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Bundesschatzbriefe: Anlage mit steigenden Zinsen

Autor: FinanceScout24 - Zuletzt aktualisiert am 28.07.2016

Bundesschatzbriefe sind Wertpapiere, die im Jahr 1969 eingeführt und vom Bund bis Ende 2012 ausgegeben wurden. Sie sind festverzinslich, wobei die Zinsen mit der Laufzeit ansteigen. Die Schatzbriefe sollten zum einen dem Bund Geld für den Haushalt einbringen, zum anderen dienten sie einer soliden, zuverlässigen Vermögensbildung. Insbesondere bei Kleinanlegern erfreuten sie sich großer Beliebtheit, denn mit den Bundesschatzbriefen ließen sich auch sehr kleine Summen anlegen. Im Gegensatz zu Bundesanleihen oder Bundesobligationen waren (und sind) die Schatzbriefe des Bundes nicht börsennotiert, es besteht hier also kein Kursrisiko.

Der Staat gilt als der sicherste Anlagepartner überhaupt. Bundesschatzbriefe sind mündelsicher – ein Qualitätskriterium, das höchsten Anforderungen entspricht. Dieser Begriff hat seinen Ursprung im Bürgerlichen Gesetzbuch: In § 1807 BGB geht es um das Anlegen von Geld durch einen Vormund für sein Mündel.

Die in dieser Vorschrift aufgeführten Anlagearten gelten als sicher im Sinne des Gesetzes. Dazu gehören insbesondere verschiedene Geldanlagen, die von Bund, Ländern und Gemeinden angeboten werden – unter anderem auch der Bundesschatzbrief. Da bei diesen Geldanlagen der Staat als Vertragspartner auftritt, ist sogar die gesetzliche Einlagensicherung überflüssig.

Achtung: Ausgabe von Bundesschatzbriefen 2013 eingestellt

Seit 2013 ist die Ausgabe von Bundesschatzbriefen eingestellt. Alternative Anlagemöglichkeiten, die den Eigenschaften der Bundesschatzbriefe möglichst nahe kommen, haben wir hier für Sie aufgelistet.

Bundesschatzbrief: Eine Stufenzinsanleihe

Der Bundesschatzbrief stellt eine langfristige Anleihe dar – genauer gesagt: Eine Stufenzinsanleihe. Bei Ausgabe wird dem Anleger garantiert, dass der Zins mit jedem Jahr weiter steigt. Im Lauf der Zeit wurden die Zinsen für die neu herausgegebenen Schatzbriefe jeweils an das herrschende Zinsniveau angepasst. Dabei machte die negative Zinsentwicklung auch vor den staatlich herausgegebenen Anleihen nicht Halt – das zeigt sich am Verlauf des Zinsniveaus für Schatzbriefe des Bundes in den letzten Jahren bis zur Einstellung.

Im Folgenden angegeben sind die Zinssätze für das siebte Jahr eines Schatzbriefs vom Typ B (jeweils Juli / August des Jahres):

ErwerbsjahrZinssatz
2008 4,75 Prozent
2009 4,25 Prozent
2010 2,75 Prozent
2011 2,25 Prozent
2012 1,50 Prozent

Wer also im Jahr 2008 einen Bundesschatzbrief des Typs B erworben hatte, konnte im Jahr 2015 (nach sieben Jahren Laufzeit) von vergleichsweise guten Zinsen profitieren.

Zu beachten ist aber, dass auch bei Anleihen vom Staat eine Steuer auf Zinsen fällig wird: Die übliche Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent. Diese wird – sofern kein Freistellungsauftrag vorliegt – direkt von der Bundesfinanzagentur eingezogen, dem Dienstleiter, den der Bund mit der Verwaltung des Schatzbriefgeschäfts beauftragt hat.

Typ A und Typ B: Die Unterschiede

Zu beachten ist, dass Bundesschatzbriefe Konditionen aufweisen, die je nach Typ unterschiedlich sind. So gibt es einen Typ A und einen Typ B. Beide Arten unterscheiden sich in Bezug auf die Laufzeit und die Auszahlung der Zinsen.

TypKleinste StückelungLaufzeitAuszahlung der ZinsenVersteuerung der Zinsen
A 50 Euro 6 Jahre Am Ende jedes Laufzeitjahres Jährlich
B 25 Euro 7 Jahre Am Ende der Laufzeit Zum Laufzeitende

Dass bei den Bundesschatzbriefen die Konditionen und nicht die Zinsen den Unterschied ausmachen, lässt sich anhand des folgenden Beispiels verdeutlichen. Zugrunde gelegt wurden die Schatzbriefe vom Februar 2011 (Typ A und B) mit einer Anlage von jeweils 10.000 Euro.

Da beim Typ A die Zinsausschüttung jedes Jahr erfolgt, entfällt hier der Zinseszins-Effekt. Der kontinuierliche Anstieg der Zinsen über die Laufzeit soll die Anleger dazu verleiten, ihre Bundesschatzbriefe möglichst lange – am besten bis zum Ende der Laufzeit – zu halten.

JahrZinssatzZinsen Typ A (in Euro)Zinsen Typ B (in Euro)
1 0,50 Prozent 50,00 50,00
2 1,25 Prozent 125,00 125,63
3 1,75 Prozent 175,00 178,07
4 2,50 Prozent 250,00 258,84
5 3,25 Prozent 325,00 344,91
6 4,00 Prozent 400,00 438,30
7 4,00 Prozent 455,83
Zinsertrag insg. 1.325,00 1.851,58

So funktionierte der Erwerb

Während man lange Zeit bei allen Geldinstituten Bundesschatzbriefe ohne zusätzliche Gebühren kaufen konnte, wurde der Vertrieb zuletzt (vor der endgültigen Einstellung) durch die Deutsche Finanzagentur übernommen. Der Erwerb über Finanzinstitute wurde damit kostenpflichtig.

Die Verwaltung der noch bestehenden Wertpapiere des Bundes ist kostenlos – ohne Zwischenschaltung von Banken – bei der Deutschen Finanzagentur möglich, die keine Depotgebühren erhebt. Die Abwicklung erfolgt neben Online-Banking weiterhin auch auf dem herkömmlichen Postweg.

Wer noch über Bundesschatzbriefe verfügt, kann sicher sein, dass die Rückzahlung auch nach Einstellung der Bundesschatzbrief-Ausgabe gewährleistet ist. Bundesschatzbriefe sind übertragbar. Allerdings muss die Übertragung an jemanden erfolgen, der wie der Erstkäufer zum Erwerb berechtigt ist. Zugelassen sind nämlich ausschließlich Privatpersonen („natürliche Personen“ nach dem Gesetz) und bestimmte gemeinnützige Vereine oder Gesellschaften.

Auch die vorzeitige Rückgabe oder der Tausch gegen andere Bundeswertpapiere ist möglich. Eine Rückgabe vor dem Ablauf der Frist kann bereits nach einem Jahr erfolgen, allerdings nur bis zu 5.000 Euro in 30 Zinstagen. Wer 60.000 Euro angelegt hat, muss bis zur vollständigen Zahlung also noch ein weiteres Jahr warten.

Gut zu wissen: Warum wurde die Ausgabe 2013 eingestellt?

Ein wesentlicher Grund für die Einstellung der Schatzbriefe des Bundes war das negative Verhältnis zwischen dem Ertrag und den Kosten für die Verwaltung durch die Bundesfinanzagentur. Dabei berechnet sich der Ertrag aus dem Abstand der Zinsen im Vergleich zu einer Anleihe, die an den Börsen gehandelt wird und eine ähnliche Laufzeit aufweist.

Aber auch der ausgeglichene Bundeshaushalt machte es möglich, auf diese Finanzierungsform zu verzichten. Ob es in Zukunft noch einmal eine Ausgabe von Schatzbriefen durch die Bundesfinanzagentur geben wird, ist ungewiss.

Alternativen zu Bundesschatzbriefen

Bundesschatzbriefe waren vor allem bei Anlegern gefragt, denen es in erster Linie auf Sicherheit ankam. Auch war diese Form von festverzinslichen Wertpapieren gerade für diejenigen geeignet, die Geld zurücklegen konnten, ohne Liquiditätseinbußen befürchten zu müssen. Sprich: Der Bundesschatzbrief war ideal als Anlageform für Geld, das einfach „übrig“ war. Dass bei den Bundesschatzbriefen Zinsen mit der Laufzeit anstiegen, machte diese Anleihen zusätzlich attraktiv.

Seit dem Ende der Schatzbriefe im Januar 2013 stellt sich natürlich die Frage nach Alternativen. Welche Anlageformen sind ähnlich? Kapitalanlagen, die weniger auf Liquidität als auf langfristige Sicherheit setzen und vergleichsweise gute Rendite bieten, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Anleihen der Bundesländer

Nachdem es nicht mehr möglich ist, Bundesschatzbriefe zu kaufen, sehen sich viele Kleinanleger auch bei anderen Gebietskörperschaften um. Denn auch Länder, Städte und Gemeinden bieten öffentliche Anleihen an.

Bundesländer-Anleihen genießen schon aufgrund des Länderfinanzausgleichs eine sehr hohe Ausfallsicherheit. Selbst im denkbar schlechtesten Fall – der Zahlungsunfähigkeit eines Bundeslandes – müsste der Bund einspringen und die Gläubiger der Schatzbriefe auszahlen. Doch auch hier gilt, dass die Rendite oftmals unterhalb der Inflationsrate liegt.

Festgeld & Sparbriefe

Anlageprogramme von Banken und Sparkassen bieten durch die gesetzliche Einlagensicherung praktisch eine genauso hohe Sicherheit wie Bundesschatzbriefe – und meist sogar etwas mehr Rendite.

Diese Produkte heißen zum Beispiel Sparbriefe, Zuwachs- oder Festzinssparen – feste Geldanlagen mit langen Laufzeiten und garantierten Renditen. Diese halten sich auch hier in überschaubaren Grenzen, sind aber garantiert. Gebühren werden in aller Regel nicht erhoben.

Allerdings ist der Einstiegspreis für diese Produkte höher. Während bei einigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken bereits 500 Euro zur Eröffnung eines Anlagekontos ausreichen, ist man bei den meisten Banken nur mit vierstelligen Beträgen dabei.

Die Zinsen bemessen sich auch bei Sparbriefen weitgehend nach der Laufzeit. Gleiches gilt für Festgeld. Tagesgeld bietet zwar eine hohe Flexibilität, weil jederzeit Geld abgehoben werden kann, doch besonders bei dieser Anlageform sind die Zinsen mittlerweile auf einem Tiefpunkt angelangt.

Achtung: Verwechslungsgefahr!

Um von dem soliden Image der Bundesschatzbriefe zu profitieren, haben viele Banken sogenannte Schatzbriefe auf den Markt gebracht. Teilweise haben diese auch identische Laufzeiten und Klassifizierungen (Typ A und B).

Die von Banken ausgegebenen Schatzbriefe sind jedoch nicht mit den staatlichen Wertpapieren zu verwechseln, denn die Anleihen werden von den Geldinstituten selbst herausgegeben. Die Sicherheit, das Geld direkt vom Staat zu bekommen, ist bei diesen Schatzbriefen nicht gegeben.

Österreichische Bundesschatzscheine

Wer weiterhin Staatspapiere kaufen will, die den Bundesschatzbriefen ähneln und von höchster staatlicher Ebene vergeben werden, sollte einen Blick über die Grenze werfen: In Österreich gibt es seit zehn Jahren die sogenannten Bundesschatzscheine.

Dieses Angebot steht allen EU-Bürgern offen, Depot- oder Kaufgebühren fallen nicht an. Die Sicherheit, die den österreichischen Anleihen zugesprochen wird, wirkt sich allerdings negativ auf die Rendite-Erwartungen aus – wie bei den deutschen Schatzbriefen auch. Privatanleger können bereits mit 100 Euro einsteigen.

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