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Zeitarbeit: Regulierung bedroht Branchenwachstum

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 19.05.2016

In den vergangenen Jahren war in Deutschland ein Boom der Zeitarbeit zu beobachten, teilweise mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Doch diese Zeiten gehören möglicherweise der Vergangenheit an. Neue gesetzliche Regelungen könnten der Branche zusetzen – und sich auch zum Nachteil für Leiharbeiter entwickeln.

In den kommenden Jahren könnte das Wachstum der Zeitarbeit deutlich geringer ausfallen als zuvor. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Marktforschungsgesellschaft Lünendonk hervor.

Neue gesetzliche Regelungen als Hauptgrund für schwindenden Wachstum der Branche

Demnach rechnen die 25 größten Anbieter für Zeitarbeit für 2016 nur noch mit einem Wachstum von 2,9 Prozent. Noch 2015 hatte die Branche um ganze 6,4 Prozent auf knapp 30 Milliarden Euro zugelegt, die Zahl der in Zeitarbeit Beschäftigten war um 3,5 Prozent auf etwa 930.000 Personen gestiegen. Ein wesentlicher Grund für diese potenziell sinkenden Zahlen ist eine Verunsicherung in der Zeitarbeitsbranche aufgrund gesetzlicher Vorgaben, auf die sich der Koalitionsausschuss kürzlich festlegte. Demnach sollen Leiharbeiter nach spätestens 18 Monaten im selben Unternehmen dieses entweder verlassen oder fest übernommen werden. Nach bereits neun Monaten sollen sie die gleiche Bezahlung wie festangestellte Mitarbeiter erhalten, sodass Leiharbeiter und Stammkräfte auf dem Girokonto keine Unterschiede im Nettolohn mehr feststellen können. Eine Abweichung von dieser gesetzlichen Vorgabe soll in Zukunft lediglich mithilfe tarifvertraglich festgehaltener Modelle möglich sein.

Neugestaltung der Zeitarbeit könnte zu Lasten der Arbeitnehmer gehen

Vor allem die Regelung rund um die Anpassung der Bezahlung lässt die Unsicherheit bei den Zeitarbeitsunternehmen aktuell steigen und am Wachstum der Branche zweifeln. Insbesondere weil bisher nicht definiert wurde, ob hier lediglich das Grundgehalt oder sogar die vollständige Vergütung gemeint ist. Aufgrund dieser Unklarheiten fürchten Experten eine Klagewelle von Zeitarbeitern. Um der Rechtsunsicherheit vorzubeugen, plant die Branche, gegenüber Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) darauf zu drängen, den Tarifpartnern eine Pauschalierung der Gleichbezahlung zu ermöglichen.

Zudem herrscht aktuell Uneinigkeit über den Effekt der gesetzlichen Vorgaben: Eigentlich galten die neuen Regelungen rund um die Höchstüberlassungsdauer sowie die gleiche Bezahlung für Leiharbeiter dem besseren Schutz dieser Arbeitnehmer. Ob dies allerdings tatsächlich entsprechend zutreffen wird, scheint fraglich: „Das System ist nicht zu Ende gedacht“, so Thomas Bäumer, Deutschland-Geschäftsführer des weltgrößten Personaldienstleistungskonzerns Adecco gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). „Die Arbeitnehmer werden auf keinen Fall die Gewinner sein“, so Bäumer weiter. Denn die bestehende Rechtsunsicherheit würde viele Firmen dazu bewegen, die Leiharbeiter noch vor Ablauf der Frist wieder abzuziehen.

Quellen: Lünendonk, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)

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