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Strafzinsen für Privatkunden: Ziehen Banken nach?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 08.09.2016

Die Raiffeisenbank Gmund brach mit der Einführung von Strafzinsen für private Guthaben ab 100.000 Euro ein Tabu. Inzwischen gibt es offenbar auch bei anderen Instituten Überlegungen, die Negativzinsen der EZB direkt an Privatkunden weiterzureichen. Die kategorische Ablehnung der Banken, Privatkunden mit negativen Zinsen zu belasten, bröckelt offenbar allmählich.

Es war ein mutiger Schritt, den die kleine Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee im Juni ging. Sie teilte ihren Privatkunden mit, ab September Strafzinsen auf Einlagen ab 100.000 Euro zu erheben. Zwar spricht das Institut selbst von einem sogenannten „Verwahr-Entgelt“ in Höhe von 0,4 Prozent. Letztlich reicht die bayrische Genossenschaftsbank damit aber genau den negativen Einlagezins an ihre Kunden weiter, den sie selbst zahlen muss, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) lagert. Nun sieht es so aus, als könne dieses Vorgehen Nachahmer finden.

Offenbar Überlegungen zum Weiterreichen der Negativzinsen bei weiteren Banken

Nach der Ankündigung der Maßnahme hatte der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erklärt, dass er nicht davon ausgehe, dass andere Institute nachziehen werden. Doch der Spitzenverband der genossenschaftlichen Bankengruppe könnte irren. Mehrere andere Geldhäuser haben sich bereits bei der Raiffeisenbank Gmund über die technische Umsetzung der Strafzinsen-Einführung und der Kommunikation gegenüber den Kunden eingeholt. Das sagte ihr Vorstand Josef Paul der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Offenbar gebe es in anderen Instituten Überlegungen, ähnlich vorzugehen.

Reaktionen der Kunden auf Strafzinsen gemischt

Bei der vergleichsweise kleinen Genossenschaftsbank fielen die Reaktionen der 139 betroffenen Kunden auf die Weitergabe der Negativzinsen gemischt aus. Einige hätten ihr Geld abgezogen und bei der örtlichen Sparkasse angelegt, andere hätten ihre Einlagen auf andere Finanzprodukte des Instituts umgeschichtet. Vor der Einführung der Strafzinsen seien Kunden über alternative Anlagemöglichkeit informiert worden. Derart große Beträge auf einem Tagesgeld- oder Girokonto zu parken, sei nicht sinnvoll, so Vorstand Paul. Bei der Gmunder Raiffeisenbank stehen der relativ niedrigen Bilanzsumme von rund 145 Millionen vergleichsweise hohe Einlagen von Privatkunden gegenüber. Daher kann das Institut die Negativzinsen der EZB deutlich schlechter auffangen als andere Banken.

Genossenschaftliches Verständnis für Einführung der Strafzinsen

Andere genossenschaftliche Banken zeigten durchaus Verständnis für das Vorgehen der Gmunder Raiffeisenbank. „Der Kollege in Gmund hat in der Sache vielleicht gar nichts falsch gemacht“, sagt Wolfgang Kirsch, Chef der DZ-Bank. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass es sich in Gmund in vielen Fällen nicht um die Einlagen von langjährigen Kunden handele, sondern vielfach um Zuflüsse von Neukunden während der Niedrigzinsphase. Wenn neue Kunden nur viel Geld auf dem Konto bei einer Genossenschaftsbank parkten, weil sie diese für besonders sicher hielten, sei es verständlich, wenn die Bank dafür Gebühren verlange, zitiert die Tageszeitung Kirsch.

Keine Trendwende durch Negativzinsen in Gmund

Dass mit der Einführung von Strafzinsen für Privatkunden in Gmund eine Trendwende eingeläutet wird, glaubt der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, allerdings nicht. „Ich erwarte nicht, dass sich Negativzinsen im Breitengeschäft etablieren werden“, sagte er in der vergangenen Woche auf einer Konferenz. Doch die rigorose Weigerung der Geldhäuser, Negativzinsen auch an Privatkunden direkt weiterzureichen, bröckelt. So hält beispielsweise Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender bei der Postbank, Strafzinsen für Durchschnittssparer nach wie vor für unwahrscheinlich. Gleichzeitig räumt er allerdings ein, dass man im aktuellen Zinsumfeld niemals nie sagen dürfe.

Quelle: FAZ

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