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Steuerermäßigungen bei Unwetterschäden möglich

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 17.06.2016

Nachdem Sturmtief „Elvira“ im Süden Deutschlands für Unwetterschäden in Millionen- bis Milliardenhöhe gesorgt hat, erhalten Betroffene nun unerwartete Unterstützung. Das baden-württembergische Finanzministerium kündigte Steuerermäßigungen für Untwettergeschädigte an und will bei Steuerschulden Kulanz walten lassen.

Eigenheimbesitzer, deren Hab und Gut durch Unwetterschäden in Mitleidenschaft gezogen wurde, können auf finanzielle Unterstützung von unerwarteter Seite hoffen: den Finanzämtern. Zwar werden die deutschen  Versicherer Unwetterschäden in mindestens dreistelliger Millionenhöhe regulieren, doch auf Unwetteropfer, die nicht oder nicht ausreichend versichert sind, kommen hohe finanzielle Belastungen zu. Das baden-württembergische Finanzministerium sicherte nun unbürokratische Unterstützung in Form von Steuerermäßigungen und weiteren Erleichterungen für Betroffene zu.

Kosten infolge von Unwetterschäden als außergewöhnliche Belastungen absetzbar

Kosten zur Beseitigung von Unwetterschäden und Wiederinstandsetzung von Wohnungen können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Dies umfasst beispielsweise Räumungs- und Reparaturkosten für die von Sturmtief „Elvira“ in Mitleidenschaft gezogenen Häuser. Beschädigte Einrichtungsgegenstände und Kleidung werden im Normalfall von der Hausratversicherung ersetzt.

Sollten für die Wiederanschaffung jedoch Kosten anfallen, können diese ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein direkter Zusammenhang mit dem Unwetterschaden besteht. Gleiches gilt für Unwetterschäden an Gebäuden: Nur Schäden, die nicht im Rahmen der Geschäfts- oder Wohngebäudeversicherung reguliert werden, können steuerlich geltend gemacht werden.

In der Steuerklärung fallen die Kosten zur Behebung der Unwetterschäden unter außergewöhnliche Belastung. Daher zieht der Fiskus einen Eigenanteil, die sogenannte zumutbare Belastung, von dem Betrag ab, der steuerlich geltend gemacht werden soll. Die Höhe dieses Eigenanteils ist abhängig vom jährlichen Einkommen und der familiären Situationen. Bei Kinderlosen liegt er zwischen vier und sieben Prozent. Steuerzahlern mit Kindern wird eine Belastung von einem bis vier Prozent zugemutet.

Direkte Steuerermäßigung über monatlichen Lohnsteuerabzug

Betroffene sollen nicht zwingend bis zum Jahresende, also bis zur Erstellung der Steuerklärung warten müssen, um Steuermäßigungen für Sonderausgaben infolge von Unwetterschäden zu erhalten. Sofortige finanzielle Unterstützung ist durch einen Lohnsteuerermäßigungsantrag möglich. Damit wird ein Freibetrag für außergewöhnliche Belastungen auf der Lohnsteuerkarte berücksichtigt, sodass die Steuerermäßigung unmittelbar beim monatlichen Gehaltseingang auf dem Girokonto spürbar ist, da netto mehr vom Lohn ankommt.

Kulante Arbeitgeber, die von Unwetterschäden betroffenen Mitarbeitern finanziell unter die Arme greifen, profitieren ebenfalls von Steuererleichterungen: Bis zu einer Höhe von 600 Euro pro Jahr sind Unterstützungszahlungen an unwetter- oder hochwassergeschädigte Arbeitnehmer für sie steuerfrei. Auch bei Arbeitgeberdarlehen an Unwetteropfer werden Zinsvorteile nicht besteuert – allerdings darf der Darlehensbetrag dabei die Schadenshöhe nicht übersteigen.

Kulanz für Unwettergeschädigte mit Steuerschulden

Der baden-württembergischen Finanzministerin Edith Sitzmann zufolge sollen die Finanzämter auch bei bereits aufgelaufenen Steuerforderungen Kulanz zeigen und Stundungen erleichtern. In begründeten Fällen sei sogar eine zuschlagsfreie Aufschiebung von Vollstreckungen möglich. „Durch die Unwetter haben viele Menschen ihr Hab und Gut verloren, Unternehmen wurden schwer getroffen. Die finanziellen Belastungen sind immens“, so Sitzmann. „Es ist uns deshalb wichtig, dass wir – wo immer das möglich ist – durch steuerliche Maßnahmen weitere Schwierigkeiten verhindern.“

Quellen: Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg, Haufe Gruppe

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