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Wissenschaftler will Finanzmärkte stabilisieren

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 09.12.2014

Gehören Bankencrashs bald der Vergangenheit an? Viele Theorien und Ansätze, um die Finanzmärkte zu beruhigen, schlugen fehl oder sind heftig umstritten. Ein Physiker aus Wien hat sich daher der Sache angenommen und will mit seinen umfangreichen Analysen und einer neuen Steuer für Stabilität sorgen.

Auf den Finanzmärkten muss etwas passieren, da sind sich Branche und Experten einig. Eine Finanztransaktionssteuer, die sogenannte „Tobin Tax“ soll daher in naher Zukunft realisiert werden. Zu Befürwortern gesellen sich aber zahlreiche Kritiker, sodass nach weiteren Alternativen gesucht wird. Einen womöglich vielversprechenden Ansatz bietet ein österreichischer Ökonom. Stefan Thurner heißt der Mann, der versucht, die Kontrolle über die instabilen Finanzmärkte zu gewinnen. Der 45-Jährige leitet das Wiener Institut „Wissenschaft komplexer Systeme“ und arbeitet bereits seit zehn Jahren intensiv an einer Lösung, berichtet die „Süddeutsche“.

Systemic Risk Tax gegen Bankencrashs

Nach den letzten Bankencrashs hatte es heftige Kritik und Proteste gegen die Finanzpolitik gegeben, die wohl auch nach Einführung der „Tobin Tax“ nicht aufhören werden. „In ihrer jetzigen Form führt sie zu Liquiditätsverlust, höheren Kreditkosten und Produktivitätseinbrüchen“, kritisiert Thurner in der „Münchener Tageszeitung“ die geplante Steuer. Sein eigenes Steuer-System – die Systemic Risk Tax – soll helfen, den Bankenmarkt von innen heraus zu stabilisieren.

Gemeinsam mit renommierten Experten aus Mexiko und Österreich hat Thurner den Interbankenhandel untersucht und kommt offenbar zu dem Schluss, dass jeder Markt diverse Risiken mit sich bringt. Die möglichen Wechselwirkungen könnten demnach große Folgen haben. „Zentral ist: Jede noch so kleine Veränderung kann Auswirkungen bis in die letzten Seitenarme des Netzwerks haben“, schildert der Experte. Und weiter: „Selbst winzige Rädchen können zu systemischen Katastrophen führen.“

Bankencrashs: Finanzmärkte regulieren sich selbst

Um Dominoeffekte zu vermeiden und systembedingte Risiken zu minimieren beziehungsweise gleichmäßig zu splitten, müssen die Netzwerke umstrukturiert werden, weiß der Ökonom. Basis dieser Umstellung ist die neue von ihm entwickelte Steuer. Um die Höhe der Systemic Risk Tax zu ermitteln, wird zunächst von jeder Bank das Risiko ermittelt. „Wir haben eine Maßzahl entwickelt, die angibt, wie hoch der Beitrag jeder Bank zum Gesamtschaden wäre, wenn der Finanzmarkt kollabiert“, so Thurner.

Anschließend sollen die einzelnen Finanzmärkte entsprechend viel Geld in der Hinterhand haben, um die theoretischen Ausfallschäden abzudecken. Der Clou: Damit dies umgesetzt werden kann, wird eine Steuer erhoben. Wie hoch diese ausfällt, kommt auf das Risiko der jeweiligen Transaktionen an. Algorithmen des Forschers helfen zusätzlich. So wird ein Geschäft ohne Risiko nicht besteuert, eine risikoreiche Transaktion dagegen umso höher. Indirekt würden die Banken so dazu gezwungen, risikoärmere Angebote zu wählen, da dies in der Summe günstiger und somit attraktiver ist. Der Effekt: Das System stabilisiert sich von alleine.

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