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Zinsniveau so niedrig wie seit 5000 Jahren nicht

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.08.2015

Immer wieder wird davon gesprochen, dass das Zinsniveau nie niedriger war als derzeit. Doch war das Leihen von Geld nicht vielleicht irgendwann in der Antike noch günstiger? Wissenschaftler der Bank of England haben die Entwicklung der Zinsen seit 3000 vor Christus untersucht und festgestellt, dass das Leihen von Geld im Lauf der Geschichte tatsächlich niemals günstiger war, als es aktuell ist.

Britische Wissenschaftler haben belegt, dass Kredite angesichts des niedrigen Zinsniveaus so günstig sind wie seit 5000 Jahren nicht. Wie die „Welt“ berichtet, hat Andrew Haldane, Chefökonom der Bank of England, mit Unterstützung seiner Assistenten anhand von Datenmaterial aus der gesamten Menschheitsgeschichte die Zinsentwicklung seit dem Jahr 3000 vor Christus dargestellt. Der Wirtschaftswissenschaftler konnte so verifizieren, dass es sich beim aktuellen Niedrigzins tatsächlich um die günstigsten Zinsen aller Zeiten handelt.

Gleichbleibendes Zinsniveau über Jahrhunderte

Haldane stellte fest, dass das Leihen von Geld das gesamte Altertum hindurch sehr teuer war. Laut „Welt“ könnte dies daran liegen, dass der Geldverleih vor seiner Professionalisierung ein Geschäft zwischen zwei Personen war, was ein erhebliches Risiko für den Verleihenden mit sich brachte. Ein Zahlungsausfall konnte nicht wie im modernen Bankwesen durch zahlreiche mitsamt Zinsen zurückgezahlte Darlehen aufgefangen werden. Der Untersuchung zufolge blieb das Zinsniveau über Jahrhunderte hinweg recht einheitlich. Die Höhe der Zinsen wurde üblicherweise durch Traditionen bestimmt. Zudem sei durch in Kirchengesetzen festgelegten Obergrenzen versucht worden, dem Zinswucher Einhalt zu gebieten.

Zinsen noch bis in die Moderne weitgehend statisch

Auch mit der Gründung der ersten Vorläufer moderner Notenbanken im 17. Jahrhundert blieben die Zinsen weitgehend statisch. In den ersten 128 Jahren nach ihrer Gründung im Jahr 1694 veränderte die Bank of England ihren Leitzins nur sechs Mal. Zwischenzeitlich blieb das Zinsniveau sogar über 103 Jahre lang unverändert hoch – von 1719 bis 1822. Obwohl die Bank of England und auch die bereits 1609 gegründete Bank von Amsterdam bereits geldpolitische Maßnahmen betrieben, ist die Zinsanpassungen der Untersuchung zufolge eine relativ moderne Erfindung. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kreditnehmer mit einem schwankenden Zinsniveau konfrontiert.

Leitzins um die Nulllinie bislang einmalig

Inzwischen gehört die Anpassung des Leitzinses zu den wichtigsten Maßnahmen der Notenbanken, um die Konjunktur zu steuern. Dementsprechend häufig wird er geändert. Dennoch fiel er bislang nie – wie aktuell im Euroraum – nahezu auf die Nulllinie ab. Wenn also derzeit von einem historisch niedrigen Zinsniveau gesprochen wird, ist dies tatsächlich keine Übertreibung, sondern wissenschaftlich fundiert.

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