Unabhängige Finanz- und Versicherungsvergleiche

Baupreisindex: Was Sie wissen sollten

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 14.09.2016

Verbraucher treffen in unterschiedlichen Bereichen auf den Begriff „Baupreisindex“. In den meisten Fällen dann, wenn es um die Planung eines Bauvorhabens, die Schätzung eines Gebäudewertes oder auch den Abschluss einer Wohngebäudeversicherung geht. Allerdings kann der Begriff leicht verwirren, denn eigentlich gibt es nicht den einen, sondern viele unterschiedliche Baupreisindizes.

Der Baupreisindex wird vom Statistischen Bundesamt herausgegeben. Der Indexwert spiegelt die Entwicklung der Preise für Neubau und Instandhaltung von Gebäuden wider. Er dient dabei in erster Linie der Konjunkturbeobachtung und bildet die Preisveränderungen ab.

Damit hat der Index auch verschiedene praktische Anwendungsbereiche. So spielt er eine Rolle bei der Preisgestaltung für Bauprojekte, der Wertermittlung von bestehenden Gebäuden und der Planung von Baufinanzierungen. Weiterhin wirkt er sich auf verschiedene Versicherungen wie zum Beispiel die Wohngebäudeversicherung, aus. Alles, was Sie über den Baupreisindex wissen sollten, erfahren Sie hier.

Der Baupreisindex: Ein wichtiger Indikator

Insgesamt 177 Preise für einzelne Bauleistungen gehen in den Baupreisindex ein. Dabei handelt es sich um Baumaßnahmen, welche für die Errichtung eines Gebäudes unverzichtbar sind. So bekommt der Baupreisindex eine hohe Aussagekraft für viele Bauvorhaben und Gebäude. Wer einen Index betrachtet dem fällt schnell auf, dass der dargestellte Wert einen Entwicklungsverlauf darstellt und sich nach einem Basiswert richtet. Beim Baupreisindex ist dieses Basisjahr aktuell das Jahr 2010 (Stand: Mai 2015).

Für das Preisniveau der berücksichtigten Bauleistungen wurde für das Basisjahr der Basiswert von 100 Punkten festgelegt. Die Durchschnittspreise für Bauleistungen für vorangegangene und folgende Jahre werden dann anhand des Basisjahres in Punkten dargestellt. Lagen die Preise also im Jahr 2000 zehn Prozent unter den Preisen im Basisjahr zeigt der Baupreisindex einen Indexwert von 90 Punkten. Wären die Durchschnittspreise seit dem Basisjahr bis heute um zwei Prozent gestiegen, würden die Indexwerte jetzt 102 Punkte betragen.

Der Begriff Baupreisindex kann übrigens irreführend sein, genaugenommen gibt es viele verschiedene Baupreisindizes, welche aus den 177 Bauleistungen für verschiedene Bauwerksarten ermittelt werden. Für die folgenden Bauwerksarten werden laut dem Statistischen Bundesamt Indizes berechnet. Den drei Gruppen werden teilweise weitere Unterindizes zugeordnet:

Baupreisindizes für den konventionellen Neubau im Hochbau (Wohn- und Nichtwohngebäude)

  • Index für Wohngebäude
  • Index Bürogebäude
  • Index für gewerbliche Betriebsgebäude

Baupreisindizes für den Neubau von Ein-Familiengebäuden in vorgefertigter Bauart

  • Einzelindex

Baupreisindizes für Ingenieurbau sowie Instandhaltung von Wohngebäuden

  • Preisindex für Ingenieurbau: Straßen
  • Preisindex für Ingenieurbau: Brücken im Straßenbau
  • Preisindex für Ingenieurbau: Ortskanäle
  • Preisindex für Instandhaltung von Wohngebäuden
  • Preisindex für Instandhaltung in einer Wohnung

Gut zu wissen:In der Regel Baupreisindex für Wohngebäude gemeint

Wird im Zusammenhang mit privaten Baufinanzierungen, Versicherungen oder ähnlichen Zusammenhängen von einem Baupreisindex gesprochen, ist in der Regel der Baupreisindex für Wohngebäude gemeint.

Weitere Verwechslungsgefahr besteht bei Baupreis- und Baukostenindex. Im Unterschied zum Preisindex spiegelt der Kostenindex die Ausgaben von Bauunternehmern und Handwerkern wider, welche für die Auftragserfüllung getätigt werden müssen.

Relevante Daten für den Baukostenindex sind zum Beispiel:

  • Lohnkosten
  • Materialkosten
  • Kosten für Ausrüstungen
  • Energiekosten

Der Baupreisindex hingegen reflektiert, wie bereits beschrieben, was Bauherren tatsächlich für Bauleistungen bezahlen müssen. Der Kostenindex beeinflusst den Preisindex folglich, ist aber nicht mit ihm gleichzusetzen.

Doch wozu dienen Baupreisindex und Co? In erster Linie helfen Indizes bei der Beobachtung von Konjunkturentwicklungen. Damit die Entwicklungen in bestimmten Wirtschaftsbereichen nicht bis in das kleinste Einzelpreisdetail dargestellt werden müssen, fassen Indizes verschiedene Details übersichtlich zusammen und helfen so bei der Orientierung. Aus dieser Praxis ergibt sich im Falle des Baupreisindex eine Wechselwirkung, denn der Indexwert hat auch selbst Einfluss auf die Preise, welche in der Bauwirtschaft verlangt werden. Besonders bei langfristigen Bauprojekten kann ein Anbieter seine Preise der Entwicklung des Index während der laufenden Baumaßnahmen anpassen.

Außerdem wird der Baupreisindex in der Praxis zu folgenden Zwecken eingesetzt:

  • Der Baupreisindex wird für die Kalkulation von Preisangeboten herangezogen (z.B. für Neubauten oder Renovierungen)
  • Entsprechen können Bauherren mit dem Index ihre Kosten und Finanzierungen planen.
  • Darüber hinaus kann der Baupreisindex in Kombination mit anderen Indizes zur Wertermittlung von Gebäuden eingesetzt werden.
  • Diese Wertermittlung per Baupreisindex spielt auch beim Abschluss einer Wohngebäudeversicherung eine wichtige Rolle.

Gut zu wissen:Baupreisindex als spekulatives Instrument

Der Baupreisindex gilt als seriöse Grundlage für Kalkulationen. Sobald es um zukünftige Entwicklungen geht, zum Beispiel um Finanzierungen und langfristige Bauvorhaben zu planen, bietet der vorhergesagte Wert zwar eine Orientierung, stellt aber ein spekulatives Instrument dar.

Bei der Wohngebäudeversicherung dient der Neuwertfaktor als Richtwert zur Bestimmung der passenden Versicherungssumme. In diesem Zusammenhang wird häufig auch vom Baupreisindex gesprochen. Hier gilt es allerdings zu beachten, dass die Wohngebäudeversicherer üblicherweise den Baupreisindex für Wohngebäude in Verbindung mit dem Tariflohnindex für das Baugewerbe verwenden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) berechnet so den gleitenden Neuwertfaktor und gibt das Ergebnis an seine Mitglieder weiter.

Diese sind zwar nicht dazu verpflichtet, diesen Faktor für die Berechnung von Immobilienwerten zu verwenden, setzen aber in der Regel nicht allzu stark abweichende Faktoren ein, die auch als Anpassungsfaktor oder Prämienfaktor bezeichnet werden können.

Die Faktoren werden dann jeweils mit dem sogenannten „Wert 1914“ zur Berechnung des Wohngebäudewerts und der davon abhängigen Versicherungssumme benutzt. Der Wert gibt an, was ein zu versicherndes Gebäude im Jahr 1914 in gekostet hätte. Über den unter Berücksichtigung der Indexwerte erstellten Neuwertfaktor kann dann ermittelt werden, was ein zwischen 1914 und heute errichtetes Gebäude nach aktuellen Marktpreisen für einen Wert hat.

Berechnung des Baupreisindex

Der Baupreisindex wird wie bereits erwähnt regelmäßig vom Statistischen Bundesamt berechnet. Wie genau die Statistiker dabei vorgehen, wird hier vorgestellt.

Da unterschiedliche Gebäude nur schwer verglichen werden können, zieht das Statistische Bundesamt die Preise für einzelne Bauleistungen heran, um den Gesamtindex zu berechnen. Rund 5.000 repräsentativ ausgewählte Unternehmen des Baugewerbes melden ihren zuständigen Landesämtern quartalsweise, wie sich die Preise bei ihnen entwickelt haben. Aktuell werden die Kosten für 177 ausgewählte Bauleistungen so regelmäßig erfasst und dienen als Grundlage für die Indizes. Dem Baupreisindex für Wohngebäude liegen unter anderem die folgenden Einzelbauleistungen zugrunde.

Bauleistungen im Preisindex für Wohngebäude

Bauleistungen am BauwerkAusbauarbeiten
  • Rohbauarbeiten
  • Erdarbeiten
  • Verbauarbeiten
  • Entwässerungskanalarbeiten
  • Mauerarbeiten
  • Betonarbeiten
  • Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • Stahlbauarbeiten
  • Abdichtungsarbeiten
  • Dachdeckungs-und Dachabdichtungsarbeiten
  • Klempnerarbeiten
  • Gerüstarbeiten
  • Naturwerksteinarbeiten
  • Betonwerksteinarbeiten
  • Putz- und Stuckarbeiten
  • Wärmedämm-Verbundsysteme
  • Trockenbauarbeiten
  • Vorgehängte hinterlüftete Fassaden
  • Fliesen- und Plattenarbeiten
  • Estricharbeiten
  • Tischlerarbeiten
  • Parkettarbeiten
  • Rollladenarbeiten
  • Metalbauarbeiten
  • Verglasungsarbeiten
  • Maler- und Lackierarbeiten – Beschichtungen
  • Bodenbelagarbeiten
  • Tapezierarbeiten
  • Raumlufttechnische Anlagen
  • Heizanl. u. zentrale Wassererwärmungsanl.
  • Gas-, Wasser- u. Entwässerungsanlagen
  • Nieder- und Mittelspannungsanl. bis 36 kv
  • Gebäudeautomation
  • Blitzschutzanlagen
  • Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen
  • Förder-, Aufzugsanlagen, Fahrtreppen und -steige

Datenquelle: Statistisches Bundesamt

Aus den gemeldeten Preisen berechnen die Statistischen Landesämter die durchschnittliche Preisentwicklung pro Bauleistung. Die Daten aus den einzelnen Ländern (Landesmesszahlen) werden anschließend beim Statistischen Bundesamt zusammengefasst. Aus den Bundesmesszahlen werden dann die einzelnen Indizes berechnet, wobei die Bauleistungen für unterschiedliche Indizes nach der Laspeyres-Methode verschieden gewichtet werden.

Die Gewichtungsschemata werden anhand von ausgewählten Baumaßnahmen erstellt, sodass dem letztlichen Index eine praxisnahe Kostengewichtung zugrunde liegt. Neben den für ganz Deutschland geltenden Index, gibt es auch länderspezifische Indizes wie zum Beispiel den Baupreisindex Bayern oder den
Baupreisindex NRW.

Aktuelle Zahlen zum Baupreisindex

Die Datenerhebung für die statistische Basis der Indizes erfolgt vierteljährlich in den Monaten Februar, Mai, August und November. Ungefähr sechs Wochen nach dem Ende eines Berichtsmonats werden über das Online-Portal des Statistischen Bundesamtes destatis Baupreisindex und Co veröffentlicht. Eine Auswahl an aktuellen Indexdaten finden Sie auch hier folgend.

Preisindizes für die Bauwirtschaft: Wohn- und Nichtwohngebäude

(Basiswert 2010=100)

JahrQuartalIndexwert:
Wohngebäude
Indexwert:
Bürogebäude
Indexwert:
Gewerbliche Betriebsgebäude
2015 4. Quartal 111,6 112,0 112,0
  3. Quartal 111,4 111,7 111,8
  2. Quartal 110,9 111,2 111,3
  1. Quartal 110,6 110,8 111,0
2014 4. Quartal  109,8 110,0 110,2
  3. Quartal  109,6 109,8 110,0
  2. Quartal  109,2 109,4 109,5
  1. Quartal  108,9 109,1 109,2
2013 4. Quartal  108,1 108,2 108,3
  3. Quartal  107,8 107,9 108,1
  2. Quartal  107,4 107,5 107,7
  1. Quartal  106,8 106,9 107,1
2012 4. Quartal  106,0 106,1 106,4
  3. Quartal  105,7 105,8 106,0
  2. Quartal  105,2 105,4 105,6
  1. Quartal  104,6 104,8 105,0
2011 4. Quartal  103,5 103,7 103,9
  3. Quartal  103,2 103,4 103,7
  2. Quartal  102,5 102,7 103,0
  1. Quartal  101,8 102,0 102,2
2010 4. Quartal  100,6 100,6 100,9
  3. Quartal  100,3 100,3 100,4
  2. Quartal  99,9 99,9 99,8
  1. Quartal  99,2 99,1 98,9

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Stand: Januar 2016)

Baukostenindizes für Wohngebäude

(Basiswert 2010=100)

JahrQuartalIndexwert:
Baukosten insgesamt
Indexwert:
Materialkosten
Indexwert:
Arbeitskosten
2015 4. Quartal - - -
  3. Quartal 109,3 108,8 110,5
  2. Quartal 109,2 108,9 110,0
  1. Quartal 109,2 108,7 110,3
2014 4. Quartal 108,3 108,3 108,5
  3. Quartal 107,8 108,5 106,7
  2. Quartal 107,6 108,3 106,4
  1. Quartal 107,9 108,3 107,3
2013 4. Quartal 107,6 107,9 107,2
  3. Quartal 106,6 107,5 105,1
  2. Quartal 106,4 107,2 105,2
  1. Quartal 107,0 106,9 107,2
2012 4. Quartal 106,6 106,4 107,1
  3. Quartal 106,2 106,2 106,3
  2. Quartal 106,0 106,2 105,6
  1. Quartal 105,1 105,8 103,9
2011 4. Quartal 104,7 105,1 104,1
  3. Quartal 104,1 105,0 102,7
  2. Quartal 103,6 104,4 102,4
  1. Quartal 102,4 103,5 100,7
2010 4. Quartal 101,1 101,6 100,2
  3. Quartal 100,2 100,5 99,7
  2. Quartal 100,0 100,3 99,7
  1. Quartal 98,8 97,7 100,5

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Stand: Januar 2016)

Lesen Sie mehr dazu

So finden Sie die ideale Anschlussfinanzierung
So finden Sie die ideale Anschlussfinanzierung
Wenn die Zinsbindung Ihrer Immobilienfinanzierung auf ihr Ende zugeht, wird es höchste Zeit, sich um eine Anschlussfinanzierung zu kümmern. Dabei stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung....
Erschließungskosten – mit diesen Kosten müssen Sie rechnen
Erschließungskosten – mit diesen Kosten müssen Sie rechnen
Die Erschließungskosten sind eine Abgabe, die Bauherren an eine Kommune bezahlen. Die Kosten entstehen, wenn ein Grundstück an das Wasser- oder Stromnetz sowie an weitere technische Netze und an das Straßennetz...
Immobilien­finanzierung: Vergleich & Tipps
Immobilien­finanzierung: Vergleich & Tipps
Der Begriff Immobilienfinanzierung wird gleichbedeutend mit Baufinanzierung verwendet. Ziel ist es, das nötige Kapital für den Bau oder den Kauf einer Immobilie aufbringen zu können. Der größte Teil wird...

FinanceScout24 Newsletter

Jetzt anmelden und 100 € Amazon Gutschein gewinnen