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Urteil: Versicherte stehen in Aufklärungspflicht

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.10.2015

Die Verantwortung für einen fehlenden Versicherungsschutz können Kunden nicht immer komplett auf den Versicherungsmakler abwälzen. Im Gegenteil: Auch Versicherungskunden haben Pflichten – zum Beispiel eine Aufklärungspflicht, in Rahmen derer sie ihren Makler im Gespräch umfassend über alle relevanten persönlichen Umstände informieren müssen. Das hat nun ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm ergeben.

Versicherungsmakler haben es nicht immer leicht: Häufig sehen sie sich mit dem Vorwurf konfrontiert, Kunden Policen schönzureden, die dann im Schadensfall doch nicht greifen. Mit einem aktuellen Urteil hat das Oberlandesgericht Hamm (AZ Z 18 U 132/14) nun Maklern den Rücken gestärkt, indem es Versicherungskunden in die Aufklärungspflicht nimmt. Selbst wenn sie das Produkt gar nicht kennen, können Kunden nicht vom Makler verlangen, sie vollständig zu informieren. Bereits beim ersten Gespräch mit dem Makler müssen Kunden den Makler „nicht nur umfassend über alle Umstände informieren, sondern auch deutlich erklären, was man eigentlich von ihm erwartet“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Fachanwalt Michael Piepenbrock aus der Arbeitsgruppe Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltsverein zu dem Urteil.

Der Fall: Paar hatte Makler nicht über bestehendes Heulager informiert

Im konkreten Fall hatte ein Ehepaar gegen ihre Assekuranz geklagt. Hintergrund: Das Paar wollte seine Wohngebäudeversicherung erneuern. Der Versicherungsmakler entsprach dem Wunsch der Kläger und besorgte den Deckungsschutz entsprechend dem Stand seiner Informationen. Einige Monate nach der Erneuerung des Versicherungsschutzes brannte es auf dem Grundstück der Kunden: Ein Brandstifter hatte ein Zelt in Flammen gesetzt, in dem Heuballen lagerten, woraufhin ein Schaden in Höhe von 15.000 Euro entstand. Diesen wollte die Versicherung jedoch nicht regulieren – mit der Begründung, dass das Ehepaar den Makler bei Vertragsabschluss nicht über das besagte Heulager informiert habe. Daraufhin erhob das Ehepaar Klage gegen den Versicherungsmakler, da dieser sie ihrer Meinung nach nicht richtig beraten habe.

Aufklärungspflicht-Urteil: Versicherte müssen konkreten Versicherungsschutz bestellen

Das Oberlandesgericht Hamm sah in dem Verhalten des Versicherungsmaklers keine Pflichtverletzung. In ihrem Urteil wiesen die Richter darauf hin, dass der Makler in dem Erstgespräch nicht über das Heulager informiert worden sei. Den Eheleuten hingegen könnte die Verletzung einer gewissen Aufklärungspflicht vorgeworfen werden – sie hätten ihre Wohnsituation in dem Beratungsgespräch genauer erklären müssen. „Selbst wenn man keine Vorstellung vom Produkt hat, muss man konkret auf seine eigenen Güter bezogen Versicherungsschutz bestellen“, erläutert Piepenbrock den Hintergrund des Urteils. Versicherungsmaklern könne nur dann eine Beratungspflichtverletzung nachgewiesen werden, wenn diese wichtige Risikofelder im Gespräch mit dem Kunden ausließen. Im vorliegenden Fall waren es jedoch die Kunden, die versäumten, den Makler zu informieren, damit dieser einen angemessenen Deckungsschutz veranlassen kann. 

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