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Phishing: Viele Banken haften nicht bei TAN-Betrug

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.11.2015

Viele Banken weigern sich mittlerweile, Opfern von Phishing-Attacken Schadensersatz zu leisten, wenn ihr Konto geräumt wurde. Sie berufen sich dabei auf die Mitschuld der Kunden, wenn diese fahrlässig gehandelt haben, zum Beispiel indem sie ohne Virenschutz Online-Banking genutzt oder ihre TANs unvorsichtig eingegeben haben.

Laut Informationen der „Welt“ sind die Betrugsfälle durch Phishing und TAN-Betrug im vergangenen Jahr um 70 Prozent angestiegen – fast 7.000 Mal schlugen Online-Betrüger insgesamt zu. Diese massive Zunahme erklären sich Experten dadurch, dass sich Betrüger inzwischen auf die 2012 eingeführten neuen Sicherheitsverfahren mit mobilen TANs (mTAN) und TAN Generatoren eingestellt haben. Nachdem diese Verfahren die alten TAN-Listen ersetzt hatten, ging die Zahl der erfolgreichen Betrugsfälle zunächst deutlich zurück. Nachdem Online-Betrüger nun offenbar ihre Methoden angepasst haben, verursachten sie nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) einen Schaden in Höhe von insgesamt etwa 30 Millionen Euro. Geschädigte können sich dabei nicht in jedem Fall darauf verlassen, dass ihre Bank für den Schaden haftet.

Banken wollen Verbrauchern die Schuld am Phishing geben

Immer mehr Geldinstitute stellen sich nämlich quer, wenn ein Kunde zum Phishing-Opfer geworden ist. Vielfach berufen sie sich darauf, dass die Geschädigten grob fahrlässig gehandelt hätten und daher selbst die Schuld an dem Betrug tragen würde.

Die „Welt“ berichtet von dem Fall eines Arztes, der durch eine Phishing-Attacke mehrere Tausend Euro verlor. Die Betrüger hatten eine Ersatz-SIM-Karte für seine Handynummer bestellt und darüber mehrere TANs empfangen. Diese nutzen sie, um sein Girokonto zu räumen. Zuvor hatten sie das Opfer mit einer täuschend echten Mail dazu gebracht, die PIN für seinen Online-Banking-Zugang über einen Link zu „aktualisieren“. Diese Tatsache diente seiner Bank als Argumentation, dass er selbst durch seine Fahrlässigkeit an dem Gelingen des Betrugs beteiligt sei. Viele Banken berufen sich auf die allgemeine Präsenz des Themas Phishing in den Medien und begründen damit ihre Weigerung, für den entstandenen Schaden aufzukommen.

Mit TANs besonders vorsichtig umgehen

Bankkunden, die Online-Banking nutzen können den Vorwurf der Fahrlässigkeit durch die Verwendung einer aktuellen Antivirus-Software verhindern. „Jeder Kunde braucht ein aktuelles Antivirenprogramm auf seinem Rechner, dann ist er aus der Haftung heraus", erklärt der Experte für Bankenrecht bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Markus Feck, gegenüber der „Welt“. Zusätzlich ist aber im Umgang mit TANs besondere Vorsicht geboten, egal ob man ein TAN-Generator, eine TAN-Liste mTAN per SMS oder ein anderes-Verfahren verwendet wird. Banken warnen davor, TANs zu vermeintlichen Kontrollzwecken einzugeben und weisen darauf hin, dass sie ihre Kunden nicht per Mail dazu auffordern, ihre PIN zu ändern oder zu bestätigen.

Einige Banken bieten ihren Kunden allerdings eine Sicherheitsgarantie für Transaktionen auf dem Girokonto. So wird auch Schaden ersetzt, der durch grobe Fahrlässigkeit entstanden ist. Nur bei vorsätzlichem Verhalten gibt es keine Garantie.

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