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Stromnetze kosten Netzbetreiber Rekordsumme

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 19.01.2016

Die Kosten für die Energiewende steigen weiter. Die nicht ausreichenden Stromnetze haben im vergangenen Jahr die Ausgaben der Netzbetreiber für Regulierungsmaßnahmen auf einen neuen Höchststand getrieben. Letztendlich zahlen allerdings die Verbraucher über höhere Netzentgelte die Zeche für den schleppenden Netzausbau.

Die Ausgaben der Netzbetreiber zur Abwehr von Stromausfällen sind 2015 auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Insgesamt hat die Regulierung der Stromnetze im vergangen Jahr Kosten in Höhe von etwa einer Milliarde Euro verursacht, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit Bezug auf eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Stabilisierung der Stromnetze führt zu deutlichen Mehrkosten für Netzbetreiber

Beim Netzbetreiber Tennet fielen 2015 insgesamt 700 Millionen Euro für die Stabilisierung des Stromnetzes an, davon allein 225 Millionen Euro für das Hoch- und Herunterfahren von Kraftwerken. 2014 lagen die Kosten für diese Maßnahmen lediglich bei 74 Millionen Euro. Ähnlich deutlich fiel der Anstieg der Kosten für die Notabschaltung von Windkraftanlagen aus: Von 128 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 329 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Der Netzbetreiber 50 Hertz, der ebenfalls sehr viel Windenergie transportiert, verkündete kürzlich, dass sich seine Ausgaben zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität im vergangenen Jahr auf 300 Millionen Euro beliefen.

Viel Wind und schleppender Ausbau der Stromnetze verteuert Strom

Erforderlich wurden die Maßnahmen zur Netzstabilisierung vor allem wegen des schleppenden Ausbaus der Stromnetze. Erschwerend kam hinzu, dass 2015 ein besonders windreiches Jahr war. Wie die „FAZ“ berichtet, reichen die bestehenden Leitungsnetze für die verstärkte Nachfrage nach Ökostrom nicht aus. Um sogenannte Blackouts, also Zusammenbrüche bei extremer Belastung des Stromnetzes, zu verhindern, müssen die Betreiber vorübergehend Kraftwerke abschalten.

Experten erwarten, dass derartige Regulierungsmaßnahmen auch weiterhin zunehmen werden. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl dieser netzstabilisierenden Eingriffe und damit die Kosten dafür schnell weiter steigen werden“, sagte Urban Keussen, Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet. Er forderte daher die Unterstützung von Bund und Ländern beim Netzausbau. Bis Ende 2015 waren nur knapp 560 Kilometer der vor sechs Jahren geplanten 1.876 Kilometer neuen Stromtrassen bereits gebaut.

Verbraucher tragen Kosten über höhere Netzentgelte

Die Kosten für die erforderlichen Eingriffe der Netzbetreiber in die Stromnetze werden letztendlich die Stromkunden in Form höherer Netzentgelte tragen. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass diese Gebühr für einen deutschen Musterhaushalt im laufenden Jahr im Bundesdurchschnitt um etwa sechs Prozent steigen wird, in einige Regionen auch deutlich stärker. Bereits jetzt machen die Netzentgelte etwa 20 Prozent des Strompreises aus. Ihr Anteil könnte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Denn die beiden großen geplanten Stromtrassen „Südlink“ und „Südost“, die Wind- und Solarenergie vom Norden in den Süden der Bundesrepublik transportieren sollen, werden nach aktuellem Stand erst in einigen Jahren fertiggestellt werden.

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