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Schlechte Zahlungsmoral in Europa

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 30.06.2016

Mit der Zahlungsmoral nehmen es offenbar viele europäische Firmen und Verbraucher nicht so genau. Dies gilt insbesondere im Südosten Europas. Die Deutschen sind hingegen relativ zuverlässige Zahler, doch auch sie treiben mit ihrer Zahlungsmoral möglicherweise Firmen in den Ruin. Jeder Fünfte zahlt Rechnungen sogar mit voller Absicht zu spät.

Um die Zahlungsmoral in Europa ist es anscheinend schlecht bestellt. Rund 20 Prozent der Rechnungen werden offenbar verspätet oder gar nicht bezahlt. Dies geht aus einer Studie von TNS Infratest im Auftrag des größten deutschen Inkassounternehmens EOS hervor, die der „Welt“ exklusiv vorliegt. Auffällig viele unzuverlässige Zahler sind in wirtschaftlich schwachen Ländern im Süden und Osten Europas zu finden.

Deutsche sind die zuverlässigsten Zahler in Europa

So werden in Griechenland im Schnitt nur 72 Prozent der Rechnungen fristgerecht bezahlt, bei fünf Prozent aller Rechnungen kommt es sogar zu Totalausfällen. Auch in Ungarn und der Slowakei wird jede zwanzigste Rechnung gar nicht bezahlt. In der Slowakei gibt es – wie auch in Rumänien und Bulgarien – mit 73 Prozent nur unwesentlich mehr fristgerechte Zahler als in Griechenland.

Die zuverlässigsten Schuldner in Europa sind die Deutschen, hier werden 83 Prozent der Rechnungen termingerecht beglichen, nur ein Prozent der Rechnungen müssen hierzulande als Totalausfall abgeschrieben werden. Aber auch in Spanien und Österreich ist die Zahlungsmoral gut – hier werden jeweils 82 Prozent der Rechnungen rechtzeitig gezahlt. Etwas unzuverlässiger zeigen sich Rechnungsempfänger in Frankreich (79 Prozent fristgerechte Zahlungen), Belgien (78 Prozent) und in Großbritannien (77 Prozent).

Fatale Auswirkungen schlechter Zahlungsmoral

Im Rahmen der Studie wurde sowohl die Zahlungsmoral von Unternehmen als auch von Privatpersonen untersucht. Dementsprechend unterscheiden sich die Gründe, die säumige Zahler für den Verzug angaben. Bei Unternehmen waren Liquiditätsengpässe der häufigste Grund für einen Zahlungsverzug oder -ausfall, gefolgt von Zahlungsausfällen bei eigenen Kunden. Zudem wurden die konjunkturelle Lage, Insolvenzen und unprofessionelle Rechnungsbearbeitung von Unternehmen als Gründe für nicht fristgerechte Zahlungen angegeben.

Der Untersuchung zufolge fehlen den Rechnungsstellern jährlich hohe Milliardenbeträge. „Oft ergibt sich eine Kettenreaktion: Wenn Firma A ihre Rechnung nicht oder deutlich verspätet bezahlt, bekommt Firma B auch Probleme und wartet mit der Zahlung an Firma C. Und am Ende ist eine der Firmen in Zahlungsschwierigkeiten“, beschreibt EOS-Geschäftsführer Klaus Engberding die Auswirkungen der schlechten Zahlungsmoral. Vor allem kleine Unternehmen könnten in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn ihre Forderungen verspätet oder überhaupt nicht beglichen werden.

Jeder fünfte säumige Zahler handelt vorsätzlich

Bei Privatpersonen wurde Arbeitslosigkeit als häufigster Grund für die schlechte Zahlungsmoral angegeben. Aber auch Ebbe auf dem Girokonto ist offenbar ein Grund, Rechnungen nicht fristgerecht zu bezahlen: Vorübergehende Liquiditätsengpässe und Überschuldung sind ebenfalls häufig genannte Gründe säumiger Zahler. Hinzu kommt Vergesslichkeit: Einige Privatpersonen verschusseln die fristgerechte Zahlung einfach. Jeder fünfte säumige Privatkunde zahlt allerdings auch mit voller Absicht zu spät: 20 Prozent gaben Vorsatz zu. EOS-Vertreter Engberding betrachtet die Entwicklung mit Besorgnis: „Der Anteil der säumigen Zahler steigt – das ist ein Warnsignal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Europa.“

Quelle: Welt

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