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Stiftung Warentest: Dispozinsen oft noch zu hoch

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 24.08.2015

In einer groß angelegten Untersuchung hat Stiftung Warentest erneut Dispozinsen von Geldhäusern in der gesamten Bundesrepublik verglichen. Transparenz war dabei oftmals Fehlanzeige. Insgesamt bewerten die Tester die durchschnittlichen Zinsen bei negativem Kontostand als immer noch zu hoch. Doch die Warentester konnten auch positive Entwicklungen feststellen.

Die Dispozinsen beim Girokonto sind trotz des allgemeinen Zinstiefs teilweise immer noch unverhältnismäßig hoch. Zu diesem Ergebnis kommt Stiftung Warentest in einer aktuellen Untersuchung, bei der die Dispozinsen von fast 1.500 Geldhäusern unter die Lupe genommen wurden.

Dispozinsen im Durchschnitt um 0,4 Prozentpunkte gesunken

Im Gesamtdurchschnitt lagen die Dispozinsen der 1.472 befragten Kreditinstitute bei 10,25 Prozent. Dies sind immerhin 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert, nach Meinung der Warentester ist dieser Zinssatz jedoch immer noch zu hoch. In Anbetracht der anhaltenden Niedrigzinsen müsse ein fairer Zinssatz ihrer Meinung nach bei deutlich unter zehn Prozent liegen. Das Risiko von Zahlungsausfällen als Rechtfertigung für hohe Dispozinsen lässt die Stiftung nicht gelten – die Ausfallquote bei Dispokrediten liegt bei nur etwa einem Prozent.

Elf Institute verlangen Dispozinsen über 13 Prozent

Dies hält elf der untersuchten Institute allerdings nicht davon ab, Dispozinsen von mehr als 13 Prozent zu erheben. Der Spitzenreiter, die Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut, verlangt abhängig von der Bonität des jeweiligen Kunden sogar bis zu 16 Prozent Zinsen, wenn das Girokonto ins Minus rutscht. Die Untersuchung brachte aber auch positive Entwicklungen ans Licht: Die Zahl der Banken mit einem Dispozins von über 13 Prozent hat sich im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung um 24 Prozent reduziert. Zudem liegen die Dispozinsen der überregionalen Banken, bei denen die meisten Girokonten geführt werden, oft im Bereich unter zehn Prozent. Bei der Deutschen Bank, Commerzbank, Postbank und Targobank variiert der Zinssatz zwischen 7,79 und 12,75 Prozent – abhängig vom jeweiligen Kontomodell oder der Bonität des Kunden. Der günstigste Anbieter im Test, die Deutsch Skatbank, nimmt 4,49 Prozent Dispozinsen.

Transparenz bei Dispozinsen selten

Negativ aufgefallen ist Stiftung Warentest die mangelnde Transparenz bezüglich der Höhe der Dispozinsen. Lediglich 424 von 1.472 befragten Geldhäusern gaben den Zinssatz ohne Umschweife preis. Beim Durchforsten der Websites der rund 1.000 Institute, die die Angabe verweigerten, konnte immerhin für gut die Hälfte der Dispozins online ermittelt werden. Bei 476 Kreditinstituten werden auch im Informationszeitalter keine relevanten Informationen online bereitgestellt. Bei diesen Geldhäusern fragten die Tester persönlich in der Filiale nach. Teilweise war dabei wohl eine gewisse Hartnäckigkeit erforderlich, um die Höhe der Dispozinsen in Erfahrung zu bringen.

In Zukunft wird es für die Institute allerdings schwieriger werden, ihr Dispozinsen zu verschleiern. Bereits im Juli wurde ein Gesetz verabschiedet, das Geldhäuser ab März 2016 verpflichtet, ihre Dispozinsen im Internet zu veröffentlichen. Zudem haben Finanz-und Justizministerium kürzlich einen Gesetzentwurf eingereicht, der für mehr Transparenz und bessere Vergleichbarkeit bei Girokonto-Gebühren sorgen soll.

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