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Überschuldung: 700.000 hoffen auf Schuldenschnitt

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 30.07.2016

Die Privatinsolvenzen gehen in Deutschland zwar zurück, dennoch kämpfen immer noch Hunderttausende Bundesbürger in laufenden Verfahren gegen Überschuldung. Knapp 700.000 Schuldner hoffen derzeit auf eine Restschuldbefreiung nach durchlaufener Verbraucherinsolvenz. Garantiert ist der Schuldenschnitt allerdings nicht.

Exakt 692.612 Bundesbürger warten derzeit im Rahmen eines Verbraucherinsolvenzverfahrens, besser bekannt als Privatinsolvenz, auf eine Restschuldbefreiung, um mit dem Thema Überschuldung endgültig abschließen zu können. Dies geht aus Daten des Wirtschaftsinformationsdienstleisters Bürgel hervor.

Restschuldbefreiung erst nach erfolgreicher Wohlverhaltensphase

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist zwar seit fünf Jahren rückläufig, dennoch kämpfen Hunderttausende Deutsche gegen die Überschuldung. Vielfach ist eine Verbraucherinsolvenz der letzte Ausweg für Betroffene, da hier unter bestimmten Voraussetzungen eine Restschuldbefreiung, also ein kompletter Schuldenschnitt, vorgenommen werden kann. Bevor einem Betroffenen seine verbleibenden Schulden erlassen werden, muss er im Rahmen der Privatinsolvenz allerdings die sogenannte Wohlverhaltensphase durchlaufen, die im Regelfall sechs Jahre dauert. In dieser Zeit müssen Schuldner diverse Pflichten erfüllen, beispielsweise sich um eine Erwerbstätigkeit bemühen und einen Teil ihres Einkommens an den Insolvenzverwalter abführen. Am Ende dieser Wohlverhaltensphase steht dann die Restschuldbefreiung, die Betroffenen einen schuldenfreien Neustart ermöglichen soll. Dieser Schuldenschnitt kann allerdings auch verwehrt werden, wenn ein Schuldner gegen die Auflagen verstößt.

Auffällig viele Senioren hoffen auf Schuldenschnitt

Der Großteil der knapp 700.000 Bundesbürger, die derzeit die Wohlverhaltensphase durchlaufen und auf einen Schuldenschnitt hoffen, ist zwischen 41 und 50 Jahre alt (28,7 Prozent). Auffällig ist allerdings der mit 12,5 Prozent nicht unerhebliche Anteil von Senioren ab 61 Jahren unter den Betroffenen. Ohne zusätzliche private Vorsorge zum Schließen der Rentenlücke droht im Alter offenbar vielfach die Überschuldung. Besonders groß ist die Gefahr für Senioren, denen durch Pflegebedürftigkeit hohe Kosten entstehen und die nicht über eine Pflegeversicherung abgesichert sind. Knapp zehn Prozent derjenigen, die auf eine Restschuldbefreiung hoffen, sind in der Altersgruppe von 18 bis 31 Jahren zu finden.

Nord-Süd-Gefälle bei der Überschuldung

Grundsätzlich scheint Überschuldung eher ein männliches als ein weibliches Problem zu sein: Den 400.589 Männern, die auf einen Schuldenschnitt warten, stehen lediglich knapp 292.023 Frauen gegenüber – knapp 60 Prozent der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland betreffen also Männer. Im Schnitt hoffen derzeit unter 10.000 Einwohnern 85 auf die Restschuldbefreiung nach erfolgreich durchlaufener Wohlverhaltensphase. Dieser vergleichsweise geringe Anteil von 0,85 Prozent bundesweit zeigt, dass Überschuldung kein Massenphänomen ist. Es scheint allerdings ein Nord-Süd-Gefälle bei der Überschuldung zu geben: Den höchsten Anteil an Einwohnern in der Wohlverhaltensphase hat Bremen mit 1,41 Prozent, gefolgt von Niedersachsen (1,12 Prozent) und Hamburg (1,11 Prozent). Auch in Schleswig-Holstein ist der Anteil derer, die auf eine Restschuldbefreiung hoffen, mit 1,08 Prozent vergleichsweise hoch, während er in Bayern und Baden-Württemberg nur bei jeweils 0,6 Prozent liegt.

Quelle: Bürgel Wirtschaftsinformationen

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