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Reisekrankenversicherung künftig Pflicht?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 15.07.2016

Bei einem Terroranschlag mit zahlreichen Toten wurden Mitte Januar in Istanbul auch Mitglieder einer deutschen Reisegruppe zum Teil schwer verletzt, viele von ihnen hatten keine Reisekrankenversicherung. Dies veranlasste nun einen Reiseversicherer, eine verpflichtende Auslandskrankenversicherung bei Pauschalreisen zu fordern.

Obwohl die gesetzliche Krankenversicherung im Ausland nur in sehr geringem Umfang leistet, hatten laut Informationen des „Bayerischen Rundfunks“ (BR) nur wenige der in Istanbul Verletzten eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen. Bereits innerhalb der EU wird in den meisten Ländern nur eine ambulante Grundversorgung von den Krankenkassen übernommen. Mit der Türkei besteht lediglich ein Sozialversicherungsabkommen,  das gesetzlich Krankenversicherten nur minimalen Schutz bietet.

Vorteile auch für Reiseveranstalter

Um eine bessere Absicherung im Ausland zu gewährleisten, fordert der Chef des Münchener Reiseversicherers Allianz Global Assistance, Olaf Nink, daher, dass Reiseveranstalter Pauschalreisen grundsätzlich inklusive einer Reisekrankenversicherung anbieten sollen. Als Anbieter von Auslandskrankenversicherungen lässt sich der Allianz Global Assistance ein gewisses Eigeninteresse bei einer solchen Forderung kaum absprechen, Nink sieht allerdings in einer solchen Pflichtversicherung allerdings auch Vorteile für die Anbieter. „Wenn sie als Reiseveranstalter vor den betroffenen Opfern stehen und dann noch sagen: Die Rückführung nach Deutschland, die Heilbehandlungskosten in den Krankenhäusern, die müssen sie jetzt auch noch bezahlen. Ich glaube, das ist in diesem Moment nicht vertretbar", argumentierte der Diplom-Ökonom im Interview mit dem „BR“.

Reiseveranstalter lehnen obligatorische Reisekrankenversicherung ab

Reiseveranstalter teilen zwar die Einschätzung der Versicherungsbranche, dass eine Reisekrankenversicherung elementar wichtig sei. Eine Pflichtversicherung für ihre Kunden lehnen sie allerdings ab. Zum einen sollten Urlauber selbst entscheiden können, welche Versicherungen sie abschließen, erklärte Thorsten Schäfer vom Deutsche ReiseVerband (DRV). Der Branchenverband befürchtet zudem, dass sich Pauschalreisen durch eine obligatorische Reisekrankenversicherung verteuern könnten. Das Problem der höheren Kosten wies Versicherungsexperte Nink jedoch zurück, die Mehrkosten durch eine Pflichtversicherung würden sich auf wenige Euro belaufen. 

Gesetzliche Mindeststandards für Pflichtversicherung erforderlich

Problematisch könnten allerdings die sehr unterschiedlichen Leistungsumfänge der am Markt verfügbaren Reisekrankenversicherungen werden. Während einige Policen Rücktransporte beispielsweise nahezu uneingeschränkt übernehmen, leisten dies andere nur bei medizinischer Notwendigkeit, wie Stiftung Warentest feststellte. Bei einigen Tarifen werden Kosten erst bei Krankenhausaufenthalten über zwei Wochen erstattet. Sollte die Reisekrankenversicherung tatsächlich zur Pflichtversicherung werden, müssten vonseiten des Gesetzgebers obligatorische Mindestleistungen festgelegt werden, wie es beispielsweise bei der Kfz-Versicherung der Fall ist. Ansonsten besteht die Gefahr,  dass Reiseveranstalter ihren Kunden einen lückenhaften Schutz anbieten.

Quellen: Bayerischer Rundfunk, Stiftung Warentest

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