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Riester: Staatliche Förderung begünstigt Reiche

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.07.2015

Geringverdiener profitieren im Vergleich zu Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen kaum von der staatlichen Förderung zur Riester-Rente. Das zeigt eine neue Studie. Ein Großteil des Zuschusses aus der Staatskasse geht an Menschen, die weit mehr als der Durchschnitt verdienen. Dabei wurde die Riesterrente ursprünglich so konzipiert, dass sie sich vor allem für Haushalte mit geringem Jahreseinkommen lohnen soll.

38 Prozent der staatlichen Förderung zur Riester-Rente entfallen auf die zwei Zehntel der Bevölkerung, denen die höchsten Einkommen zur Verfügung stehen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW) und der Freien Universität Berlin, die der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) vorliegt. Mittel- und Geringverdiener, für welche die Riester-Rente als staatlich geförderte Altersvorsorge vor allem gedacht war, gehen leer aus, weil Sie die staatlich bezuschusste private Altersvorsorge vergleichsweise selten abschließen.

Großteil der staatlichen Förderung geht an Spitzenverdiener

Die nun veröffentlichte Studie bezieht sich auf das Jahr 2010. Damals entnahm der Staat 2,79 Milliarden Euro aus dem Fördertopf für die Riester-Zuschüsse. Eine Milliarde floss an Menschen, die mehr als 60.000 Euro netto im Jahr verdienten. Auf die unteren beiden Zehntel der Einkommensbezieher entfielen nur sieben Prozent der staatlichen Förderung. Man benötige offenbar ein gewisses Einkommen, um sich die Teilnahme an der Riester-Rente überhaupt leisten zu können, sagte Johannes König, Mitautor der Studie und Ökonom der Freien Universität Berlin, der „FAZ“.

Geringverdiener könnten am meisten profitieren

Für viele Experten ist die neue Studie ein weiter Beleg, dass das Ziel der Riester-Rente bislang verfehlt wurde. Laut König wurde immer wieder empirisch belegt, dass Menschen durch Riester nicht mehr Geld für die Altersvorsorge zur Seite legen. Deutlich werde nur, dass ein Teil der Summe nun vom Staat aufgebracht wird. Dabei können gerade Geringverdiener anteilsmäßig am stärksten vom „Riestern“ profitieren. Da die Förderbeträge des Staates für alle, die mehr als vier Prozent ihres Jahreseinkommens für die private Altersvorsorge zur Seite legen, gleich sind, müssen Geringverdiener deutlich weniger einzahlen, um die gleiche Förderung zu erhalten wie ein Besserverdienender. Je geringer das Jahreseinkommen, desto höher ist also die Rendite bei der Riester-Rente.

So funktioniert „Riestern“

2002 hat die damalige rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder die Riester-Rente eingeführt. Laut Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hatten bis Ende 2014 knapp elf Millionen Menschen einen Riester-Vertrag geschlossen. Wer mehr als vier Prozent seines Einkommens in die private Altersvorsorge einzahlt, erhält vom Staat eine fixe Grundzulage von 154 Euro pro Jahr sowie 300 Euro für jedes Kind, das ab 2008 geboren wurde. Für ältere Kinder gibt es 185 Euro.

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