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Sicherheitslücke: Überweisungen von Donald Duck

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.05.2016

Von Donald Duck oder den Mainzelmännchen unterzeichnete Überweisungsträger? Für viele deutsche Banken offenbar kein Problem. Ein Test des ZDF zeigt, dass Papier-Überweisungen von den Instituten offenbar nur unzureichend geprüft werden. Obwohl sich die ZDF-Redakteure mehrfach widerrechtlich Geld von fremden Konten überwiesen, sehen die Banken keine Sicherheitslücke.

Bei Überweisungen per Papier-Überweisung existiert bei den deutschen Kreditinstituten offenbar eine Sicherheitslücke. Wie eine Stichprobe des ZDF-Wirtschaftsmagazins „Wiso“ zeigt, werden eingereichte Überweisungsträger von den Banken offenbar nur unzureichend geprüft. Selbst mit frei erfundenen Unterschriften konnten die Redakteure der Sendung problemlos Geld überweisen.

„Mainzelmännchen“ unterschreiben Überweisungsträger

Die Journalisten transferierten per handschriftlich ausgefülltem Überweisungsträger je 98 Euro von Testkonten bei acht verschiedenen Banken, deren Iban ihnen bekannt war, auf ihr eigenes Girokonto. Unterschrieben waren die Überweisungsträger jeweils mit „Mainzelmännchen“. Bei sieben der getesteten Banken wurden die Überweisungen problemlos ausgeführt, lediglich die Targobank bemerkte die falsche Unterschrift. Dies mag möglicherweise auch darauf zurückzuführen sein, dass das Institut grundsätzliche keine Papierüberweisungen mehr annimmt. Kunden müssen Überweisungsträger dort an entsprechenden Terminals einscannen. Da der Mainzelmännchen-Überweisungsträger jedoch in den Briefkasten der Bank gesteckt wurde, fiel er möglicherweise besonders auf, so die Vermutung der „Wiso“-Redaktion.

Sicherheitslücke betrifft nicht nur Unterschriften

Die Sicherheitslücke erstreckt sich dem ZDF-Bericht zufolge jedoch nicht nur auf die Unterschrift. Ein zweiter Testdurchlauf verdeutlichte, dass auch  Datum, Übereinstimmung von Empfänger und Iban, und Verwendungszweck offenbar nicht genauer geprüft werden. Denn auch mit Verwendungszwecken wie „Vorsicht: Falsche Unterschrift“ oder „Kontrolliert das jemand“ wurden Überweisungen, die mit „Donald Duck“, „Sebastian Vettel“ oder einfach nur „XXX“ unterschrieben waren, problemlos ausgeführt. Insbesondere im Bereich des Verwendungszwecks überrascht die Sicherheitslücke ein wenig. Schließlich ging im vergangenen Jahr noch die Geschichte eines Bankkunden durch die sozialen Netzwerke, der von seiner Hausbank abgemahnt wurde, weil er als Verwendungszweck für eine Überweisung über 40,02 Euro den Verwendungszweck „Waffenfähiges Plutonium“ angegeben hatte.

Banken sehen kein ernsthaftes Sicherheitsproblem bei Überweisungen

In ihren Stellungnahmen reagierten die betroffenen Banken ausweichend auf den Vorwurf einer Sicherheitslücke bei Geldtransfers per Überweisungsträger. So erklärte die Deutsche Bank beispielsweise: „Bei der Deutschen Bank werden tagtäglich zehntausende Überweisungen einwandfrei bearbeitet. Die Bank hat verschiedene Prüfverfahren etabliert, um unrechtmäßig ausgestellte Überweisungen zu identifizieren.“

Augenscheinlich funktioniert dies ähnlich zuverlässig wie bei der Mainzer Volksbank, die erklärte: „Die Überprüfung auffälliger Überweisungsträger erfolgt auch anhand von eingescannten Unterschriften.“ Dennoch wurden auch hier die gefälschten Überweisungen ausgeführt. Die Banken selbst sehen kein Problem einer Sicherheitslücke. So erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft dem „Handelsblatt“ zufolge, „Überweisungsbetrug im Verhältnis zur Vielzahl der abgewickelten Transaktionen“ käme „äußerst selten vor“.

Grundsätzlich trage die Bank das Fälschungsrisiko und würde dem Kunden im Betrugsfall den Betrag wieder gutschreiben. Der Zusammenschluss von privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken räumte allerdings ein, das teilweise „erst ab bestimmten Betragsgrenzen verdichtet geprüft“ werde, während darunter lediglich Stichproben genommen würden.

Quellen: ZDF Wiso, Handelsblatt

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