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Raiffeisenbank kassiert Strafzinsen von Sparern

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.08.2016

Strafzinsen auf die Einlagen von Privatkunden zu erheben, galt unter den Banken bislang als Tabu. Eine kleine bayerische Genossenschaftsbank bricht nun damit und reicht die Negativzinsen der EZB an Kunden mit hohen Einlagen auf ihren Konten weiter. Ob das Beispiel Schule macht, bleibt abzuwarten. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken glaubt nicht an die flächendeckende Einführung von Strafzinsen.

Bisher hatten die deutschen Geldhäuser Abstand davon genommen, Strafzinsen für hohe Guthaben von Privatkunden zu nehmen. Im bayerischen Gmund am Tegernsee wird sich dies ab September änderen. Die örtliche Raiffeisenbank hat angekündigt, ab September ein sogenanntes „Verwahr-Entgelt“ in Höhe von 0,4 Prozent auf Guthaben ab 100.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten einzuführen. „Wir haben alle Großanleger gezielt angeschrieben und ihnen empfohlen, sich Gedanken zu machen“, bestätigte Josef Paul, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gmund, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Exakte Weiterreichung des EZB-Negativzinses

Auch wenn der Begriff Strafzinsen vermieden wird, letztendlich reicht die Raiffeisenbank Gmund damit genau den negativen Einlagezins weiter, den Banken zahlen müssen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Bislang wurden diese Negativzinsen von Banken nur an Geschäftskunden durchgereicht. Allein die ebenfalls genossenschaftliche Skatbank aus dem thüringischen Altenburg hatte bisher Strafzinsen auch von Privatkunden erhoben, allerdings erst auf Einlagen ab 500.000 Euro auf Tagesgeldkonten. Experten, darunter auch der Bankenverband, hatten die Einführung von Strafzinsen für Privatkunden in der Vergangenheit für sehr unwahrscheinlich gehalten.

Neue Gebühren statt Strafzinsen

Anstatt die Negativzinsen an private Kunden weiterzugeben, haben viele Institute neue Gebühren eingeführt oder bestehende Gebühren erhöht, beispielsweise für die Kontoführung oder die Bereitstellung einer Kreditkarte. Offenbar ist die Angst, Kunden durch Negativzinsen verschrecken zu können, nicht ganz unbegründet, wie eine GfK-Umfrage kürzlich zeigte. Demnach würden die meisten Kunden bei der Einführung von Strafzinsen versuchen, mit ihrem Girokonto zu einer günstigeren Bank zu wechseln. Sollte dies nicht möglich sein, würde die Hälfte ihr Geld lieber abheben, als Negativzinsen zu zahlen.

Erste Konsequenzen der Strafzinsen bereits spürbar

Mit diesen Konsequenzen wird sich nun auch die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee auseinandersetzen müssen. „Ein Teil der Kunden, die wir informiert haben, hat sich für alternative Anlagen entschieden, andere haben ihr Geld zu anderen Banken verlagert“, bestätige Vorstand Paul. Eine Ausweitung der Strafzinsen auch auf niedrigere Sparguthaben sei nicht geplant, auch wenn die vergleichsweise kleine Raiffeisenbank einen deutlichen Einlagenüberhang hat. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) geht nicht davon aus, dass andere Institute nachziehen werden. Der Spitzenverband der genossenschaftlichen Kreditwirtschaft glaube „allerdings nicht, dass wir in Deutschland im Privatkundengeschäft in der Breite Negativzinsen sehen werden - nicht zuletzt auf Grund der intensiven Wettbewerbssituation im deutschen Bankenmarkt“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Quellen: Süddeutsche Zeitung/Reuters, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

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