auslaufenden Jahr eine steile Aufwärtsentwicklung hingelegt. Erheblichen Anteil daran dürfte der zum Jahresbeginn eingeführte Mindestlohn haben. Denn insbesondere Geringqualifizierte haben von einer steilen Lohnentwicklung profitiert. Der befürchtete Wegfall von Arbeitsplätzen durch den Mindestlohn fiel weniger dramatisch aus, als vielfach angenommen.

Die Löhne in der Bundesrepublik legen weiterhin zu. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet, geht dies aus aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Um 2,4 Prozent stiegen die Reallöhne im dritten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies markiert im mehrjährigen Vergleich einen deutlichen Zuwachs, auch wenn er geringer ausfällt als im ersten Halbjahr 2015.

Geringqualifizierte profitieren am stärksten von steigenden Löhnen

Im Durchschnitt erhielten Vollzeitbeschäftigte im Zeitraum von Juli bis September 2015 einen Monatslohn von 3.624 Euro brutto. Insbesondere Geringqualifizierte können sich in diesem Jahr über höhere Lohneingänge auf dem Girokonto freuen: Ungelernte Kräfte verdienten im dritten Quartal 2015 knapp vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies dürfte in vielen Fällen auf den flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zurückzuführen sein, der zum Jahresbeginn eingeführt wurde.

Die vor seiner Einführung vielfach geäußerte Befürchtung, dass durch den Mindestlohn viele Arbeitsplätze wegbrechen könnten, hat sich offenbar nicht bewahrheitet. Pessimistische Prognosen, beispielsweise die des Münchener Ifo-Instituts, waren davon ausgegangen, dass die höheren Löhne bis zu 900.000 Arbeitsplätze gefährden könnten. Knapp ein Jahr nach der Einführung des Mindestlohns geht das Ifo-Institut von einem Gesamtverlust von 340.000 Arbeitsplätzen (umgerechnet in Vollzeitstellen) aus.

Auswirkungen des Mindestlohns nicht eindeutig zu beziffern

Andere Experten gehen sogar von deutlich weniger weggebrochenen Arbeitsplätzen aufgrund gestiegener Löhne aus: „Die sichtbaren Folgen sind eher gering, auch wegen der guten Konjunktur“, so die Einschätzung von Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Er geht davon aus, dass der Mindestlohn zu einem Abbau von Arbeitsplätzen „im fünfstelligen Bereich“ geführt hat. Genau beziffern lassen sich die Arbeitsplatzverluste nur schwer. Denn es lässt sich kaum sagen, wie sich die deutsche Wirtschaft ohne die Reform entwickelt hätte.

Massiver Wegfall von Arbeitsplätzen im Osten ausgeblieben

Wie erwartet, waren die Auswirkungen auf geringfügige Beschäftigungsverhältnisse am deutlichsten: Um etwa 190.000 ist ihre Anzahl im Juni 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Doch nicht alle davon wurden ersatzlos gestrichen, weiß IWH-Forscher Holtemöller: „Ein Teil dieser Stellen wurde in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt. Ein Teil ist verloren gegangen.“ Der massive Wegfall von Arbeitsplätzen in den ostdeutschen Bundesländern, in denen vor Einführung des Mindestlohns etwa jeder fünfte Arbeitnehmer einen Stundenlohn von unter 8,50 verdiente, ist ebenfalls ausgeblieben.

Die höheren Lohnkosten haben die Arbeitgeber offenbar erfolgreich an ihre Kunden weitergegeben. So stellt das Ifo-Institut in einer jüngst veröffentlichten Konjunkturprognose fest, dass in Sachsen in „vom Mindestlohn mutmaßlich besonders stark betroffenen Bereichen zum Teil erhebliche Preissteigerungen festzustellen“ seien.

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