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Netzkosten: Deutsche Stromkunden zahlen zu viel

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 03.07.2015

Stromkunden in Deutschland zahlen jedes Jahr mehrere Millionen Euro zu viel. Der Grund ist, dass Tausende Unternehmen von den Netzkosten befreit werden. In vielen Fällen ist dies nicht gerechtfertigt, denn zum eigentlichen Ziel dieser Sonderkonditionen – der Netzstabilität - tragen viele der befreiten Unternehmen nicht bei. Die Bundesnetzagentur will dem nun mit alternativen Rabattmodellen entgegenwirken.

Tausende Unternehmen profitieren zu Unrecht von der Stromnetzentgelt-Verordnung. Und das zu Lasten der privaten Stromkunden, die Jahr für Jahr mehrere Hundert Millionen Euro zu viel für Strom zahlen, um die Ermäßigungen für die Wirtschaft auszugleichen. Das geht aus einem unter Verschluss gehaltenen Bericht der Bundesnetzagentur an das Bundeswirtschaftsministerium hervor, über den die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet.

Viele Unternehmen profitieren zu Unrecht von Sonderkonditionen

Die Freistellungen und Ermäßigungen nach der Stromnetzentgelt-Verordnung betrugen allein im vergangenen Jahr 600 Millionen Euro. Die Sonderkonditionen wurden eingeführt, um die Stabilität des Stromnetzes zu verbessern. Unternehmen, die ihren Stromverbrauch anpassen und den Großteil auf Zeiten außerhalb der Höchstnachfrage verlegen, erhalten laut Verordnung einen Preisnachlass. So sollte verhindert werden, dass Kraftwerke im Laufe des Tages zu- oder abgeschaltet werden müssen.

Private Stromkunden müssen „Mitnahmeeffekte“ ausgleichen

Die Bundesnetzagentur spricht nun von sogenannten „Mitnahmeeffekten“ und fordert, bei der Verordnung nachzubessern. Unter den 5.500 Anträgen auf eine Stromkostenreduzierung, die 2014 gestellt wurden, seien auch Anfragen von Mastbetrieben, Schlachthöfen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kaufhäusern, Kinos, Hotels und Golfplätzen gewesen. Bei vielen dieser Unternehmen sei laut dem Bericht der Bundesnetzagentur „in der Natur der Sache kaum von einem angepassten Verbrauchsverhalten, sondern ganz überwiegend von Mitnahmeeffekten auszugehen“. Dennoch steht diesen Antragstellern laut Verordnung ein Rabatt zu, den die restlichen Stromkunden durch höhere Preise ausgleichen müssen. Darunter sind vor allem private Stromkunden, der Mittelstand und kommunale Haushalte.

Bundesnetzagentur will gewerbliche Kleinkunden künftig von Rabatten ausschließen

Die Vertreter der Bundesnetzagentur wollen dennoch nicht alle Nutznießer der Rabatte über einen Kamm scheren. Bei Betreibern von Pumpspeicherkraftwerken und Großkunden aus der Industrie seien die Sonderkonditionen durchaus sinnvoll, heißt es in dem Papier. Darin schlägt die Agentur auch konkrete Nachbesserungen der Regelung vor. So sollen zum Beispiel künftig nur noch Abnehmer von einem Rabatt profitieren, die Strom aus dem Hoch- oder Höchstspannungsnetz beziehen. Kleinverbraucher wie Kinos und Golfplätze wären damit ausgeschlossen

 

Belohnungen für flexiblen Stromverbrauch

Zudem schlägt die Bundesnetzagentur flexible Sonderkonditionen vor. Begünstigt werden sollen Unternehmen, die sich der Netzsituation anpassen können. Das heißt, dass sie bei einem Stromüberschuss die Produktion hochfahren und bei großer allgemeiner Nachfrage ihren Stromverbrauch drosseln können. Bisher wurden Abnehmer dann belohnt, wenn sie große Mengen Strom gleichmäßig aus den Netzen entnehmen. In Zeiten der Umstellung auf Ökostrom, dessen Verfügbarkeit im Laufe des Tages variiert, sei dies nicht mehr zeitgemäß.

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