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Minuszinsen-Kredit: Schnäppchen oder Marketing?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.04.2016

Mit einer Minuszinsen-Finanzierung lockt ein Möbelhändler aktuell Kunden an. Dabei handelt es sich allerdings eher um eine findige Marketing-Strategie, die sich auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezieht. Kunden, die hoffen, die kreditgebende Bank würde ihnen Geld schenken, werden enttäuscht.

Ein Möbelhändler bietet zum Anlass seines Firmenjubiläums eine Minuszinsen-Finanzierung an. Doch was bedeutet das konkret – bekommen Kunden hier Geld geschenkt, wenn sie Möbel auf Raten zahlen? Bei genauerer Betrachtung handelt es sich allerdings nicht tatsächlich negative Zinsen, sondern um eine findige Marketing-Strategie.

Minuszinsen-Kredit in der Praxis schwer möglich

Aktuell können Banken für bis zu minus 0,4 Prozent Zinsen Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen, um es als Kredit an Kundenweiterzugeben. Diese Minuszinsen werden allerdings kaum an die Kreditnehmer durchgereicht: Die Kreditzinsen für Verbraucher sind zwar derzeit vergleichsweise niedrig, aber meist immer noch einige Prozentpunkte von der Nulllinie entfernt. Trotzdem scheint das Angebot eines Möbelhändlers, der eine Finanzierung mit Zinsen von minus einem Prozent anbietet, für Kunden derzeit vielleicht nicht so unrealistisch. Allerdings widerspricht ein solches Angebot dem Kodex des Bankenverbands zur verantwortungsvollen Kreditvergabe, in dem es heißt: „Das geliehene Geld muss der Kunde in der Regel in festgelegten Fristen und mit Zinsen an die Bank zurückzahlen.“

Marketing-Strategie in Zeiten von Niedrigzinsen

Bei dem Angebot des Möbelhändlers handelt es sich bei genauerem Hinsehen eher um eine clevere Marketing-Strategie, die sich die Zinspolitik der EZB zunutze macht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Kunde schließt eine Null-Prozent-Finanzierung ab, die bei Konsumentenkrediten mittlerweile häufig zu finden ist. Auch bei dieser handelt es sich aber im Grunde um eine Marketing-Strategie: Der Händler übernimmt die Zinskosten oder die Banken selbst gewähren den Rabatt, um neue Kundendaten zu erhalten.

Die Minuszinsen bei dem aktuellen Angebot stammen nicht von der kreditgebenden Bank. Es handelt sich vielmehr um eine Prämie von einem Prozent des Kaufpreises, die der Möbelhändler dem Kunden gewährt. Sie wird ihm nach Auslieferung der Ware ausgezahlt. Für den Händler bedeutet das keinen unverhältnismäßig großen Verlust. „Dass Kunden auch bei einer Nullprozentfinanzierung noch mal über den Kaufpreis nachverhandeln, ist nicht unüblich. Ein Discount von einem Prozent ist dabei noch relativ wenig“, erklärt Finanzexperte Peter Barkow, Geschäftsführer der Finanzierungsberatung Barkow Consulting, dem „Handelsblatt“.

Quelle: Handelsblatt

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