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Zinsniveau hat Deutschen das Sparen vermiest

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 24.02.2016

Der Deutsche als gewissenhafter Sparer – dieses Bild hält sich hartnäckig in vielen Köpfen. Inzwischen hat das niedrige Zinsniveau vielen Bundesbürgern die Lust am Sparen allerdings genommen. Im europäischen Vergleich befinden sich die Deutschen nur noch im Mittelfeld, wenn es um den Anteil der Sparer an der Bevölkerung geht. Viel geben ihr Geld lieber aus – allerdings nicht um jeden Preis.

Das anhaltend niedrige Zinsniveau hinterlässt Spuren bei den Bundesbürgern: Die Deutschen haben mit der lang gehegten Tradition, eine Nation von eifrigen Sparern zu sein, inzwischen offenbar gebrochen. Einer Untersuchung der ING-Bankengruppe zufolge hat etwa ein Viertel der Deutschen sein Sparverhalten im vergangenen Jahr aufgrund der Niedrigzinsen geändert, wie die „Welt“ berichtet.

Eifrigere Sparer in den deutschen Nachbarländern

Ihren Titel als eifrigste Sparer Europas haben die Deutschen offenbar verloren: Der Anteil von Sparern an der Gesamtbevölkerung liegt in der Bundesrepublik bei 64 Prozent und damit nur knapp über dem EU-Durchschnitt. Gut ein Drittel der Deutschen hat also keinerlei Ersparnisse.

In vielen Nachbarländern Deutschlands ist der Anteil der Sparer an der Bevölkerung deutlich höher, obwohl das Zinsniveau auch hier niedrig ist: Die neuen Europameister unter den Sparern sind die Luxemburger mit einem Sparer-Anteil von 86 Prozent. Aber auch in den Niederlanden, in Großbritannien, Frankreich, Österreich, Belgien und Tschechien ist der Anteil der Menschen, die Geld für die Zukunft sparen, inzwischen größer als in Deutschland. Weniger Menschen ohne Ersparnisse gibt es noch in vielfach krisengebeutelten Staaten wie Spanien, Italien, der Türkei, Polen und Rumänien.

Niedriges Zinsniveau sorgt für Abkehr vom Sparen

Die Abkehr vom Sparen scheint dabei für viele eine bewusste Entscheidung angesichts des niedrigen Zinsniveaus zu sein. 26 Prozent der Befragten erklärten, dass sie weniger gespart hätten, obwohl ihre Einkommenssituation sich nicht verschlechtert habe. Ihr Ziel, durch das niedrigere Zinsniveau für mehr Konsum zu sorgen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) zumindest bei den deutschen Sparern erreicht: Ein Drittel derjenigen, die weniger gespart hatten als zuvor, erklärte, das Geld stattdessen für Anschaffungen verwendet zu haben. Da sich mit klassischen Anlageformen wie Sparbriefen, Festgeld und Tagesgeld nur noch geringe Renditen erzielen lassen, scheint Sparen für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung offenbar nicht mehr attraktiv zu sein.

Konsum statt Sparen – aber nicht um jeden Preis

Zum Todesstoß für die ehemalige deutsche Tugend des Sparens könnte die Einführung von Negativzinsen auf private Spareinlagen werden. 80 Prozent der befragten Deutschen erklärten, ihre Sparkonten aufzulösen, falls Banken diese Maßnahme ergreifen sollten. In vielen anderen europäischen Ländern sähe das Verhalten der Studie zufolge ähnlich aus. In Österreich und Luxemburg würden sogar jeweils rund 90 Prozent der Sparer in einem solchen Fall ihre Konten räumen.

Zu exorbitant mehr Konsum würde dies allerdings nicht zwangsläufig führen: Nur 13 Prozent der Europäer würden das Geld für zusätzliche Anschaffungen verwenden. Mit 43 Prozent würde ein Großteil sich alternativen, renditestärkeren Anlageformen öffnen und dem klassischen Sparen den Rücken kehren. 44 Prozent können sich solche meist mit höherem Risiko verbundenen Anlageformen offenbar nicht vorstellen. Sie gaben an, „ihr Geld einfach an einen sicheren Ort bringen“ zu wollen, wenn das Zinsniveau in den negativen Bereich kippen sollte.

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