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Niedrigzinsen: Finanzprodukte in Zukunft teurer?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 24.06.2016

Finanzprodukte sind in Deutschland durchaus günstig – das zeigt der Vergleich mit anderen europäischen Ländern, in denen Kunden durchschnittlich weit höhere Gebühren, beispielsweise für Girokonten, zahlen. Diese deutsche Tradition könnte allerdings bald beendet sein, denn Niedrigzinsen zwingen die Institute umzudenken und zu reagieren.

In Deutschland könnten sich viele Banken angesichts massiver Umsatzeinbußen in Zukunft gezwungen sehen, diverse Finanzprodukte in ihrem Angebot teuer als zuvor zu gestalten.

Niedrige Kontoführungsgebühren im internationalen Vergleich

Bisher waren viele Finanzprodukte der deutschen Banken im internationalen Vergleich für Kunden recht günstig. So ist beispielsweise ein Girokonto inklusive Bank- und Kreditkarte in Deutschland für durchschnittlich 24 Euro pro Jahr erhältlich, wie eine aktuelle Auswertung der Unternehmensberatung AT Kearney zeigt. In Frankreich dagegen liegen die Kosten im Durchschnitt bei 72 Euro, in Schweden bei 60 Euro, in Großbritannien bei 36 Euro. Für sämtliche Finanzprodukte zahlen Verbraucher in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt durchschnittlich 552 Euro – im europäischen Vergleich relativ wenig, denn in der Schweiz waren es 1.406, in Italien 962 und in den Niederlanden 754 Euro.

Die GLS Bank trifft nun eine Maßnahme, die in Deutschland bald zur Normalität werden könnte: Sie erhöht die Kontoführungsgebühren. In Zukunft müssen Kunden für ein Girokonto anstelle von 24 Euro nun 45,60 Euro bezahlen. Zusätzlich plant die Bank, einen jährlichen Solidarbeitrag von 60 Euro von ihren Kunden zu fordern.

Niedrigzinsen lassen Finanzprodukte teurer werden

Der Grund für die Verteuerung im Bereich der Finanzprodukte der GLS Bank sind die Niedrigzinsen – eine Entwicklung, die auch andere Institute bereits zu ähnlichen Maßnahmen bewogen hat. Vorstandssprecher Thomas Jorberg sagte gegenüber der „Welt“: „Wir zeigen damit, was einfach Realität geworden ist, dass die Leistung einer Bank nicht mehr überwiegend aus dem Zinsertrag finanziert werden kann“.

Zu Zeiten höherer Zinsen dagegen sahen sich viele Banken gezwungen, Kunden günstige Finanzprodukte, beispielsweise Girokonten ohne Kontoführungsgebühren, anzubieten, um am hart umkämpften Markt bestehen zu können. Dass dieses Vorgehen wenig ertragreich ist, bekommen die Institute nun angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase besonders zu deutlich zu spüren. Auch die Baufinanzierung ist ein Finanzprodukt, das in Deutschland bisher für Verbraucher vergleichsweise günstig und für Banken wenig ertragreich ist. In anderen europäischen Ländern erheben Institute dafür häufig zusätzliche Gebühren oder koppeln die Baufinanzierung an andere Produkte, wie aus der AT-Kearney-Untersuchung hervorgeht. So ist es in Spanien beispielsweise üblich, dass Verbraucher, die ein Baudarlehen aufnehmen wollen, gezwungen werden, auch ihr Gehaltskonto beim selben Institut zu führen.

Quelle: Welt, AT Kearney

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