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Schwache deutsche Stromnetze rufen EU auf den Plan

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.06.2016

Die schlechten deutschen Stromnetze sorgen für Unmut in der EU. Aufgrund des langsamen Netzausbaus in der Bundesrepublik zieht die EU-Kommission nun doch unterschiedliche Preiszonen für Strom innerhalb Deutschlands in Erwägung. Um die EU-Kommission zu besänftigen, will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Ausbau von Windenergie vorübergehend limitieren.

Aufgrund der jahrelangen Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze droht die EU-Kommission Deutschland nun konkret mit der Aufspaltung in zwei Strompreiszonen. Sollte dies umgesetzt werden, müssten Verbraucher im Süden der Bundesrepublik dann deutlich mehr für Strom zahlen als im Norden Deutschlands.

Beschwerden von Nachbarländern über mangelhafte deutsche Stromnetze

Die Aufspaltung des deutschen Strommarkts in verschiedene Preiszonen wurde bereits vor einigen Monaten von der Bundesnetzagentur thematisiert, nun wird dieses Szenario aufgrund des Drucks aus Brüssel zunehmend konkreter. Aufgrund der Verzögerungen beim Netzausbau in Deutschland fließt überschüssiger Strom aus den Windparks im Norden derzeit vor allem in die Nachbarländer.

Nach Meinung der EU-Kommission ist diese Praxis „eine Quelle politischer Konflikte und behindert die Integration der west- und osteuropäischen Strommärkte“, wie die „Welt“ zitiert. Nach einem Bericht der Zeitung beschweren sich Nachbarländer immer wieder in Brüssel über mangelnde Kapazitäten der deutschen Stromnetze, die europäische Stromhandelsgeschäfte verhindern. Zudem würden zeitweise sehr großen Mengen von überschüssiger Windenergie, die zu günstigen Preisen in die Stromnetze von Nachbarländern eingespeist werden, die dortigen konventionellen Kraftwerke unwirtschaftlich werden lassen.

Netzausbau voraussichtlich nicht vor deutschem Atomausstieg abgeschlossen

Bislang hatte die EU-Kommission Abstand von der Einrichtung unterschiedlicher Preiszonen für Strom genommen, weil Deutschland einen beschleunigten Netzausbau zugesagt und auch entsprechende Gesetze erlassen hatte. Mittlerweile zeichnet sich jedoch recht deutlich ab, dass die wichtigen Nord-Süd-Stromtrassen nicht wie geplant bis Ende 2022 – also zum Abschluss des deutschen Atomausstiegs – fertiggestellt sein werden.

In Gesprächen mit dem Bundeswirtschaftsministerium hat die EU-Kommission laut „Welt“ nun aber doch die Einführung regional unterschiedlicher Entgelte für die Einspeisung von Strom aus konventionellen Kraftwerken in die Stromnetze thematisiert. So wolle Brüssel Anreize für den Bau von Kraftwerken in Regionen mit Versorgungsengpässen schaffen. Um die Aufspaltung des deutschen Strommarkts zu verhindern, will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nun beim Sondergipfel der Minsterpräsidenten dafür werben, den Bau neuer Windkraftanlagen in Norddeutschland und Nordhessen vorübergehend stark einzuschränken. Damit sollen die Bedenken der EU-Kommission ausgeräumt werden, dass Deutschland ungeachtet des stockenden Netzausbaus erneuerbare Energie weiter forcieren würde.

Quelle: Welt

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